Bad Staffelstein — Die Kommunalwahl im März 2020 war die 15. seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Vor 74 Jahren wurden der Gemeinderat und der Kreistag zum ersten Mal nach dem Krieg gewählt. Bereits ein halbes Jahr nach der Kapitulation des Deutschen Reichs gestattete die amerikanische Militärregierung die Gründung von Parteien.

Fast zeitgleich wurden drei Parteien im damaligen Doppel-Landkreis Lichtenfels-Staffelstein zugelassen: die KPD am 15. November 1945, die SPD vier Tage später, die Christlich-Demokratische Partei einen Tag darauf. Letztere benannte sich ein Jahr später in CSU um. Den besten Start legte die SPD hin. Nach drei Wochen hatte sie 200 Mitglieder, die KPD 25, die CDP ebenfalls 25. Bis Weihnachten 1945 wuchs die SPD unwesentlich auf 216, die KPD und die CDP lagen gleichauf bei je 147 Mitgliedern. Dann wandelte sich das Bild.

Im Juli 1946 lag die CSU mit 907 Mitgliedern an der Spitze, knapp gefolgt von der SPD mit 879, weit dahinter die KPD mit 207. Andere Parteien, die nach ihrer Zulassung auf Landesebene auch am Obermain Aktivitäten entfalteten, waren vorerst bedeutungslos: die FDP und die Wirtschaftliche Aufbauvereinigung, nach ihrem Vorsitzenden auch Loritz-Partei genannt.

Landkreise getrennt

1946 wurden die Landkreise Lichtenfels und Staffelstein getrennt. In der Folge spaltete sich am 10. März 1946 der CSU-Kreisverband Lichtenfels-Staffelstein in zwei Verbände. Im Landkreis Staffelstein bestanden 20 Ortsorganisationen mit 186 Mitgliedern, und ihre Zahl wuchs beständig. Der Vorsitzende, Brauereibesitzer Karl Brütting, schrieb einen Brief an Sympathisanten: "Soweit in den Gemeinden noch keine Ortsgruppe der CSU besteht, ist solche sofort zu gründen und Gründungsanzeige zu bestätigen." Bis Oktober 1946 kamen nur drei Gruppen hinzu.

Im April 1946 bestanden in 20 Gemeinden beider Landkreise Ortsvereine der SPD sowie ein "Stützpunkt" als Vorstufe, und auch ihre Zahl wuchs weiter. 1947 entstand ein Ortsverein in Birkach und ein Stützpunkt in Döringstadt. Die stärksten Ortsvereine lagen im Landkreis Lichtenfels: Schney mit 140 Mitgliedern, Burgkunstadt mit 94, Michelau und Lichtenfels mit je 90, Altenkunstadt mit 73.

Die Umstände der Gründungen im Winter 1945/46 waren keine einfache: bei nächtlicher Ausgangssperre, ohne Kfz, mit wenig Druckschriften, jederzeit beaufsichtigt von der Militärregierung. Die SPD hatte trotz vergleichsweise hohen Mitgliederstands aber wenig Erfolg bei den ersten Kommunalwahlen. Bei der Gemeindewahl vom 27. Januar 1946 erlangten die CSU-Listen über 90 Prozent der Sitze im Landkreis Staffelstein. Von den 55 Bürgermeistern gehörten 16 der CSU an, die übrigen waren parteilos, keiner war Sozialdemokrat. Ein Vierteljahr nach der Gemeindewahl folgte die Kreistagswahl. Im Landkreis Staffelstein eroberte die CSU 18 von 20 Sitzen. Nur einer fiel an die SPD, einer an die Liberalen.

Kuriose Situation

Als sich nach einigen Wochen herausstellte, dass die zugrunde liegenden Einwohnerzahlen falsch waren und der Kreistag daher größer, ergab sich eine kuriose Situation: Der CSU standen 23 von 26 Sitzen zu, ihre Liste hatte aber nur 22 Kandidaten enthalten, so dass ein Mandat wohl oder übel unbesetzt blieb. Die SPD erhielt einen zweiten Sitz.

Dem Kreistag stand die Wahl des Landrats zu. Die Staffelsteiner Kreisräte entschieden sich für einen Schlesier: den 35-jährigen Wirtschaftswissenschaftler Dr. Gerhard Kroll. Der gebürtige Breslauer gehörte, bei Kriegsende in Bamberg wohnhaft, zu den Gründervätern der CSU und gehörte dem Bezirks- wie dem Landesvorstand seiner Partei an. Nur zwei Jahre später fanden am 25. April 1948 die nächsten Kommunalwahlen statt.