Heuer ist alles anders: Keine Blumen, kein Sektempfang, kein Tanzkurs, kein Abschlussball und nur sehr wenige Gäste. Auch kein Auftritt der Schülerband oder des Chores. Und nicht zuletzt waren alle Abschlussprüfungen verschoben worden. Dieses Jahr 2020 wird den Zehntklässlern der Viktor-von-Scheffel-Realschule bestimmt in besonderer Weise im Gedächtnis hängen bleiben. Die Entlassfeier, die am Freitag am letzten Schultag in der Aula anstelle der Adam-Riese-Halle stattfand, war auch geprägt von einem speziell ausgearbeiteten Zeitplan, um den vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen gerecht zu werden. So waren die Zeugnisse an die Klassen fünf bis neun bereits in der ersten Schulstunde ausgegeben worden.

Desinfektion war angesagt

"Wir dürfen nicht so viele Personen gleichzeitig hier haben", erklärte die stellvertretende Schulleiterin Monika Greßmann-Schierer. 540 Schüler besuchen derzeit die Realschule. Wo sonst am letzten Schultag fröhliches Getümmel auf den Pausenhöfen herrscht und lustiges Stimmengewirr den Ferienbeginn ahnen lässt, sind an diesem Freitag Einbahnstraßenregelung und Desinfektion angesagt. Nur zwei Personen durfte jeder Zehntklässler mit zur Feier nehmen.

Begonnen wurde der Festtag mit der Klasse 10 a. Es ist die größte zehnte Klasse der Realschule, 27 Schüler zählt sie.

"Das ist Corona-Maximal-Bestuhlung", deutet Direktor Peter Gerhardt auf die Abstände hin. Die Schüler und ihre Gäste sitzen gruppenweise, auch der Platz hinter den Absperrungen und auf den Stufen wird genutzt.

"Ohne Corona-Bonus"

Dennoch ist die Stimmung gut, fast heiter gelassen und voller festlicher Vorfreude. Die jungen Damen und Herren haben sich schick gemacht, kommen elegant mit Kleid oder Anzug zu ihrem letzten Schultag.

83 sind zu den Prüfungen angetreten, und alle 83 haben bestanden. "Und das ohne Corona-Bonus, ohne aufgeweichten Punkteverteilungsschlüssel, ohne leichtere Aufgaben", lobte Schulleiter Peter Gerhardt seine Schüler. 20 davon erreichten im Durchschnitt sogar eine Eins vor dem Komma. Dafür gab es spontanen Applaus der Gäste.

Viele Glückwünsche sprach Helmut Fischer an die jungen Absolventen aus. Der stellvertretende Landrat gratulierte zum Abschluss "in dieser ungewohnten Corona-Zeit" sehr herzlich. Sein Landkreis-Geschenk für jeden Absolventen hatte er sorgfältig zusammengestellt und neben dem Rednerpult aufgebaut.

Ein herzhaftes Grinsen zauberte Michael Horn, Vorsitzender des Elternbeirates, in die Gesichter von Schülern und Gästen: "Als ich in meiner Schule damals fertig war, dachte ich: Gott sei Dank, der Scheiß ist rum. Hinterher hab' ich gedacht: Eigentlich war es eine schöne Zeit. Lasst Euch nicht verbiegen!", rief er den jungen Leuten zu.

Gefühlvolle Schlussworte

Schlussworte - und die waren ehrlich und sehr gefühlvoll - sprach Andreas Herbst, der Klassleiter der 10a: "Ihr seid ganz tolle junge Menschen, von denen auch ich etwas lernen konnte."

Es folgten die weiteren Zehnten, nach Schüleranzahl geordnet: die 10 c mit ihrer Lehrerin Mareike Brodkorb, die 10 b mit Lehrerin Anna-Lena Prandell und abschließend die 10 d mit ihrer Lehrerin Dagmar Koch.