Eine große, rote 40 steht in der Nähe des festlich geschmückten Altars für den evangelischen Festgottesdienst zum Trachtensonntag. Daneben die einzelnen Musiker der Musik- und Trachtenkapelle.

Es ist ein besonderer Tag für die Vereinsmitglieder, die ihr Jubiläum coronabedingt nicht wie geplant feiern konnten. Traditionsgemäß übernahm der Verein die Umrahmung des Gottesdienstes am Trachtensonntag. Für den verhinderten Vereinsdirigenten Marcus Bürzle sprang Josef Maderer ein.

"Da ist meine Heimat, da bin ich zu Haus", spielten die Musiker. Dieses Lied umschreibt, wofür der Verein seit nun vier Jahrzehnten steht: Heimatverbundenheit, gelebtes Brauchtum und die Traditionen des Ortes.

Altbürgermeister an der Posaune

Gründungsvater des Vereins ist Altbürgermeister Erwin Zeiß, wie Vorstand Sebastian Höhn betont. Zeiß' Überzeugung: Ein Musikinstrument erlerne man am besten im Verein. Der 83-jährige Altbürgermeister ist zugleich das älteste Mitglied, das noch aktiv ein Instrument spielt, und zwar die Posaune.

Seine Überzeugung wurde am 9. September 1980 mit der Gründung des Musikvereins Realität. Zahlreiche Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer lernten in diesem Verein ein Instrument. "Wir hatten für die Ausbildung ein oder zwei Lehrer und den Dirigenten", erinnert sich Höhn.

Mit der Musikschule wurde die Ausbildung am Instrument zwar ausgelagert, doch wer spielt, will das geprobte Liedgut auch einem Publikum vorstellen. Das ist im Musikverein möglich. "Es waren früher meist kirchliche Feiern", sagt Höhn.

Von der Musik zur Tracht

Mit den Gottesdiensten war auch die festliche Tracht verbunden. Zehn Jahre nach Gründung des Musikvereins entstand die Abteilung Trachtenverein. Auch hier haben es sich die Verantwortlichen und Interessierten nicht einfach gemacht. Historische Fotos wurden gesichtet, um die richtige Tracht für die Gottesdienstfeiern zu tragen. "Es ist die evangelische Tracht, die heute noch von den Frauen selbst genäht wird", so der Vereinsvorstand.

Unter Leitung von Helga Baumann nähen die Frauen ihre Trachten, aber auch die dazugehörigen Hauben selbst. Wer nicht so fit im Nähen ist, erhält Unterstützung. Fortan war der Trachtensonntag ein fester Bestandteil der Vereinsplanung. An diesem Sonntag umrahmten die Mitglieder des Musik- und Trachtenvereins die evangelischen Gottesdienste in Igensdorf und Rüsselbach optisch und musikalisch.

Der Verein kann auch Pop-Rock

Das Brauchtum wird hier sichtlich gelebt. Das heißt aber nicht, dass sich der Verein musikalisch nicht weiter entwickelt habe.

Wer die Auftritte verfolgt, weiß, dass sich die 30 bis 35 Musiker ein breites Portfolio angeeignet haben. Zu den Musikstücken gehören neben Volksmusik auch Pop und Rock sowie Filmmusik. Damit spielen die Igensdorfer in der mittleren Klasse bei den Wertungsspielen.

"Es war ein richtig schöner Gottesdienst", sagt eine Frau über die kleine traditionelle Jubiläumsveranstaltung am Trachtensonntag. Dass viele der Besucher noch sitzen blieben, als der Gottesdienst längst aus war und sich von der Musik und den schönen Trachten beseelen ließen, zeigt, wie richtig Altbürgermeister Erwin Zeiß mit der Gründung des Musik- und Trachtenvereins lag.

Dieser Verein hat inzwischen viele Abteilungen. Neben der Nähgruppe auch die Volkstanzgruppe, die Kindertanzgruppe und die Theatergruppe "Lustige Laien".

Auftritte auf dem Balkon

"Wir werden das Jubiläum nächstes Jahr feiern", verspricht Sebastian Höhn. Allerdings laufen noch keine intensiven Planungen dafür. Denn Corona hat ihnen schon einmal einen Strich durch die Planung gemacht.

Doch die Musiker nutzen die Außnahmesituation und unterhielten die Bürger mit Balkonkonzerten.