Laden...
Pressig

Auf Umwegen in die Seelsorge

Vor 25 Jahren wurde Alfred Trebes zum Diakon geweiht. Ein Besuch in der früheren DDR gab den Anstoß für den dreifachen Familienvater und ehemaligen Zollmitarbeiter, einen völlig neuen Weg einzuschlagen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Diakon Alfred Trebes blickt auf 25 Jahre Dienstzeit als Diakon zurück. Die Dankfeier zu seinem Silberjubiläum im geistlichen Beruf muss wegen der Corona-Krise verschoben werden.  Foto: K.- H. Hofmann
Diakon Alfred Trebes blickt auf 25 Jahre Dienstzeit als Diakon zurück. Die Dankfeier zu seinem Silberjubiläum im geistlichen Beruf muss wegen der Corona-Krise verschoben werden. Foto: K.- H. Hofmann

Karl-Heinz Hofmann Pressig —  Diakon Alfred Trebes aus Pressig blickt in diesen Tagen auf sein 25-jähriges Jubiläum der Diakonweihe zurück. Alfred Trebes hatte einen außergewöhnlichen Weg bis zum Tag seiner Diakonweihe.

Am 29. April 1995 wurde der gebürtige Windheimer im Dom zu Erfurt zum Diakon geweiht. Einige Wochen später, zum 1. Juli 1995, hat er seinen Beamtenstatus bei der Bundeszollverwaltung aufgegeben und "stieg endgültig ins Boot der Kirche" - und das drei Monate vor seinem 25- jährigen Dienstjubiläum bei der Bundeszollverwaltung, erzählt Alfred Trebes, der nun vor einem weiteren Silberjubiläum steht. Seine Geschichte wie er zum geistlichen Beruf kam ist ebenso spannend und interessant wie außergewöhnlich, so dass er oft über den Satz nachdenkt, wie er sagt, "Gottes Wege sind unergründlich!"

Alfred Trebes sah sich erst mit 43 Jahren, als verheirateter Familienvater mit Ehefrau und drei Söhnen, zum Verkündigungsauftrag der Frohen Botschaft berufen. Am 22. Juni 1952 in Windheim geboren, wuchs er in einer Mehrgenerationenfamilie mit katholischer Tradition auf.

Nach Abschluss der Hauptschule erlernte er den Beruf des Schreiners, den er einige Jahre ausübte. Im Oktober 1970 hatte er die Gelegenheit, bei der Bundeszollverwaltung den mittleren Dienst anzutreten und damit in eine gesicherte Beamtenlaufbahn einzutreten. Dies hatte auch den Wohnsitzwechsel nach Pressig zur Folge, und 1972 gründete er zusammen mit Ehefrau Irene eine Familie, aus der drei Söhne hervorgingen. Zugleich bezog die Familie auch ein neues Domizil in Pressig, wo sie heute noch wohnt.

Hier machte Alfred Trebes Bekanntschaft mit einem Frührentner aus der DDR, der damals in die Bundesrepublik Deutschland reisen durfte. Dieser Frührentner war ein Verwandter der seinerzeitigen Nachbarn von Alfred Trebes und es kam oft zu intensiven Gesprächen.

Einladung nach "drüben"

Überraschend kam dann eines Tages die Einladung des Rentners an den Zollbeamten, ihn doch in seiner Heimat Langenweddingen im Sülzetal in Sachsen-Anhalt zu besuchen. Obwohl es natürlich für einen westdeutschen Zollbeamten nicht einfach war, in die DDR zu reisen, ließ ihn, wie er selbst sagt, diese Herausforderung nicht mehr los. Es bedurfte vieler Formalitäten, aber es ging doch, dass er mit seiner Familie nach Langenweddingen reisen und den freundlichen Rentner besuchen konnte.

