Für den ehemaligen über 200 Jahre alten Stockheimer Steinkohlenbergbau - 1968 schloss endgültig die Zeche St. Katharina - hat das Bergamt Nordbayern umfangreiche Absicherungs- und Sanierungsmaßnahmen in Millionenhöhe vorgesehen. Kosten entstehen der Gemeinde Stockheim dadurch nicht. Während 2018 das Mundloch des 1100 Meter langen Königlich-Bayerischen Maximilian-Erbstollens - er entwässert auch heute noch mehrere Bergwerksanlagen - am Haßlachfluss optimal saniert wurde, stand ein Jahr später die Steinkohlengrube "Maximilian" (1855-1911) im Blickpunkt. So ist dort die Einbruchstelle von 1955 im Eingangsbereich des Schützenhauses mit einer tonnenschweren Arbeitsbühne - bestehend aus zehn Einzelplatten - vorerst abgesichert worden. Das Bergamt Nordbayern hat nach eingehender Untersuchung festgelegt, dass der "Maxschacht" mit einem neuen, dem Stand der Technik entsprechenden Verschluss zu versehen ist.

Gefahrenabwehr

Derzeit konzentrieren sich die Sanierungen auf die Instandsetzung des 1,1 Kilometer langen Haupttraktes des Königlich-bayerischen Maximilian-Erbstollens. Um die Entwässerungsanlage - erbaut von 1804 bis 1855 durch das Königreich Bayern - wieder voll funktionsfähig zu machen, sind arbeitsintensive Maßnahmen erforderlich. Hierzu wurden von den beiden sächsischen Ingenieurbüros G.U.B Ingenieur AG sowie GolHo detaillierte Planungen erarbeitet. Auftraggeber für die Wiederherstellung der Grubenwasserableitung über den Königlich-bayerischen Maximilian-Erbstollen sowie aller weiteren Maßnahmen zur Gefahrenerforschung und -abwehr an altbergbaulichen Objekten des ehemaligen Steinkohlenbergbaus in Stockheim und in Reitsch ist die Regierung von Oberfranken - Bergamt Nordbayern.

Die Auffahrungen des ehemaligen Bergbaus in Stockheim und Reitsch werden in den nächsten Jahren einer vertiefenden Untersuchung und Bewertung unterzogen. Der Grund: Im Rahmen einer geotechnischen-markscheiderischen Bewertung (2014-2016) wurde festgestellt, dass der K.-b. Maximilian-Erbstollen in der Vergangenheit immer wieder Schäden, Teilverbrüche und Verbrüche aufwies. Und das haben die Untersuchungen ergeben: Zur Beseitigung und Vermeidung von Schäden und Gefahren an der Tagesoberfläche ist das Grubenwasser dauerhaft, nachsorgefrei und kontrolliert über den K.-b. Maximilian-Erbstollen abzuführen.

Die Dimension des Entwässerungssystems ist beachtlich. Die Länge der mit Natursteinen ausgemauerten Stollenrösche (auch als Bergwerkskanal bezeichnet) bis hin zur Firma ASS-Einrichtungssysteme GmbH beträgt 535 Meter. Die weitere Wasserableitung zwischen Stollen und Haßlachfluss, die die Eisenbahnlinie sowie die Bundesstraße 85 unterquert und in die Haßlach bei Wolfersdorf mündet, ist ebenfalls über 500 Meter lang. Hier beträgt der Wasserabfluss, je nach Witterung und Jahreszeit, maximal 18 und minimal vier Liter pro Sekunde.

Und das ist die Vorgeschichte: Die Stockheimer Steinkohlengruben hatten um 1800 eine solche Tiefe erreicht, dass sie wassernötig wurden. Als Lösung kam der Maximilian-Erbstollen in Betracht. Man berief zur fachmännischen Leitung der aufwändigen Arbeiten Obersteiger Erdmeyer von der Königsgrube in Schlesien als Königlichen Bergfaktor. Baumeister Zeuß aus Vogtendorf erhielt 1813 den Auftrag zur Ausmauerung des Stollens mit Sandsteinen.

Derzeit konzentrieren sich die Sanierungsarbeiten auf den Bereich westlich des Stockheimer Friedhofs, und zwar auf Höhe des K.-b. Maximilian-Erbstollens. Für die komplizierten Schachtbauarbeiten erhielt die Firma Feldhaus Bergbau GmbH & Co KG aus Schmallenberg (Sauerland), unter anderem auf Bergbauleistungen spezialisiert, den Zuschlag.

Mittlerweile haben die Bergleute in unmittelbarer Nähe des Entwässerungsstollens mit schwerem Gerät einen 30 Meter tiefen Zugangsschacht abgeteuft. Für den Schachtausbau - der Innendurchmesser beträgt vier Meter - fand Spritzbeton Verwendung. Der Erd- beziehungsweise Gesteinsaushub ist beachtlich. An die 2000 Kubikmeter Gesteinsmaterial haben die Spezialisten gefördert. Nach Sedimentgestein ist man zuletzt auf eine massive Schicht "Rotliegendes" - das sich vor etwa 280 Millionen Jahren gebildet hat - gestoßen. Sozusagen als Höhepunkt der derzeitigen Grabungsarbeiten konnte das Füllort - das ist die Kreuzungsstelle zwischen Schacht und Stollen - funktionsfähig ausgebaut werden. Damit ist ein direkter Zugang zum Maximilian-Erbstollen möglich geworden.

Weiterer Schacht folgt

Hochzufrieden zeigte sich Polier Martin Nordmann über das Ergebnis der umfangreichen Arbeiten. Die abgetragenen Sandsteine sind übergangsweise auf dem Bauhof der Gemeinde Stockheim zwischengelagert worden. 2021 wird dann im Bereich der Zeche St. Katharina ein weiterer, etwa 30 Meter tiefer Schacht zur Entwässerungsanlage abgeteuft. Geplant ist dann eine Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit des K.-b. Maximilian-Erbstollens durch den Einbau von zwei Rohrleitungen.