Bayern gilt Deutschlands reichstes Bundesland. Dennoch: Auch die bayerischen Kommunen sind verschuldet. Rund 10,8 Milliarden Euro hatten die Gemeinden in Bayern Ende 2020 als Schulden angehäuft - das sind rein statistisch gesehen über 800 Euro pro Einwohner. Dabei machen die Gemeinden aber nur den geringsten Teil der Gesamtschulden der Bundesrepublik aus (knapp 6 Prozent). Den weitaus größeren Anteil der Kredite nahmen die Länder und vor allem der Bund (etwa 65 Prozent) auf. Insgesamt lag die Schuldenlast in Deutschland im vergangenen Jahr bei über 2 Billionen Euro - also über 25.000 Euro pro Einwohner

Doch die Schulden sind natürlich recht unterschiedlich verteilt - gerade auf der Ebene der Gemeinden. In Bayern sticht beispielsweise Mittelfranken negativ heraus: Mit knapp 2,5 Milliarden Euro Schulden beläuft sich der Schuldenberg auf etwa 1500 Euro pro Mittelfranken und Mittelfränkin - und ist damit fast doppelt so hoch, wie der bayerische Durchschnitt. Gleichzeitig gibt es in Franken aber auch Gemeinden, die überhaupt keine Schulden haben.

Zwei Gemeinden in Oberfranken als Schuldenhochburgen

In absoluten Zahlen sticht natürlich Nürnberg hervor: Über 1,5 Milliarden Euro an Krediten hatte die fränkische Metropole an Krediten Ende 2020 - und damit fast so viel wie alle unter- und oberfränkischen Gemeinden zusammen. Allerdings ist Nürnberg eben auch mit Abstand die größte Stadt in Franken. Mit knapp 3000 Euro liegt die Verschuldung pro Nürnberger*in aber trotzdem am oberen Ende der Skala in Franken.

Den "Spitzenplatz" nehmen zwei oberfränkische Gemeinden ein: Mit 4357 Euro pro Kopf ist die Verschuldung in Wunsiedel am höchsten - dicht gefolgt von Weismain im Kreis Lichtenfels (4171 Euro). 

Niedrig ist die Verschuldung hingegen beispielsweise in einigen Gemeinden in der Region um Erlangen und im Dreieck zwischen den Landkreisen Bamberg, Kitzingen und Haßberge. Immerhin 89 Gemeinden in Franken haben derzeit überhaupt keine Schulden. 

Große Unterschiede bei den Einnahmen

Die hohen Unterschiede bei der Verschuldung entstehen durch die Art der Einnahmen und die unterschiedlichen Pflichten der Gemeinden. Den größten Anteil an den Einnahmen der Gemeinden machen die Gewerbesteuern aus. Diese stehen natürlich in direkter Abhängigkeit zu den Unternehmen und Betrieben vor Ort. Weitere Einnahmen kommen aus der Grundsteuer, der Zweitwohnungssteuer oder auch der Hundesteuer

Die Ausgaben hingegen sind weit weniger flexibel: Die Gemeinden müssen gesetzlich viele Aufgaben wahrnehmen - beispielsweise muss die Infrastruktur vor Ort erhalten und gepflegt werden. Hinzu kommen natürlich auch zahlreiche freiwillige Leistungen der Gemeinden. Beispielsweise Ausgaben für erweiterte Sport-, Kultur oder Spielstätten.

Methodische Anmerkungen

Die oben genannten Zahlen stammen aus der vom Landesamt für Statistik veröffentlichten Auswertung zur Verschuldung der Gemeinden im Jahr 2020 (Stichtag war der 31.12.2020). Hierbei ist zu beachten, dass in die Auswertung nur die Schulden der Gemeinden selbst, nicht aber die Schulden der Eigenbetriebe der Gemeinden eingeflossen sind. Neben den knapp 11 Milliarden Euro Schulden der bayerischen Gemeinden hatten diese gemeindeeigenen Betriebe in Bayern im Jahr 2020 noch zusätzlich knapp 3,8 Milliarden Euro Schulden angehäuft. 

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