und Ralf Ruppert

Rund 40 interessierten Bürger informierten sich bereits in der jüngsten Sitzung des Nüdlinger Gemeinderates über den Entwurf des Bundesverkehrswegeplanes und natürlich vor allem die Ortsumgehung Nüdlingen. Holger Bothe, Leiter des Staatlichen Bauamts Schweinfurt, ging auf den weiteren Ablauf ein. Als realistisch bezeichnete er eine Planungszeit von neuneinhalb Jahren. Dann kämen zwei Jahre Bauzeit dazu, so dass erst im Herbst 2027 der Verkehr rollen könnte.


"Zukunftsfähig gestalten"

Kritik gab es bereits im Vorfeld der Sitzung von der Bürgerinitiative (BI) für die Ortsumgehung an Bürgermeister Harald Hofmann (CSU): "Für Nüdlingen ist das die große Chance, aber die Gemeinde hat bisher nicht viel gemacht", sagt etwa der ehemalige Gemeinderat Ewald Kiesel aus Haard. Der 76-Jährige ist stellvertretender Sprecher der BI. "Wir bleiben dran, denn wir müssen unsere Gemeinde zukunftsfähig gestalten", sagt BI-Sprecherin und Gemeinderätin Anita Haub, die selbst unmittelbar an der Bundesstraße wohnt.
Beiden, Haub und Kiesel, fehlt der Einsatz des Bürgermeisters für das Projekt: Die Gemeinde habe es der BI überlassen, in den vergangenen Jahren zum Beispiel die Mitglieder des Bundestagsverkehrsausschusses anzuschreiben und auf die Belastung durch Lärm und Feinstaub durch bis zu 10 800 Fahrzeuge täglich in der Ortsmitte hinzuweisen.


"Handeln wichtiger als Reden"

"Ich hatte bereits sechs Tage nach der Veröffentlichung des Bundesverkehrswegeplans einen Termin beim Staatlichen Bauamt", widerspricht Hofmann dieser Darstellung. Mittlerweile habe er die Regionalkonferenz Nordbayern des Bundesverkehrsministers besucht und den Leiter des Bauamtes direkt in die Gemeinderatssitzung geholt. "Mir ist Handeln wichtiger als große Reden", erklärt Hofmann.
Noch bis 2. Mai läuft die Öffentlichkeitsbeteiligung. Die Stadt Bad Kissingen hatte im Fall der B 286 neu ihr Interesse am Projekt bekundet, das hält Hofmann aber für nicht notwendig: "Die Signale der Gemeinde sind eindeutig, wir haben einen Gemeinderatsbeschluss, in dem die Umgehung gefordert wird, das haben wir auch bei Herrn Bothe bekräftigt." Auch bei der Regionalkonferenz sei mitgeteilt worden, dass die Öffentlichkeitsbeteiligung vor allem für neue Sachargumente gedacht sei. Deshalb habe er keinen Beschluss fassen lassen.
Mitte März wurde im Entwurf des Bundesverkehrswegeplanes ein "vordringlicher Bedarf" (VB) für die Ortsumgehung Nüdlingen vorgeschlagen. Behördenleiter Bothe berichtete in der Sitzung, dass das Projekt nach fachlicher Bewertung sehr wichtig sei. Alle "VB-Projekte" sollten bis 2030 umgesetzt werden. "Wir stehen erst ganz am Beginn des Planungsprozesses", sagte Bothe. Er wies auf die hohe Belastung von bis zu 11 000 Fahrzeugen im westlichen Teil der Ortsdurchfahrt hin.


Zuwachs prognostiziert

Viel Verkehr gebe es auch als "Quell- und Zielverkehr" in der Gemeinde Nüdlingen. Auf die hohe Lkw-Belastung mit Lärm und Feinstaub wurde hingewiesen. Holger Bothe schätzt, dass der Verkehr bis 2030 zwischen 10 und 15 Prozent wächst. Der Bedarf für eine Verkehrsentlastung sei gegeben. Das Ziel sei eine Aufwertung der Wohn- und Lebensqualität im Ort.
Die in den Detailplänen zum Bundesverkehrswegeplan untersuchte Nordumgehung - zwischen Nüdlingen und Haard - könne durchaus gegen andere Linien abgewogen werden. "Man muss in Alternativen denken", meinte Holger Bothe. Das bestehende Straßennetz solle gut eingebunden werden. Die geschätzten Baukosten von rund elf Millionen Euro seien verkraftbar. Eine Ortsumgehung Nüdlingens habe einen hohen "Kosten-Nutzen-Faktor" von 3,4. Ende 2016 werde der Deutsche Bundestag die Projekte im vordringlichen Bedarf beschließen. "Erst dann fällt für uns der Startschuss", sagte der Leiter des Staatlichen Bauamts.


Seit Jahrzehnten vorgesehen

Auch Burkhard Diez (UWH) fragte, ob alternativ zur Nordumgehung auch eine Südumgehung mit einer direkten Verbindung von der B 287 zur ehemaligen B 19 in Frage komme. Diese Möglichkeit werde noch einmal auf den Tisch gelegt. Unter anderem könne der Artenschutz zu einer Änderung der Planung führen. Auch Bürgermeister Hofmann betont, dass die Südvariante untersucht werden müsse, schon alleine um Rechtssicherheit bei einem Planfeststellungsbeschluss zu gewährleisten. Allerdings sei die Nordvariante bereits seit Jahrzehnten im Flächennutzungsplan vorgesehen. Wer in den vergangenen Jahren ein Eigenheim am Nordrand Nüdlingens gebaut hat, habe also mit der Straße rechnen müssen.
Wichtig ist laut Holger Bothe die Umweltverträglichkeitsprüfung, während die technische Planung relativ einfach sei. Natur- und Artenschutz spielten eine besondere Rolle. Die einzelnen Schritte würden in enger Abstimmung mit anderen Behörden gemacht.


Möglichst naturverträglich

In der Diskussion stellte Volker Schäfer (SPD) die Frage, ob auch bei diesem Verfahren die Gemeinde Nüdlingen erneut "hinten runter fallen" könnte. Die Gefahr sei relativ gering, sagte Bothe. Die Ortsumgehung Nüdlingen bringe deutliche Vorteile. Zweiter Bürgermeister Edgar Thomas (CSU) fragte nach der Fahrbahnbreite der Ortsumgehung. Sie betrage 8,50 Meter, hinzurechnen müsse man die Böschungen. Die Eingriffe in die Landschaft sollten so verträglich wie möglich vorgenommen werden. Anita Haub (Bürgerblock) wies auf notwendige Lärmschutzmaßnahmen und auf Naturschutzbelange hin.
Bürgermeister Hofmann kündigte an, dass das Staatliche Bauamt das weitere Vorgehen sicher bei der Bürgerversammlung am Donnerstag, 12. Mai, in Nüdlingen vorstellt. Eine Teilnahme bei der Bürgerversammlung am Mittwoch, 11. Mai, in Haard sei noch offen.