Bereits im Juni 2020 war man im Marktgemeinderat Rattelsdorf darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Verlängerung der wasserrechtlichen Erlaubnis für die Tiefbrunnen bei Höfen für die Zukunft nicht ausreiche, um den Gesamtbedarf zu decken. Das Gesundheitsamt (Landratsamt Bamberg) habe empfohlen, die Trinkwasserversorgung mittels Anschluss an die Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) sicherzustellen. Mittlerweile lagen Kostenvoranschlag (ca. 195 000 Euro) und Förderbescheid (Zuschuss: 82 000 Euro) vor. Vor- und Nachteile wurden eingehend diskutiert, wobei allen Beteiligten klar war, dass die eigene Wasserversorgung nicht aufgegeben werden dürfe. Ein drittes Standbein wäre jedoch wichtig, um für kommende Trockenperioden gewappnet zu sein.

Die Bohrung eines neuen Brunnens werde heute mit Kosten in Höhe von 3500 Euro pro Meter Bohrtiefe angesetzt, bei zu erwartenden 90 Metern ergibt dies Kosten in Höhe von 315 000 Euro, wozu unter anderem noch der Aufwand des technischen Anschlusses an den Hochbehälter zu rechnen ist. Die letzte Brunnenbohrung innerhalb des Marktgebietes lag schon bei 550 000 Euro.

Der geplante Anschluss an die FWO-Versorgung dient dazu, die Versorgungssicherheit zu garantieren. Neben der Anbindung an einen Übergabe-Schacht, und damit an den Hochbehälter in Ummersberg, müssten 80 Kubikmeter Wasser täglich zugekauft werden, was mit rund 30 000 Kubikmeters Wasser jährlich anzusetzen sei. Ein Mischen der eigenen Brunnen mit dem Fernwasser sei möglich, hieß es.

Wasserwart Karl Hornung erklärte die Brisanz, indem Brunnen I und Brunnen II nur noch als Brauchwasser zum Gießen benutzt werden dürfen, Der erste sei hochwassergefährdet, im zweiten seien die Nitratwerte zu hoch. Die Brunnen IV und V seien hingegen noch nicht belastet. Schon eingangs hatte Geschäftsleiter Roland Gehring erwähnt, dass ein Brunnen uranbelastet sei, der nur zum Mischen benutzt werden dürfe. Die Anschaffung einer Aufbereitungsleitung wäre ebenfalls mit hohen Kosten verbunden. Marktgemeinderat Oliver Prath ( CSU ) erinnerte an einen Stromausfall im Bereich des Hochbehälters: "Da ging gar nichts mehr!" Und Jürgen Scheuring ( SPD ) prophezeite, dass man im Sommer an seine Grenzen komme, weshalb zwei Alternativen infrage kämen: "neuer Brunnen oder Anschluss". Mit einer Gegenstimme wurde somit der Anschluss an das Netz der Fernwasserversorgung Oberfranken als Ergänzung und zur Schonung der Eigenwassergewinnung mit Tiefbrunnen IV und V beschlossen.

Transparenz durch Videoübertragung?

 

Nach Eingabe der Rattelsdorfer Zukunft (RatZ) vom Januar 2021 sollte im Marktgemeinderat geprüft und diskutiert werden, ob eine Liveübertragung der Sitzungen oder der Bürgerversammlung in Zukunft möglich und sinnvoll wäre. Als Beispiel wurde die Gemeinde Margetshöchheim (Landkreis Würzburg) genannt. Daraufhin hatte die Verwaltung der Gemeinde Rattelsdorf beim Bayerischen Gemeindetag angefragt bzw. die entsprechenden veröffentlichten Auszüge aus der Verbandszeitung und die Stellungnahme des Bayerischen Landesbeauftragten für Datenschutz eingeholt, um die zu erwartenden Probleme aufzuzeigen.

Dagegen sprächen die immensen Kosten (einmalig 12 000 Euro zuzüglich 700 Euro pro Sitzung), die Wahrung der Persönlichkeitsrechte, die Tatsache, dass nicht alle Räte bzw. der Bürgermeister mit einer Übertragung einverstanden sind - diese müssten dann ausgeblendet werden -, und das Fehlen der gesetzlichen Voraussetzung einer solchen Datenverarbeitung .

Die Gemeinde Rednitzhembach stellte als genanntes Beispiel diese erstmals 2003 durchgeführte Liveübertragung nach drei Jahren wieder ein. Die Verwaltung, in Person von Geschäftsstellenleiter Roland Gehring, wies darauf hin, dass im Kreistag der gleiche Antrag gestellt und auf Empfehlung des Landkreistages abgelehnt worden sei, weshalb er auch für die Marktgemeinde Rattelsdorf empfahl, diesem Antrag nicht stattzugeben. Mit 4 : 12 Stimmen wurde daher im Marktgemeinderat der Antrag der Rattelsdorfer Zukunft abgelehnt.