Es ist der Griff nach dem berühmten Strohhalm, den die Chorgemeinschaft Neuenmarkt-Hegnabrunn immer wieder unternimmt, um den Singbetrieb nicht zum Erliegen zu bringen. Vorsitzende Anette Balzar-Mohr lässt jedenfalls nichts unversucht, um nach Lösungen zu suchen, wie jüngst in der Hauptversammlung im FC-Sportheim. So machte sie den Vorschlag, bei der Maibaumaufstellung, die in diesem Jahr vom Brauchtumsverein "Hegnabrunner Moggerla" zusammen mit der Feuerwehr Hegnabrunn vorgenommen wird, zu einem gemeinsamen Singen in den Mai einzuladen.

Derzeit verfügt der Chor über 16 Frauen- und 4 Männerstimmen. Die Singstunden konnten mit Klavierbegleitung gut bewältigt werden, und es wurde auch geschafft, mehrmals aufzutreten. Ein Höhepunkt sei der Ehrenabend der Chorgemeinschaft Neuenmarkt-Hegnabrunn gewesen, der bunt und abwechslungsreich ausgestaltet war. "Es war ein rundum gelungener Ehrungsabend", wie Vorsitzende Anette Balzar-Mohr rückblickend feststellte.

Balzar-Mohr verwies darauf, dass die Sängerinnen und Sänger bei den einzelnen Anlässen immer mit Freude und auch motiviert aufgetreten sind und dabei auch viele positive Rückmeldungen bekommen: "Wir konnten Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern, wir haben Menschen aber auch zu Tränen gerührt und ich denke, wir konnten Menschen Momente schenken, in denen sie einfach ihre Sorgen vergessen konnten. Das ist mir besonders im Pro-Seniore aufgefallen, als wir die klassischen Weihnachtslieder gesungen haben."

Die Problematik, dass man derzeit nur über drei, vier Männerstimmen verfügt, ziehe sich nach den Worten der Vorsitzenden wie ein roter Faden durch den Chor. Vorsitzende Anette Balzar-Mohr: "Es ist einfach kein Nachwuchs zu finden, und wir stehen jedes Jahr da und sprechen es immer wieder an, aber vielleicht sind wir jetzt an einem Punkt angekommen, wo wir es akzeptieren müssen, dass der klassische Gesangverein ein Auslaufmodell ist und wir die Chorarbeit wie in den letzten Jahrzehnten nicht mehr fortführen können."

Balzar-Mohr sprach sich dafür aus, nach Alternativen zu suchen, um das Bestehende zu erhalten. Ein Weg wären Projekte, bei denen sich die Teilnehmer nicht dauerhaft binden müssen, sondern nur für einen befristeten Zeitraum. "Vielleicht sollten wir ins kalte Wasser springen und den Versuch wagen. Aufgeben ist keine Alternative."

Chorleiterin Harah Thomas ging auf ihre Arbeit mit dem Chor ein, die ihr nach wie vor Freude und Spaß bereite. Die fehlenden Männerstimmen werden dadurch kompensiert, dass viel mehr Liedgut ausgewählt wird, bei dem nicht mehr zwischen Tenor- und Bassstimme unterschieden werde.

Bürgermeister Siegfried Decker (NG) räumte ein, dass er die Berichte mit gemischten Gefühlen gehört habe, aber dennoch stellte er fest: "Die Gemeinde Neuenmarkt ist schon stolz darauf, dass sie immer noch zu den Gemeinden gehört, die einen aktiven Chor und einen Gesangverein haben." Werner Reißaus