"Das Kleeblatt fürs Leben" lautet die neue Aktion der SpVgg Greuther Fürth. Der Verein steht zu seiner sozialen Verantwortung und hat sich dadurch eine herausragende Stellung in der Region erarbeitet. Wie aber schafft Greuther Fürth den Spagat zwischen Profifußball und Fan-Nähe? Im Interview sprechen die Kleeblatt-Verantwortlichen Klartext.

Wie wichtig ist Heimat für die SpVgg Greuther Fürth?
Holger Schwiewagner: Fürth hatte in den 90er-Jahren große Probleme, die Stadt musste einige wirtschaftliche Rückschläge einstecken, wie etwa den Niedergang von Quelle oder Grundig. Das alles übertrug sich auch auf den Fußball. Damals steckte der Satz "Wir sind Verlierer" in den Köpfen der Fans. Es brauchte den Neuanfang mit dem Beitritt von Vestenbergsgreuth.
Helmut Hack: Für uns war immer wichtig, dass wir nicht nach Nürnberg zum Club blicken. Unser Ziel ist es, den Verein SpVgg Greuther Fürth zu den Menschen zu bringen, damit sie sich mit ihm identifizieren können. Das war und ist meine Vision. Unsere fränkische Tradition hat eine herausragende Bedeutung. Wir gingen einen langen, steinigen Weg, der auch mit Rückschlägen gepflastert war. Doch wir sind und bleiben ein Ausbildungsverein, der auf junge Talente setzt. Mit dieser Ausrichtung waren wir einer der ersten Vereine in Deutschland. Klar ist, dass wir nie die Größten sein werden. Aber die Menschen sollen merken, dass wir ordentlich und redlich mit unseren Mitarbeitern und Spielern umgehen. Wir sehen uns als ehrbaren Kaufmann. Das heißt nicht, dass wir Ja-Sager sind. Wir sind nicht 08/15, wir haben unser eigenes Profil und zeigen auch Kante. Meine Schlagworte sind Heimat, Tradition und Zukunft. Im Fußball geht es ums Gewinnen und den maximalen Erfolg.

Kommt das draußen auch so an?
Martin Meichelbeck: Ich bin als Spieler viel herum gekommen, habe meine Karriere in Fürth beendet. Ich denke, dass wir in unserer Kernregion unterschätzt werden. Im Westen, vor allem im Ruhrgebiet, genießt Greuther Fürth einen tollen Ruf. Unsere Philosophie des effizienten Wirtschaftens mit geringen Mitteln wird dort hoch gelobt. In den vergangenen fast 20 Jahren haben wir Dutzende Spieler in die Bundesliga transferiert. Diese Ausbildungsleistung ist jedes Jahr aufs Neue für uns eine Herausforderung.

Wer ist der Vordenker des Vereins? Hat der Präsident dort die Allmacht des letzten Wortes?
Meichelbeck: Davon reden zwar viele, aber wir führen viele Diskussionen und Gespräche. Einer alleine kann das nicht stemmen.
Hack: Hat ein Verein oder Unternehmen keine Vision mehr, ist man eine lahme Ente. Dann wären wir führungslos. Macht ist notwendig, weil es immer einer finalen Entscheidung bedarf. Wichtig ist, wie jeder mit der Macht umgeht. Bei uns Verantwortlichen ist nicht alles rosarot, auch wir machen Fehler. Aber die Arbeit im Verein ist ein Zusammenspiel aller Mitarbeiter. Und unser Hauptaugenmerk liegt immer auf den Transfers.
Schwiewagner: Macht zu haben bedeutet nicht, immer Recht haben zu wollen. Die Qualität einer Führungskraft zeigt sich schließlich auch darin, Entscheidungen korrigieren zu können.


Wie demokratisch ist die Arbeit mit dem Präsidenten?
Meichelbeck: In meinem Bereich als Sportdirektor treffe ich die meisten Entscheidungen alleine. Aber ich suche auch die Rücksprache mit unserem Präsidenten. Ich kann von ihm lernen, er hat schließlich jahrzehntelang ein Unternehmen erfolgreich geleitet.
Schwiewagner: Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir allein Entscheidungen treffen wollen, oder ob wir uns auch trauen nachzufragen.
Hack: Führen bedeutet für mich auch loslassen und auf den Sachverstand anderer zu setzen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Erfolg des Vereins in der laufenden Saison?
Hack: Ein 0:5 wie gegen Bochum kann man nicht erklären. Es gibt eben auch eine Dynamik des Fußballs, die nur schwer zu fassen ist. Wir werden immer hart für unseren Erfolg arbeiten müssen, weil wir einfach nicht die finanziellen Mittel wie andere haben. Das Wichtigste für uns wird immer das Vertrauen der Menschen, der Banken und der Wirtschaft sein. Das dürfen wir nie aufs Spiel setzen.
Meichelbeck: Die letzte Saison war schwierig, bereits im Mai haben wir Konsequenzen gezogen und einen neuen Trainer geholt. So wollten wir neue Reizpunkte im Team setzen. Wir hofften auf Besserung und bis zum Spiel in Bochum lief es auch gut. Wir spielten einen attraktiven Fußball, aber die Erwartungen waren wohl zu hoch. Fakt ist, dass die 2. Liga sehr eng ist, die Teams dort erstklassig taktisch geschult und athletisch auf einem hohen Niveau sind. Mit Platz 6 sind wir zufrieden, wir haben weiter Tuchfühlung nach oben.

