Beim Haushaltsplan der Marktgemeinde Wildflecken für 2021 lassen sich viele positive Entwicklungen erkennen. Daniel Kleinheinz, Geschäftsleiter der Gemeindeverwaltung, mahnt dennoch Sparsamkeit an. Um Abstandsregeln einzuhalten, wich der Wildfleckener Marktgemeinderat für seine jüngste Sitzung in das Haus des Gastes nach Oberbach aus. Das war aufgrund der diesmal erstaunlich großen Zahl an Zuhörern eine weitsichtige Entscheidung.

Geschäftsleiter Kleinheinz erläuterte den Haushaltsplan für 2021. Er zeigte sich mit der aktuellen finanziellen Entwicklung der Kommune außergewöhnlich zufrieden. Fast 14,6 Millionen Euro umfasst der Gesamthaushalt der Marktgemeinde Wildflecken. Rund 8,4 Millionen Euro entfallen auf den Verwaltungshaushalt, der alle laufenden Einnahmen und Ausgaben einer Gemeinde abdeckt. Etwa 6,2 Millionen Euro umfasst der Vermögenshaushalt für Investitionen und Anschaffungen der Kommune.

Hohe Fluktuation an Einwohnern

Besonders bemerkenswert: Im Jahr 2021 wird die Marktgemeinde keine neuen Schulden machen. "Es ist keine Kreditaufnahme vorgesehen", sagte Daniel Kleinheinz. Weiterhin gebe es eine hohe Fluktuation an Einwohnern in der Gemeinde. Diese Entwicklung habe sich aber bereits in den zurückliegenden Jahren so abgezeichnet. Die Schülerzahlen bleiben allerdings relativ konstant. 203 Gewerbebetriebe sind nach Auskunft von Kleinheinz in der Marktgemeinde Wildflecken gemeldet. Rund 1,6 Millionen Euro erwartet die Kommune heuer allein aus Gewerbesteuereinnahmen.

Keine Steuererhöhung

Fest steht nun auch: Hebesätze für Gewerbesteuer und Grundsteuer werden in diesem Jahr nicht angehoben. Das beschloss das Gremium einstimmig. Rund 1,5 Millionen Euro im Verwaltungshaushalt entfallen auf die Personalkosten. Diese konnten nach Auskunft des Geschäftsleiters allerdings im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht gesenkt werden. "Unser Ziel bleibt eine sparsame Haushaltsführung. Wir wollen auch in den kommenden Jahren möglichst wenig Kredit aufnehmen", erläuterte Kleinheinz. Die aktuell positive Entwicklung der Gemeindefinanzen lässt sich auch daran erkennen, dass die Kommune heuer rund 1,2 Millionen Euro Schulden tilgen kann. "Die Sanierung der Grundschule wirkt noch nach. Kredite aus diesem Projekt mussten noch abgetragen werden", so Kleinheinz.

Ungewöhnlich hohe Einnahmen hat die Gemeinde heuer aus Grundstücksverkäufen. Alleine 310 000 Euro wurden mit dem Verkauf von Bauplätzen erlöst. Darüber hinaus hat sich die Kommune vom leerstehenden Alten Ratskeller am Rathausplatz getrennt. Das ehemalige Hotel wird für eine gastronomische Nutzung saniert. Außerdem werden dort Wohnungen eingerichtet. "2018 und 2019 hatten wir überhaupt keine freie Finanzspanne. Heuer kommen wir auf 1,6 Millionen Euro freie Finanzspanne. Das ist eine deutliche Verbesserung der finanziellen Lage. Das Risiko von schwankenden Gewerbesteuereinnahmen bleibt aber bestehen", erläuterte Kleinheinz.

"Im Moment gehen wir nicht von großen Defiziten bei der Gewerbesteuer in den kommenden beiden Jahren aus. Im Augenblick stehen wir sehr gut da. Wir tilgen unsere Kredite sehr zuverlässig." Allerdings richtete er auch den Blick auf "hohe Investitonen für Abwasser, Wasser und Straßensanierung" in den kommenden Jahren. "Zwar haben wir eine überdurchschnittliche Tilgung in diesem Jahr, aber wir müssen trotzdem darauf achten, dass wir sparsam bleiben."

Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) wollte die positive finanzielle Lage der Gemeinde persönlich nicht überbewerten: "Man hat magere Jahren, man hat fette Jahre. Der Haushalt liest sich jetzt erstmal recht gut. Es ist eine positive Tendenz zu erkennen. Es ist aber kein Geld da, was wir einfach so frei verplanen können. Luxusinvestitionen sind natürlich nicht drin, denn es stehen große Investitionen an." Insofern erleichtere die positive Entwicklung die Planung für das Großprojekt Kläranlage. "Wir befinden uns in positivem Fahrwasser. 2019 war mal ein ganz mieses Jahr. Wir wissen, was wir noch an Hausaufgaben machen müssen."

Keine Gegenstimmen gab es bei den Beschlüssen rund um Haushalts-, Stellenplan und Finanzplanung. Eine Nachfrage kam allerdings von Holger Trump (CSU/PWG/OWII), der auf das jährliche Defizit von 81 000 Euro aus dem Bereich Bibliothek aufmerksam machte. "Da sind noch nicht einmal die Personalkosten berücksichtigt. Ich stelle daher den Antrag, die Anzahl und Herkunft der Entleihungen zu überprüfen. Die Bibliothek ist sicherlich eine wichtige Einrichtung. Aber wir müssen uns Gedanken über den Jahresbeitrag machen und auch überlegen, woher die Personen kommen, die die Bibliothek nutzen. Da sind ja nicht nur Einheimische dabei." Bürgermeister Kleinhenz will das Thema in einer der nächsten Sitzungen aufgreifen. Herbert Nowak (CSU/PWG/OWII) bat darum, dass der Haushaltsplan im kommenden Jahr etwas früher beschlossen werden kann als in diesem Jahr.