Als ziemlich coburglastig bezeichnet Helmut Vorndran sein neues Buch "Das Makarov-Puzzle". Das ist ein wenig übertrieben, aber das Publikum der von der Buchhandlung Riemann veranstalteten Lesung im "Hungry Highlander" freut's und es stellt die Behauptung nicht infrage. Schon deshalb nicht, weil Schauplatz der ersten vorgetragenen Episode eben diese schottische Kultkneipe in der Steingasse ist.

Dort hat einer der Protagonisten des neuen Frankenkrimis, der Bamberger Kriminalkommissar Bernd Schmitt, wegen seines Pferdeschwanzes und der gern getragenen Sonnenbrille auch Lagerfeld genannt, eine folgenreiche Begegnung. Nach einer tränenreichen Zusammenkunft mit seiner Noch-Ehefrau Ute, die bei der HUK arbeitet, ist er emotional am Boden und sucht nach einer Gaststätte, um das brennende Leid mit etwas Bier zu kühlen. In der Steingasse passiert es dann: "Zwei Hirne fränkischer Art prallen unversehens aufeinander". Das Hirn des anderen gehört dem allseits bekannten und noch mehr berüchtigten Sänger von Coburg.

Besonders große Sympathie hegt Helmut Vorndran für den Mann mit dem Ghettoblaster und seinem Gesang nicht, aber dass die Coburger ihn vertrieben haben - er ist aus der Stadt weggezogen - findet er nicht gut: "Den habt ihr vergrault." Doch das nur nebenbei.

Lagerfeld indes lädt den "Dezibel-Künstler" kurzerhand in den "Hungry Highlander" auf ein Bier ein. Dass der "Meister der Melodie" dort Hausverbot hat, kann der auf Autorität bauende Kommissar mit dem schottischen Wirt klären. Keine Einigung gibt es dagegen über die Qualität des Bieres, das ihm in der Kneipe als das beste serviert wird: Zirndorfer aus Mittelfranken, aus "der Heimat der Dünnbiere"! Dafür fällt Lagerfeld nur der Begriff "Maurerpisse" ein. Den Wirt nennt er einen Bierdilettanten und schottischen Hopfenterroristen. Dass er diesem aufträgt, den Sänger sitzen und trinken zu lassen, weil er selbst zu einem komplizierten Fall gerufen wird, soll der Kommissar noch bitter bereuen. Denn nach einem harten Tag zurück im "Highlander", war der Sänger noch immer da, die 20 Euro, die ihm Lagerfeld dagelassen hatte, um sie zu vertrinken, waren schnell aufgebraucht. Der Alkohol, meist schottischer Art, den er den Tag über konsumiert hatte, kostete den Kommissar 289 Euro, aufgerundet 300.

Helmut Vorndrans neuer Roman ist gespickt mit derart witzigen Episoden und es ist amüsant, dem früheren Kabarettisten zuzuhören. Es wird viel gelacht an diesem Abend. Und doch geht es äußerst blutig zu beim "Makarov-Puzzle", und Tote gibt es auch zur Genüge. Auch an Spannung fehlt es nicht. Aber: "Mich interessieren mehr die fränkischen und privaten Geschichten", gesteht der Autor. Und es gibt auch immer Tiere in seinen Büchern. In seinem neuen ist Pressack, das gekochte Kartoffel liebende und talentierte Ferkel, das seiner Mutter Riemenschneider alle Ehre macht. Weil die Schnüffelsau derzeit mit ihren Jungen beim Biobauern Bernhard Sporath lebt, mit familiären Pflichten ausgelastet ist und deshalb nicht so gut als Helferin bei der Suche nach einer verschwundenen Kommissarin eingesetzt werden kann, entscheidet sich Lagerfeld, dem Nachwuchstalent Pressack eine Chance zu geben. Der hatte zuvor mit seiner sensiblen Nase einen verschollenen Familienschatz auf dem Sporath-Hof ausgegraben und sollte sich als Juwel bei der Aufklärung eines verzwickten Falles erweisen.

"Würde mir keine Sau glauben"

Eine Geschichte am Rande, die nicht direkt etwas mit den Morden zu tun hat, ist die des 91-jährigen renitenten Autofahrers aus Wonfurt, der einen der Hauptfiguren des Romans, Georg Schugg, vor dem Polizeipräsidium anfährt und schwer verletzt. Dem Rentner soll schon lange der Führerschein entzogen werden, allein, es ist bisher noch nicht gelungen. Hier nutzt Helmut Vorndran eine wahre Geschichte aus Haßfurt, die er in der Presse, in einer Polizeimeldung, gelesen hatte. "Wenn ich mir das ausgedacht hätte, würde mir das keine Sau glauben", stellt er fest. Als die Polizei schließlich mit dem "rasenden Rentner" ernst macht und den Führerschein einziehen will, setzt dieser mittels Bratpfanne eine Beamtin und einen Beamten außer Gefecht.

Schließlich geht es noch um den arroganten und bei den Bamberger Polizisten äußerst unbeliebten Erlanger Gerichtsmediziner Thomas Siebenstädter. Der hatte gerade eine Abfuhr von der jetzt verschwundenen Kommissarin bekommen, sich betrunken und stand dem bei ihm eingetroffenen Kommissar César Huppendorfer nur bedingt zur Verfügung. Eigentlich will er sich mit ihm auch nur über Frauen unterhalten, die für ihn "ein Fehlgriff der Natur" sind und nur beim Sex, "mit dem Hauptrechner verbunden", intellektuell erblühe. Dass ein derartiges Gespräch am Ende in einer Katastrophe endet, ist zu erwarten. "Der Gerichtsmediziner kommt in allen Büchern vor und wird immer durchgeknallter", erzählt Helmut Vorndran.

Leichen hat es an diesem Abend keine gegeben, dafür eine Menge humorvoller Geschichten aus dem neuen Frankenkrimi. Zum Schluss gibt es noch eine Verlosungsaktion. Wer sich traut, eine Chili - ein rotes Exemplar ziert das Roman-Cover - aus Helmut Vorndrans eigenem Anbau zu essen, bekommt ein Buch geschenkt. Das Interesse hält sich in Grenzen, die meisten Gäste wollen lieber ein Exemplar kaufen.