Gibt es Planungen, den Kader in der Winterpause zu verstärken?

Meichelbeck: Höchstens punktuell - vielleicht stoßen aber auch Talente wie Dominik Schad, der gerade U19-Nationalspieler geworden ist, zum Team.

Wieder ein Erfolg für den Fürther Weg? Wie genau sieht der überhaupt aus?
Hack: Wir wollen Spieler nach oben entwickeln, das ist alternativlos. Ohne dieses Konzept kann der Verein nicht solche Leistungen stemmen. Unser Nachwuchsleistungszentrum hat Bundesliga-Niveau. Wir haben viel Geld in die Infrastruktur gesteckt.
Meichelbeck: Wir müssen für Talente attraktiv genug sein. Junge Spieler sollten unsere Inhalte sehen und merken, was wir ihnen bieten. Geld ist nicht alles. Wir schnüren ein ganzheitliches Paket aus Bildung, Betreuung und professionellem Umfeld.
Schwiewagner: Nicht zu vergessen, dass auch die Eltern eines talentierten Sohnes wissen sollen, dass wir ihrem Kind die bestmögliche Betreuung geben und wir uns um alles kümmern.
Hack: Das klingt alles schön und gut. Aber leider ist eben auch Realität, dass wenn der FC Bayern München anklopft, die klaren Gedanken von Eltern schnell außer Kraft gesetzt sind. Top-Vereine werden immer auch die Top-Talente holen wollen. Aber ich bin überzeugt, dass ein zu früher Schritt zu einem Top-Klub nicht gut für Jugendliche ist. Dort bekommen sie nicht genügend Zeit. Wir dagegen bei Greuther Fürth machen es Jungen leichter, in den Kader der ersten Mannschaft zu kommen. Gute Spieler sollten zwischen zwölf und 15 Jahren zu uns ins Fußball-Internat wechseln, dort bekommen sie die perfekte Ausbildung. Dort wird Fußball in modernster Ausprägung geschult - im "One-Touch"-Modus des schnellen Verschiebens und Abspielens.

Wie sieht der Verein Greuther Fürth im Jahr 2020 aus?

Schwiewagner: Wir sind dann ein etablierter Zweitligist und werden weiterhin viel Arbeit in die Ausbildung junger Spieler stecken. Und wir haben den Status eines nahbaren, fränkischen Vereins.
Hack: Ich möchte dann vor allem noch gesund sein und hoffe, dass der Verein seine Werte weiter lebt und ich auf der Haupttribüne mitfiebern kann. Fußball übt nicht nur auf mich eine enorme Faszination aus.
Meichelbeck: Ich lebe immer gerne eher in der Gegenwart, als nur in die Zukunft zu schauen. Aber ich möchte dazu beitragen, dass wir uns auf hohem Niveau weiter entwickeln. Warum nicht auch in der Bundesliga? Das bleibt ein Traum und vielleicht haben wir es uns bis dahin mal wieder verdient.

Herr Hack, wird es einen Zeitpunkt geben, an dem Sie sagen: "Ich höre auf, weil...?"

Hack: Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst. In all den nunmehr nahezu 20 Jahren habe ich auch nicht nur einen Euro für meine Tätigkeiten genommen. Die Regelung einer glücklichen und erfolgreichen Zukunft des Vereins bleibt die wichtigste Aufgabe. Wir haben bereits Persönlichkeiten, die eine sehr hohe Führungs-, Fach- und Sozialkompetenz haben. Darauf aufbauend werden wir den Verein gut auf die Zukunft vorbereiten.

Am Sonntag wartet der SC Freiburg auf Ihr Team. Was erhoffen Sie sich von der Begegnung?
Meichelbeck: Also ich freue mich darauf. Freiburg hat immer noch eine Vorbildfunktion als Ausbildungsverein. Das Team spielt einen tollen Fußball. Ich bin mir aber sicher, dass es für die Freiburger kein einfaches Spiel werden wird.
Hack: Ach... Das ist noch so weit weg. Damit beschäftige ich mich noch nicht.

Das Interview führten Christian Holhut und Peter Groscurth.