von unserer Mitarbeiterin Pauline Lindner

Adelsdorf — Adelsdorfs Gemeinderatsmitglied Hans Mönius (CSU) und Feuerwehrkommandant Jürgen Hörrlein haben es selber erlebt, wie binnen Minuten beim Starkregen in Baiersdorf 2007 das dortige Feuerwehrgelände überflutet wurde. Nicht die Regnitz trat über die Ufer, sondern aus Kanälen und Schächten schoss das Wasser in Fontänen heraus.
Nicht zuletzt aufgrund der Baiersdorfer Erfahrungen haben das Ingenieuerbüro GBI und die Universität Erlangen zusammen mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sich des Starkregenschutzes in Kommunen angenommen. Das Ergebnis sind Starkregengefahrenkarten für Gemeindegebiete. "Die bisherigen Hochwassergefahrenkarten beziehen sich nur auf Gewässer erster und zweiter Ordnung, hier also nur auf die Aisch", erläuterte Reinhard Brodrecht von GBI vor dem Hauptausschuss des Gemeinderats.


Wasser kommt aus Schächten

In mehreren Computersimulationen stellte er den Unterschied in den Auswirkungen bei Dauerregen und bei einem kurzzeitigen, aber umso heftigeren Starkregen heraus. Bei letzterem kommt es zu einer Überlastung der Kanäle, es bildet sich ein Rückstau, die Wassermassen entweichen aus Schächten und Kanaldeckeln mit hoher Wucht.
"Inzwischen stammen 50 Prozent aller Hochwasserschäden von Starkregenereignissen", weiß Brodrecht. Die Risikokarten seines Instituts basieren auf einer Laser-Geländeerfassung. Am Beispiel seiner Heimatgemeinde Veitsbronn führte er dem Ausschuss vor, an welchen unerwarteten Stellen es zu massivem Wasseraustritt kommt. Nicht das Flussbett und sein Umfeld sind die ersten Problemzonen, sondern kleine Bächlein und Kanalisationsrohre, teilweise in Hanglagen.
Aus solchen Karten können auch Erkenntnisse für künftige Baugebiete abgeleitet werden, sodass beispielsweise an der richtigen Stelle Retensionsflächen oder Stauraumkanäle angelegt werden können. Adelsdorf interessiert sich sehr dafür, wird doch das Gemeindegebiet von vielen Weihern, Bächen und Gräben durchzogen.


Nachlass für Zisternenbesitzer

Beim Baugebiet Läusberg ließ man zum Schutz diverse Mulden zur Versickerung auch auf den privaten Grundstücken anlegen. Hier gibt es Probleme, ob und wie die Eigentümer zu Entwässerungsgebühren herangezogen werden können. Aus rechtlichen Gründen wurden der Landgraben, der Reuthgraben und der Läusberggraben aus den Entwässerungsanlagen, sprich Kanälen, herausgenommen. Damit muss keiner, der sein Regenwasser dort direkt einleitet, dafür Gebühren zahlen. Das ist gerecht, war sich der Ausschuss einig, denn bei diesen Bauvorhaben hat sich die Gemeinde eben den Bau von Kanälen erspart. Allerdings können sie nach dem Bayerischen Wegegesetz zu den Kosten der Grabenerhaltung herangezogen werden. Große Firmen in Adelsdorf, die direkt einleiten, beteiligen sich schon per Vertrag daran.
Schwieriger war es, für Zisternenbesitzer eine gerechte Lösung zu finden. Bislang wurde den Erbauern von Zisternen ohne Überlauf ein Nachlass gewährt. Neu gilt: Zisternen ohne Überlauf werden als Nichteinleitung behandelt. Bei solchen mit einem Überlauf, die mehr als drei Kubikmeter fassen, wird die Fläche, nach der die Regenwassergebühr berechnet wird, um 25 Quadratmeter je Kubikmeter Fassungsvermögen verringert.