Marion Krüger-Hundrup Wer es ernst nimmt mit seiner Vorbereitung auf das Weihnachtsfest, ist für einen aufmerksamen Gefährten sicher dankbar. Auch wenn es sich nicht um einen Küchenhelfer oder Geschenkeeinkäufer handelt, sondern um einen spirituellen Ratgeber mit Charakter.

Denn das ist dieser musikalisch-literarische Adventskalender, den der Kirchenmusik-Förderverein St. Stephan produziert hat, allemal. Tag für Tag, vom 1. Advent am 29. November bis zum 2. Weihnachtsfeiertag, dem Fest des heiligen Stephanus, öffnet sich buchstäblich die Tür zum Stall von Bethlehem: leise, behutsam, erwartungsvoll, aber auch knarzend und herausfordernd.

Damit führt diese Doppel-CD zurück in das, was Advent und Weihnachten im christlichen Sinne wirklich bedeuten.

Türöffner sind Kirchenmusikdirektorin Ingrid Kasper (Orgel und Gesang), der Prinzipal des Brentano-Theaters Martin Neubauer (Rezitation und Gesang), das Bamberger Symphoniker-Ehepaar Christof und Katja Kuen (Viola, Violoncello), ein Kinderchor (Veronika und Florian Kuen, Julius und Niklas Wiemann) und ein Frauenchor (Carolin und Claudia sowie Nicola Götschel).

Dem Publikum nahe sein

Für Ingrid Kasper stellt diese Produktion einen "Gruß aus der Kirchenmusik an unsere Gemeinde und Zuhörer" dar, wie sie sagt. "Ich freue mich riesig, dass wir in einer Zeit, in der es voraussichtlich kaum Weihnachtskonzerte und -Lesungen geben wird, diesen klingenden Adventskalender gestalten konnten", ergänzt Martin Neubauer. Es sei schön, in diesen für so viele belasteten Adventstagen dem treuen Publikum zumindest auf diese Weise nahe sein zu können. Er fügt hinzu: "Im Herzen sind wir es, ich hoffe, man kann das hören!"

Ja, man kann es hören und fühlen! Musik und Gesprochenes wecken tröstlich Herzenssaiten , die in diesen Corona-Zeiten fast verstummt sind. Eine Saite erklingt schon beim Auftakt, bei dem Adventslied "Macht hoch die Tür ...", das Ingrid Kasper mit ihrem glockenhellen Sopran singt und an der Orgel begleitet. Stimmig geht es weiter mit traditionellen Kirchen- und Volksliedern, mit Streichinstrumenten. Die warme Stimme von Martin Neubauer bringt hochromantische oder innige, mystische oder heitere Texte aus der Literatur zu Gehör. Aber auch mal ein altchinesisches Gleichnis oder eine ungewöhnliche Franziskus-Legende oder Bibelverse. Selbst Schmankerl wie Theodor Storms berühmter "Knecht Rupprecht" oder eine Nikolaus-Geschichte rund um eine Ameise fehlen nicht. Immer geht es um den tieferen Gehalt von Advent und Weihnachten. Und wenn dann am 24. Dezember die "Stille Nacht, heilige Nacht" anbricht, gerät der Zuhörer ins Staunen: über die zarten Töne der sonst so brausenden Mühleisen-Orgel in St. Stephan. Und darüber, wie diese Nacht auch Verhärtungen auf der Seele erweicht.