"Was machen Politiker eigentlich den ganzen Tag?" Und, wo ist der Unterschied zwischen den lokalen Akteuren und den Vertretern an übergeordneten Stellen, im Landtag zum Beispiel? Antworten auf diese Fragen und weitere interessante Informationen erhielten Auszubildende und Ausbilder bei der BDS-Azubi-Akademie, deren Startschuss im Landratsamt gegeben wurde. "Seine eigenen Kompetenzen weiterentwickeln, den Blick über den Tellerrand nutzen - kein Muss, aber ein sinnvolles Kann", sagte Landrat Thomas Bold bei der Begrüßung und sicherte die weitere Unterstützung des Landkreises für die Veranstaltung zu.

Mit dabei waren zudem Staatssekretär des Innern, für Sport und Integration, Sandro Kirchner, stellvertretender Landrat Gotthard Schlereth, Mario Wirth, Leiter der BDS-Azubi-Akademie Bad Kissingen, und Ute Kiesel, Vorsitzende BDS Bad Kissingen. Um Wissen und Kompetenz zu vermitteln, wendet sich die BDS-Azubi-Akademie zusammen mit regionalen Unternehmen über Workshops an Jugendliche aller Berufe, unabhängig vom Ausbildungsjahr. "Unsere Themen gehen in diesem Jahr sehr in Richtung Digitalisierung, es geht auch um Fake News und Medienkompetenz", gab Wirth eine Vorschau auf das Programm. Mit zehn Firmen und 40 Auszubildenden sei der Standort Bad Kissingen der größte in Unterfranken, so Wirth.

"Im Vergleich zu meiner Ausbildung 1980", erinnerte sich Kiesel, "mussten wir mit einer hohen Arbeitslosigkeit zurechtkommen, hatten meist 100 Bewerber für einen Ausbildungsplatz und mussten uns mit der Ölkrise, einer Rezession, dem Sonntags-Fahrverbot und der Grenzöffnung auseinandersetzen." Heute heißen die Probleme Corona, Energiekrise, Ukrainekrieg und Klimawandel, sie sei sicher, so Kiesel, dass die jungen Leute alles meistern würden. Sie verwies auf die sehr gute Arbeit der Ausbildungsbetriebe und auf die Hilfe durch den BDS.

Nach einer kurzen Einführungsrunde, in der sich zwei Auszubildende in einer Interviewsituation gegenseitig vorstellten, startete Gotthard Schlereth, stellvertretender Landrat, mit einem Zitat des früheren Bundespräsidenten Theodor Heuss. "Die Gemeinde ist wichtiger als der Staat, die Kommune ist für alles zuständig", führte er die Auszubildenden in sein Thema "Wie funktioniert Politik?" ein. Als stellvertretende Landräte, so Schlereth, würden er und Brigitte Meyerdierks Aufgaben des Landrats wahrnehmen, wenn dieser und ein weiterer Stellvertreter, Emil Müller, aus Termingründen nicht selbst an einer Veranstaltung teilnehmen können.

"Soziale Medien sind gut, jedoch ist die Präsenz durch nichts zu ersetzen", begründete Schlereth die Wichtigkeit der persönlichen Anwesenheit bei den unterschiedlichsten Terminen. Das können Jubiläen bei Vereinen ebenso sein wie der Bieranstich im Festzelt, die Teilnahme an einer Trauerfeier ebenso wie die Übergabe von Auszeichnungen, Diskussionsabende oder Engagement auf überregionaler Ebene, darunter fällt auch das Thema Energie.

Nach einer kurzen Pause stand die Fragerunde mit Staatssekretär Sandro Kirchner auf dem Programm. Mit dem Film "Der Bayerische Landtag mit Vinzenz und Irene" gab Kirchner einen eindrucksvollen Einblick über die Veränderungen im Laufe der Zeit und die aktuelle Arbeit des Landtages. "Bayern ist dank vieler verschiedener Bereiche das sicherste und bildungsstärkste Bundesland Deutschlands", erklärte Kirchner. "Wir haben alle einen leeren Werkzeugkasten, welchen wir mit dem füllen können, was wir als wichtig empfinden. Die Grundlage dafür legen wir in der Schule", fasste Kirchner zusammen.

Er schilderte seinen Werdegang vom Mitglied der Jungen Union Bayern hin zum Kreisvorsitz, Ortsvorsitzenden, Bürgermeister und weiteren politischen Ämtern bis hin zu seiner jetzigen Position als Staatssekretär des Innern, für Sport und Integration. "Natürlich bin ich viel in Bayern und in Deutschland unterwegs", beschrieb Kirchner seine Arbeit. Falls er keine Termine habe, die Präsenz erfordern, würde er im Homeoffice arbeiten, hier, im Landkreis oder in München. red