Der Zirkus ist da! Viele Besucher waren zur Premiere am Freitag zum "Zirkus Schnauz" nach Gasseldorf gekommen. Die Zuschauer konnten Feuerspucker, Jongleure, Drahtseilkünstler, Clowns und viele andere spannende Darbietungen bestaunen. Klar, das erwartet man von einem Zirkus. Doch das Besondere an diesem Programm ist, dass die Künstler Jugendliche im Alter von neun bis 15 Jahren sind, und die nur eine Woche Zeit hatten, um diese Fertigkeiten einzuüben.
Es handelt sich hierbei um ein Projekt des Kreisjugendrings (KJR). "Am letzten Sonntag trafen die 50 Kinder hier ein. Sechs davon sind Kinder mit Behinderung", erzählte Kreisjugendpflegerin Stefanie Schmitt. Die Kinder übernachteten in Tippis und probten jeden Tag für ihren Auftritt. "Es waren elf Betreuer vom KJR dabei und Zirkuspädagogen vom "Cirkus Mumm", erklärte Stefanie Schmitt. Das Projekt fand zum 15.
Mal im Landkreis Forchheim statt.


Integration begeistert

Bevor die Vorstellung im Zirkuszelt auf dem Gasseldorfer Sportgelände begann, waren alle aufgeregt. Die jungen Künstler wurden geschminkt und machten sich warm. Deren Eltern und Familien trafen langsam auf dem Gelände ein und waren schon gespannt. Carsten und Tanja Schu aus Kersbach beispielsweise freuten sich, ihre beiden Kinder nach einer Woche wiederzusehen. Wobei die beiden zugaben, dass eine Woche ohne Kinder auch schön sein kann. "Doch jetzt freuen wir uns auf sie", lachte Tanja Schu. Tochter Lea-Marie war zum ersten Mal dabei. "Sie hat sich schon lange darauf gefreut, denn ihr Bruder Niclas ist schon zum fünften Mal dabei", erzählte Carsten Schu. Die Eltern sind begeistert, dass behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam im Zeltlager zusammenleben und sich gegenseitig unterstützen. Und sie sind von der Betreuung durch den KJR sehr angetan. Lea-Marie hatte ihre Eltern ein wenig vermisst, Niclas eher nicht. Er schwärmte von seinen neuen Freunden, dem guten Essen, und dass er Handy und Fernseher eigentlich gar nicht vermisst habe.
Korbinian Gschoßmann war ebenfalls zum fünften Mal dabei. Er freute sich, Freunde vom letzten Jahr wieder zu treffen. Er liebt das tägliche Training, das Lagerfeuer am Abend, das Musikmachen und Stockbrotessen. "Das ist unser drittes Kind, was da mitmacht", erzählte Vater Jürgen Gschoßmann. Seine Kinder seien nach der Woche begeistert - und bewegt. "Sie sehen, wie das ist, wenn man ein Handicap hat", meinte der Vater. Die stellvertretende Landrätin Rosi Kraus war ebenfalls begeistert: "Das ist gelebte Integration. Für die Kinder ist das ganz selbstverständlich, dass da welche eine Behinderung haben. Wäre es nicht schön, wenn das im Alltag auch so funktionieren könnte", fragte Rosi Kraus. Sie war sehr gespannt auf ihren ersten Zirkusbesuch. Und sie wurde nicht enttäuscht.


Leben ohne Schubladen

"Ich bin da auch immer wieder überrascht, was die Kinder nach einer Woche können", erzählte Zirkus-Pädagoge Hagi Blickle. Sie haben keinen leistungsorientierten Ansatz. Die Kinder werden motiviert und ihr Selbstbewusstsein gestärkt. "Jeder ist hier gleich und es gibt keine Schubladen, in die ein Kind gesteckt wird", erklärte Andre Helm, der seit elf Jahren ehrenamtlicher Betreuer bei diesem Projekt ist. Alle seien auf Augenhöhe. Er selbst habe darüber seine Berufung gefunden. Früher habe er in einer Fabrikhalle gestanden, jetzt habe er eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger gemacht. "Einige der ehemaligen Künstler machen jetzt Praktikum hier", erzählte Helm stolz. Und Alexander Burkhard, zweiter Vorsitzender des Gasseldorfer Sportvereins, zeigte sich froh, ein solches Projekt unterstützen zu können. Der Verein wollte das Gelände schon länger in Ordnung bringen. In diesem Jahr gingen sie das dann an. "Mit viel Eigeninitiative und 20 000 Euro Einsatz haben wir es rechtzeitig fertig bekommen" erzählte Burkhard. So konnten 50 Kinder eine aufregende Woche erleben. Nach der Premiere feierten die jungen Künstler noch einmal ohne Eltern. Am Samstag gab es eine weitere Vorstellung, dann hieß es Abschied nehmen von dieser anderen Zirkuswelt.