andreas Oswald

Die Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Zeitarbeitsfirma an der Klinik Fränkische Schweiz werden immer größer. Zuerst schmeißt der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Karl Waldmann, seinen Sitz im Aufsichtsrat der Klinik, weil er nicht an den fragwürdigen Bedingungen beteiligt sein möchte, unter denen die bisherigen Leiharbeiter in den Tarif des öffentlichen Dienstes überführt werden sollen, wenn die Zeitarbeitsfirma aufgelöst wird. Und jetzt veröffentlicht die gleiche Service GmbH, deren Ende bevorsteht, noch Stellenanzeigen, in den weiterhin Leiharbeitskräfte im Pflegebereich gesucht werden.


Zwei Klassen-Beschäftigte

Zur Erinnerung: In der KFS-Servicegesellschaft wird seit zwölf Jahren Personal beschäftigt, das für weniger Geld die gleiche Arbeit leistet wie Krankenhaus-Kollegen, die nach dem Tarif des Öffentlichen Dienstes bezahlt werden. Der Landkreis als Träger der Klinik hat nach Waldmanns Angaben damit "Millionen eingespart". Doch die Leiharbeit lohnt sich künftig nicht mehr - weil die Bundesregierung per Gesetz vorschreibt, dass Zeitarbeitsfirmen ihren Beschäftigten nach spätestens neun Monaten das selbe Gehalt bezahlen müssen, das dem "regulären" Personal zusteht. Rund 100 Beschäftigte der Servicegesellschaft sollen daher zur Jahreswende ins Stammpersonal der Klinik Fränkische Schweiz übernommen werden - besoldet nach dem Trarif des Öffentlichen Dienstes (TvÖD). Das ist die gute Nachricht.


Niedrige Eingruppierung

Die Kehrseite der Medaille: Die in der Servicegesellschaft geleisteten Arbeitsjahre werden bei der Eingruppierung in den TvÖD nicht berücksichtigt. Dass dies so in einer Betriebsvereinbarung verankert worden ist, die vom Aufsichtsrat und Betriebsrat mitgetragen wird und vom Kreistag im November verabschiedet werden soll, hat den Kreisrat der Grünen, Karl Waldmann, schließlich veranlasst, seinen Aufsichtsratsposten niederzulegen. Und die Zornesröte wird ihm noch länger im Gesicht stehen: Denn zirka 50 Reinigungs- und Küchenkräfte bleiben weiterhin zu den Konditionen der Servicegesellschaft beschäftigt.


Suche nach Personalkonzept

Der zuständige Abteilungsleiter am Landratsamt, Frithjof Dier, erklärt den Verbleib einiger Leiharbeitskräfte bei der Zeitarbeitsfirma mit Blick auf eine mögliche Fusion mit dem Klinikum Forchheim. Man müsse erst ein Konzept finden, in dem geklärt ist, wie viele Reinigungskräfte man wo brauche und in welcher Klinik künftig gekocht werde. Da wolle man jetzt nicht vorgreifen. Frithjof Dier versichert jedoch: "Wir sind uns einig, dass die Servicegesellschaft aufgelöst wird, wenn es zur Fusion kommt."


Erstaunen über Stellenanzeigen

Dass die Zeitarbeitsfirma der Klinik Fränkische jetzt noch in Stellenanzeigen nach Leiharbeitern im Pflegebereich sucht, darüber zeigt sich Dier verblüfft: "Das macht keinen Sinn", gibt der Leiter der Abteilung für soziale Aufgaben zu. Er muss erst bei der Klinikleitung in Ebermannstadt nachfragen, um zu erklären: Dies sei nur deshalb geschehen, weil der Kreistag erst im November über die Betriebsvereinbarung abstimme. Auch diese Kräfte würden nach Auflösung der Zeitarbeitsfirma in den Tarif des Öffentlichen Dienstes übergeleitet, versichert Frithjof Dier. Der Geschäftsführer der Klinik Fränkische Schweiz, Uwe Möller-Ühlken, formuliert es so: So lange die Servicegesellschaft noch existiere, werde sie Hilfspflegekräfte einstellen - die später genauso wie die übrigen Beschäftigten behandelt würden.


Werkverträge im Blick

Dass dahinter der Gedanke an leicht freizusetzendes Personal stehende könnte, weist Möller-Ühlken zurück: Es gebe nun einmal Arbeitsbereiche, die mit so gleichartigen Tätigkeiten verbunden seien, dass es keine Rolle spiele, wer sie verrichte - diese Arbeiten könnten in Werkverträgen organisiert werden. Diskussionsstoff darüber gibt es allemal, wenn am Donnerstag eine Arbeitsgruppe von Stadt und Kreis zum Thema Klinikfusion tagt.