Wolken ziehen über Kleinwalbur hinweg. Der Wetterbericht hat für diese Tage Regen gemeldet. Der Acker, auf dem Christian Flohrschütz kniet, soll Braugerste bringen. Die hat er vor ein paar Tagen gesät. Dann kam tatsächlich ein wenig Regen. Jetzt gräbt er mit den Fingern in staubtrockener Erde und fördert die Gerstenkörner zu Tage. So keimt die Gerste nicht. Trotz aller Regenwolken am Himmel macht sich der Landwirt Sorgen, wie das werden soll mit der Ernte 2020 angesichts der Trockenheit.

Christian Flohrschütz setzt auf verschiedene Feldfrüchte. Zum einen baut er Wintergerste und Triticale als Futtergetreide an. In der Viehhaltung hat er Rinder und Mastschweine zu versorgen. Aber er baut auch Qualitätsweizen und eben Braugerste an.

Sorgen machen ihm praktisch alle Bestände. "Gerade auf leichten Böden zeigt die Wintergerste erste Reduzierungen", sagt er. Für Triticale - eine Kreuzung aus Weizen und Roggen - wäre dringend Wasser nötig, um Ähren bilden zu können. Und der Weizen? "Der ist in den letzten Wochen eher rückwärts gewachsen als vorwärts", sagt er.

Und dann ist da noch die Braugerste. Nach guter fachlicher Praxis hat Christian Flohrschütz vor der Aussaat den Dünger ausgebracht. "Es ist alles da, was die Pflanze braucht, aber sie kommt nicht ran", sagt er. Das Wasser aus dem kleinen Regenguss verschwand im Boden, blieb nicht lange genug in Reichweite der Gerstenkörner.

Lähmender Wassermangel

"Den Mais haben wir extra tiefer gelegt, damit er Feuchtigkeit bekommen soll", erklärt Christian Flohrschütz. Doch sollten die Körner keimen, dann liegt über ihnen staubtrockene lockere Erde. "Wenn jetzt nicht wenigstens 20 Liter auf den Quadratmeter kommen, dann wird nicht viel aufgehen", sorgt sich der Landwirt.

Die Trockenheit in diesem Frühjahr macht dem gesamten Berufsstand ein mulmiges Gefühl. Was, wenn nach 2018 und 2019 auch noch ein heißes und trockenes Jahr 2020 folgt?

"Die beiden Dürrejahre haben die Betriebe in der Region durch geschicktes und vorausschauendes Management noch einigermaßen überstanden. Wenn ein weiteres so trockenes Jahr kommt, wird das schwierig", sagt Hans Rebelein, Geschäftsführer beim Bayerischen Bauernverband (BBV) in Coburg.

Dabei verliefen die ersten Monate hoffnungsvoll, wenn es um Niederschläge geht. Die Wetterstation in Birkenmoor - einen Steinwurf vom Hof der Familie Flohrschütz entfernt - verzeichnete für Januar und Februar Niederschlagsmengen, die leicht über dem langjährigen Mittel lagen. Obwohl es Anfang März noch Regen gab, schneidet der schon mit einem Minus von 8,7 Prozent unter dem Durchschnitt ab. Im April blieb die Regenmenge 94 Prozent hinter dem Mittelwert zurück. 308 Sonnenstunden heizten den Flächen dafür ordentlich ein.

Ungleichmäßige Verteilung

Die Niederschlagsmengen verteilen sich seit Jahren ungleichmäßig. Südbayern hat weniger Probleme. In Franken lässt sich ein Ost-Westgefälle erkennen. Das Fachzentrum für Pflanzenbau am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Bayreuth ermittelte für vereinzelte Regionen noch Niederschläge in Höhe etwa des langjährigen Durchschnitts (von 1961 bis 1990). Gerade im Westen Oberfrankens wurden im März oft schon Werte von mehr als 30 Prozent unter dem Mittel gemessen.

Mit Blick auf die ernüchternden Werte in Birkenmoor, sagt Hans Rebelein: "Das Coburger Land ist mittlerweile zu einem der besonders niederschlagsarmen Gebiete geworden."

Schon jetzt geht das Fachzentrum Pflanzenbau angesichts der fehlenden Niederschläge im April von möglicherweise starken Ertragseinbußen bei den landwirtschaftlichen Kulturen aus. Von der Prognose ausgenommen ist noch der Mais, der gerade erst ausgebracht wurde oder wird.

Klar ist dafür schon jetzt, dass der Ertrag auf Grünland hinter den Hoffnungen zurückbleiben wird, denn bisher ist noch nicht einmal der erste Grasschnitt möglich. Es steht nichts auf den Wiesen, der Boden zeigt tiefe Risse.

Lehren aus 2003

Aus dem Dürrejahr 2003 hatten die Landwirte Lehren gezogen. Sie bevorrateten sich seitdem nicht mehr nur für das kommende Jahr, sondern bunkerten Futter für mindestens 15 oder 18 Monate. Das bewährte sich 2018 und half bis nach 2019 hinein. Doch ein drittes Jahr ohne Chance, die Lager zu füllen, kann zu harten Entscheidungen führen. "Es ist dann wahrscheinlich, dass Bestände reduziert werden müssen", sagt Hans Rebelein. In Norddeutschland war das bereits im vergangenen Jahr der Fall. In der Folge fiel der Preis für Rindfleisch. Er erholte sich nicht. Der Shutdown wegen der Corona-Pandemie ließ die Nachfrage der Autoindustrie nach Rindleder einbrechen. Die Nachfrage der Gastronomie und Systemgastronomie nach Rindfleisch fehlt ebenso. Der Preis bleibt im Keller.

Zwingt schon das Klima die Landwirte dazu, nach neuen, besser geeigneten Feldfrüchten für den Anbau in der Region Ausschau zu halten, so kommt durch die neue Düngeverordnung gleich noch ein Problem. "Eigentlich müsste man ganze Fruchtfolgen ändern, um sich darauf einzustellen", sagt Martin Flohrschütz, Kreisobmann des BBV in Coburg. All das belaste die Landwirte und ihre Familien gerade extrem, weiß der Obmann. Und doch steht für ihn fest: "Wir haben den schönsten Beruf der Welt." Und immerhin, noch könnten ausreichende Niederschläge einiges retten.