Am Ende lautete das Urteil fünf Monate zur Bewährung. Am Amtsgericht Bamberg wurde ein 48-jähriger Mann aus dem Landkreis Lichtenfels verurteilt, der vor zwei Jahren auf der Kettenbrücke in Bamberg mit rassistischen Beleidigungen und nationalsozialistischen Parolen auffällig geworden war. Vor Strafrichterin Christine Schäl hielt er "Scheiß Nigger" und "Scheiß Juden-Neger" für ganz normalen Straßenjargon.

Kurz vor 16 Uhr ist es, als die beiden Brüder, nennen wir sie Roberto (17) und Miguel (15), über die Kettenbrücke eilen. Dabei kommen die Jugendlichen auch an einer Gruppe älterer Männer vorbei, die augenscheinlich zu tief in die Bierflasche geguckt haben. "Sie haben herumgegrölt", so eine Zeugin.

Weil der jüngere Bruder eine dunklere Hautfarbe hat, wird er zur Zielscheibe des Angeklagten. Dabei sind Roberto und Miguel Deutsche mit familiären Wurzeln in Kolumbien. Später wird Miguel vom selben Mann, der nun auf der Anklagebank saß, im Weggehen bespuckt und am Hals getroffen. Um auch ja keine Unklarheiten über seine rassistischen Motive entstehen zu lassen, erhebt der Angeklagte den rechten Arm zum Hitlergruß, während mehrfach ein "Sieg Heil" zu hören ist. Dann ruft er "Du gehörst nicht hierher. Verpiss dich in Dein Land!"

So etwas erlebe man nicht jeden Tag, erzählte eine Zeugin. Sie habe den Mann dann noch gefragt, ob er sich nicht schäme, auf einen kleinen Jungen loszugehen.

Während viele, vor allem männliche Passanten, sich nicht darum scheren, dass da gerade jemand am helllichten Tag in aller Öffentlichkeit angepöbelt und gedemütigt wird, greifen ausgerechnet zwei junge Frauen ein. Obwohl sie keinen der Beteiligten kennen und jede ein kleines Kind bei sich hat. Eine ist sogar noch schwanger. "Sie hatten es auf ihn abgesehen. Nur weil er eine andere Hautfarbe hatte", so die Zeugin. Der Angeklagte habe erst aufgehört, als die Polizeistreife eingetroffen sei. "Sonst hätte das vielleicht noch ganz anders ausgehen können".

Unerschrockene Helferin

Wie recht die unerschrockene Helferin hatte, zeigte ein Blick in das Vorstrafenregister des Angeklagten. Dort fanden sich zwei Dutzend Urteile der Amtsgerichte in Bamberg, Lichtenfels, Hof, Landshut und Kronach. Neben mehreren Drogengeschichten fanden sich dort Diebstahl, Wohnungseinbruch, Sachbeschädigung, versuchter Betrug, aber auch gegen Menschen gerichtete Straftaten wie Hausfriedensbruch, vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung.

Es war bereits der vierte Anlauf, die Straftaten juristisch zu ahnden. Einmal saß der Angeklagte nur wenige Meter entfernt in der JVA Bamberg eine Geldstrafe ab, was keiner wusste. Ein andermal erschien er, der mittlerweile im hessischen Bad Nauheim lebt, einfach nicht vor Gericht. Doch ohne ihn konnte nicht verhandelt werden. Beim dritten Versuch meinte der Angeklagte, verhandlungsunfähig zu sein, ließ sich hernach aber auch nicht medizinisch untersuchen.

Erst jetzt stellte er sich den Vorwürfen. Allerdings fand er stets neue Ausreden und Ausflüchte. Den Hitler-Gruß erklärte er anfangs mit tiefstehender Sonne, die ihm die Sicht genommen hätte. Dann meinte er, er habe zwar den Arm erhoben, allerdings wie die italienischem Faschisten mit eingeklapptem Daumen. Dass es nach Ansicht des Bundesgerichtshofs auf derlei nicht ankomme, darauf machte ihn sein Strafverteidiger Jochen Kaller aus Bamberg aufmerksam. Es sei in jedem Fall eine Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Die Sieg Heil-Rufe bestritt er bis zuletzt. "Rechtsradikale Scheiße werden Sie bei mir nicht finden!", versicherte er.

Strafrichterin Christine Schäl sah in Folge der beiden Beleidigungen, das "Scheiß Nigger" und die Spuckattacke, sowie des Hitlergrußes keinen Spielraum mehr für eine Geldstrafe. Die hätte der im Leben mehrfach gescheiterte Mann ohne Schulabschluss, ohne Berufsausbildung, ohne Arbeitsstelle, dafür mit enormen Unterhaltsrückständen und im Angesicht der Privatinsolvenz wohl auch kaum zahlen können. Ihm werden schon die 600 Euro an den Verein Lifeline Bamberg schwerfallen, die als eine der Bewährungsauflagen verhängt wurden.