Es ist eine pikante Geschichte, die da vor dem Amtsgericht Bamberg verhandelt wurde. Ein früherer Schatzmeister einer politischen Partei im Landkreis Bamberg musste sich wegen mehrfachen Betruges, Untreue, Urkundenfälschung und Diebstahls verantworten. Das scheint aber nur die Spitze des Eisberges zu sein. Deshalb wurde der Prozess erst einmal unterbrochen. Wenn er wieder aufgenommen wird, droht dem Mann wohl eine empfindliche Freiheitsstrafe.

Je länger Strafrichterin Christine Schäl nachfragt, desto mehr Abgründe tun sich auf. Plötzlich ist von 20 bis 25 Gläubigern die Rede, die alle noch auf ihr Geld warten. Wie viel genau noch aussteht, da hat der Angeklagte längst den Überblick verloren. Immer wenn er in Geldnöten war, und das war oft, scheint er ein neues Konto eröffnet und es bis zum Maximum in die roten Zahlen getrieben zu haben. Jedenfalls staunte Staatsanwalt Ralph Zenger nicht schlecht, als er die Auskunft der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vorliegen hatte. Zahlreiche Konten waren darin aufgeführt.

Der Staatsanwalt brachte zudem ein gerade angelaufenes weiteres Strafverfahren ins Spiel. Der Angeklagte soll dabei im Zeitraum Dezember 2018 bis Mai 2019 mehrmals Dinge bei einer Firma in Thüringen bestellt, die knapp 600 Euro aber nie überwiesen haben.

Ursprünglich ging es bei dem Prozess um rund 1000 Euro Schaden, die der 26-jährige Angeklagte verursacht hatte. Das gibt er über seinen Verteidiger Christian Barthelmes aus Bamberg auch freimütig zu. Inzwischen hätte ihm seine Mutter die Summe geborgt, um die Sache ins Reine zu bringen. Es geht um eine Beach-Flag im Wert von knapp 180 Euro, die er im Juli 2017 für seine Partei angeschafft hatte. Das Geld dafür zahlte er aber nicht dem Lieferanten aus Nordrhein-Westfalen, sondern leitete es auf sein eigenes Konto um. Im April 2018 betrog er einen Büroartikel-Versand in Jena, indem er einen Bürostuhl und mehrere Packungen Kopierpapier bestellte und zu sich nach Hause schicken ließ, die Bezahlung der rund 230 Euro aber schuldig blieb. Das Konto, über das er Vollmacht hatte, hatte da schon keinerlei Guthaben mehr.

Anwaltsschreiben gefälscht

Als einer der Lieferanten sein Geld wollte und sich an den Kreisvorsitzenden wandte, drohte die Gaunerei aufzufliegen. Doch statt reinen Tisch zu machen, verstrickte sich der Angeklagte noch weiter. Er fälschte ein Schreiben einer renommierten Bamberger Anwaltskanzlei, um die Gläubiger mit der angeblichen Einleitung rechtlicher Schritte gegen sie einzuschüchtern. "Es war Verzweiflung und blöd von mir." Er sei in einen Strudel geraten und habe nicht mehr herausgefunden. Er habe über seine Verhältnisse gelebt, teure Kleidung gekauft, um mit anderen mithalten zu können. "Ich habe mich all die Jahre verstellt und gehofft, dadurch Anschluss zu finden." Er habe aber nur Freundschaften geschlossen, die bei Licht besehen keine waren.

Vertrauen ausgenutzt

Nur einen Vorwurf bestritt der gelernte Altenpfleger vehement. Er habe einer seiner Patientinnen aus Bamberg kein Geld gestohlen. Wie die Tochter der betagten Rentnerin ausgesagt hatte, soll der Angeklagte die Gelegenheit genutzt haben, die 100 Euro einzustecken, als sie mit ihrer Mutter auf dem Weg zur Toilette war. Der Angeklagte hingegen brachte eine weitere weibliche Person ins Spiel, die eine Pflegeschülerin gewesen sein soll. Doch niemand sonst hatte sie gesehen, und im Dienstplan war sie auch nicht zu finden. "Sie haben das in Sie gesetzte Vertrauen ausgenutzt und erhebliche betrügerische Energie aufgewandt", so die Strafrichterin.

Beruflich steht der Altenpfleger derzeit vor dem Nichts. Seinen Beruf darf er nach einer Entscheidung der Regierung von Oberfranken nicht weiterführen. Eine bereits erfolgte Verurteilung wegen falscher Verdächtigung und ein Strafbefehl wegen Diebstahls ließen der Behörde kaum eine Wahl. Er selbst führte gesundheitliche Probleme mit den Bandscheiben an. Er hatte sich also nicht nur finanziell überhoben. Nun möchte er Augenoptiker werden. Wenn ihm das in den nächsten Monaten drohende Verfahren da nicht in die Quere kommt. Die Nachermittlungen jedenfalls laufen.