Fast verwaist wirkt das Parkhaus der Siemens Healthineers im Forchheimer Süden, wenn man morgens vorbei fährt. Dort, wo sonst schon um neun oder zehn kein freier Parkplatz mehr zu finden ist, klaffen aktuell große Lücken. Denn: Seit Beginn der Corona-Krise arbeitet nur noch ein Bruchteil der Belegschaft tatsächlich am Standort in Forchheim. Jeder, der die Möglichkeit hat, von zu Hause aus zu arbeiten, wurde ins Homeoffice geschickt. "Das war schon eine Mammut-Aufgabe", gibt Heiko Jahr, Pressesprecher bei Siemens Healthineers zu. Doch die Siemensianer haben diese Herausforderung bewältigt. Auch, weil sie früh agiert haben.

"Bereits im Januar haben wir eine Task Force gebildet", erklärt Jahr. Teil dieser Task Force ist auch Thomas Jansen. Er erzählt, dass es bei Siemens Healthineers direkt um ein weltweites Vorgehen gehandelt hatte. "Wir haben damit begonnen, den bereits festgelegten Krisenprozess in Gang zu setzen, als Asien betroffen war." Also lange bevor viele andere Unternehmen in Deutschland das Corona-Virus ernst genommen haben. "Wir wollten einfach vorbereitet sein", erklärt er und spricht von einer präventiven Vorgehensweise. Auch, weil ein Ausbruch bei Siemens Healthineers sicherlich durch die Medien gegangen wäre. "An erster Stelle steht aber natürlich die Gesundheit der Mitarbeiter", erklärt er. Und so liefen die Vorbereitungen an, es wurden Statements verfasst und der Umgang der Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern besprochen.

Als es in Deutschland dann zum Lockdown kam, hatte die Task Force bereits einen Guide für alle Mitarbeiter verfasst und die Schutzmaßnahmen eingeleitet. Das Kommunikationsteam gestaltete direkt in der ersten Phase Plakate, Aufkleber und erarbeitete ein Konzept für den sogenannten "Recovery-Prozess".

"Bei uns im Marketing war klar, fast alles kann von zu Hause aus gemacht werden", sagt Cornelia Schaub. Und so ging die gesamte Abteilung ins Homeoffice. "Das geht im Marketing natürlich einfacher als in anderen Bereichen", erklärt sie und zeigt, wie es aktuell in ihrer Abteilung aussieht: Im Großraumbüro sind acht Arbeitsplätze zu sehen. Einer ist belegt. Der Kollege, der dort sitzt, befindet sich in einer Telefonkonferenz.

"Wir arbeiten schon längere Zeit mit Microsoft Teams", erklärt Heiko Jahr. Damit können die Mitarbeiter in ihren Teams in Kontakt bleiben, Telefon- oder Videokonferenzen abhalten. "Ein großer Vorteil für den kompletten Umstieg auf Homeoffice in den Büroarbeitsbereichen war dabei natürlich die bereits vorhandene Ausstattung und Infrastruktur. "Jeder Mitarbeiter hat seinen eigenen Laptop und ein Dienst-Smartphone", erklärt Jahr, "damit konnte der Wechsel ins Homeoffice einfach umgesetzt werden."

Für alle, die während des Lockdowns an den Arbeitsplatz kommen mussten, weil es keine Möglichkeit gab, die Arbeit im Homeoffice zu erledigen, wurde ein besonderer Service geboten. Die Kantine blieb offen, allerdings wurde das Essen vorverpackt ausgegeben - und das weltweit umsonst. "Durch die zusätzlichen Verpackungen mussten wir auch für weitere Mülleimer sorgen", sagt Jansen und fügt lachend hinzu, "und einen Großeinkauf an Essenverpackungen war bisher auch nicht Kern unseres Geschäftes." Auch in der Produktion - wie zum Beispiel in Forchheim - wurden neue Regeln definiert. Die Schichten wurden auseinander gezogen , sodass sich die Mitarbeiter unterschiedlicher Schichten nicht treffen. Außerdem wurde - wo möglich - darauf geachtet, dass ein Sicherheitsabstand eingehalten wird.

Für den sogenannten "Recovery-Prozess" hat die Task Force verschiedene Phasen erarbeitet, erklärt Jansen. Begonnen wurde mit einem Vor-Ort-Arbeiten von nur zehn bis 20 Prozent der Belegschaft. "Aktuell sind im Schnitt 40 Prozent der Belegschaft am Standort", sagt er. Da aber einige Abteilungen vor Ort arbeiten müssen, gibt es eben auch Büros wie die im Marketing, die komplett verwaist aussehen.

Jeder, der nach der Homeoffice-Zeit wieder am Standort antritt, bekommt dafür ein "Welcome-Package", in dem unter anderem fünf Mund-Nasen-Schutz-Masken enthalten sind. Getragen werden müssen diese zwar in den meisten Teilen des Gebäudes nicht, aber zum Beispiel in der Kaffeebar oder der Kantine sind sie unerlässlich. In den Aufzügen hingegen braucht man bei Siemens Healthineers keine Maske - die darf man nämlich nur alleine betreten.

Die nächste Phase des Recovery-Prozesses beginnt am 20. Juli. Dann können bis zu 50 Prozent der Mitarbeitenden wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. "Die Leute müssen aber nicht zurückkommen", betont Jahr. Damit diese Aussage auch in den Köpfen ankommt, befinden sich seit Beginn auch Führungskräfte im Homeoffice - sogar der Vorstand, von dem es ab und zu Videobotschaften für die Mitarbeiter von Zuhause aus gibt. "Damit soll der Druck bei den Mitarbeitern rausgenommen werden", erklärt Jansen.

Man habe schon vor der Krise versucht, zukunftsorientiert zu denken, erklären beiden Sprecher von Siemens Healthineers. Deshalb habe der Lockdown und der schrittweise Neustart auch verhältnismäßig reibungslos funktioniert. Auch wenn Corona die Welt sicher noch eine Weile in den Fängen haben wird, bei den Healthineers wird jetzt schon an einer Zukunftsstrategie für die Zeit nach dem "new normal" gearbeitet.