Es gab dort sogar eine katholische Kirche und auch die Ehefrau des Frührentners war katholisch. Natürlich besuchte man den Gottesdienst und Alfred Trebes lernte den Diakon Richard Schelenz kennen. In längeren Gesprächen bei Besuchen in dessen Familie wurde viel über die Situation der katholischen Kirche in der DDR diskutiert und auch der Vergleich mit dem Erzbistum Bamberg dargestellt.

Eine überraschende Frage

Wie aus heiterem Himmel traf Trebes dann die Frage: "Diakon, wäre das nicht etwas für dich?"

"Diese schlichte Frage ließ mich nicht mehr los. Von nun an wurde der damalige Pfarrer Hans Endres zu meinem spirituellen Begleiter. Auf seine mutmachenden Worte hin begann ich 1982 über die Domschule in Würzburg ein Fernstudium für Theologie", erzählt der angehende Jubilar.

Und wieder traf er einen Menschen, dem er, was die Theologie betrifft, sehr viel zu verdanken habe. "Dr. Georg Zenk, Lehrer am Kaspar-Zeuß- Gymnasium, wurde mein theologischer Ziehvater, nicht nur für diese Studienzeit, sondern weit darüber hinaus", sagt der Diakon mit gerührter Stimme. Im Frühjahr 1989 wurde das Studium erfolgreich abgeschlossen. Gerade zu dieser Zeit begann die Euphorie der Wendezeit und der Wiedervereinigung in Deutschland. Für die Zollbeamten gab es den Arbeitsplatz "innerdeutsche Grenze" nicht mehr.

Ausbildung in Würzburg

Wieder führte ihn der "Zufall" zu einem Menschen, der ihn weiterführte. "Pfarrer Joachim Kügler, katholischer Pfarrer in Sonneberg, erzählte ich meinen gescheiterten Weg zum Diakonat, das im Erzbistum Bamberg nicht möglich war. Daraufhin empfahl mir Pfarrer Krügler, den Weg im Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen zu versuchen. Nachdem Bischof Wanke seine Zustimmung gab, begann ich eine Ausbildung zum Diakon im Bistum Würzburg, weil Sonneberg damals kirchenrechtlich zum Bistum Würzburg gehörte."

1994 wurde das Bistum Erfurt wieder gegründet und so wechselte Trebes in den neu gegründeten Diakonatskreis Erfurt. Schließlich wurde er am 29. April 1995 zum Diakon geweiht. Vom Weihetag bis zum 14. April 2009 war er überwiegend in der katholischen Pfarrei St. Stephan Sonneberg in der Gemeindeseelsorge und Klinikseelsorge tätig. Ab 15. April 2009 war er Klinikseelsorger in der Medinos-Klinik Sonneberg-Neuhaus/Rennweg sowie in weiteren Fachkliniken und zu einem kleinen Teil in der katholischen Gemeinde St. Leopold Hildburghausen tätig.

Der byzantinische Ritus

Seit seinem Ruhestand, dem 1. November 2019, ist Diakon Alfred Trebes im katholischen Seelsorgebereich Frankenwald in verschiedenen Gemeinden als Diakon tätig. Außerdem feiert er als Vater Diakon im byzantinischen Ritus zusammen mit Vater Wilhelm Pape seit 2006 in der byzantinischen Kapelle in Heroldsberg jeden ersten Sonntag im Monat göttliche Liturgie. Er betont, dass ihm der byzantinische Ritus und die Liturgie besonders am Herzen liegen.

Gerne erinnert er sich, dass er am festlichen 25-jährigen Jubiläum in der byzantinischen St.-Georg-Kapelle in Heroldsberg im April 2011 teilnehmen durfte. Der zu seinem 25-jährigen Diakon-Jubiläum geplante Dankgottesdienst in der Herz-Jesu- Kirche in Pressig muss leider wegen der Corona-Krise verschoben werden, bedauert Diakon Alfred Trebes, der sich aber trotz der Verschiebung darauf sehr freut.