Wenn man auf den Parkplatz des Wildparks Hundshaupten abbiegt, scheint zunächst alles wie immer. Der Geruch der Ziegen steigt sofort in die Nase. Der Pfau schreit laut über das Gelände. Und Enten fliegen in Grüppchen über den Teich. Alles wie immer? Leider nein. Denn ein großes Absperrgitter direkt am Eingang holt einen schnell zurück in die Realität: keine Besucher weit und breit, kein Kinderlachen, kein fröhliches Füttern am Zaun. Seit nunmehr sechs Wochen ist der Wildpark Hundshaupten wegen Corona geschlossen.

Tiere spüren die Veränderung

Normalerweise 365 Tage geöffnet, ist nun alles anders. Die Tiere haben den Park für sich alleine. Niemand, der kommt, außer die Tierpfleger. Ob sie von alldem etwas mitbekommen? "Die Tiere spüren die Veränderung. Man kann nicht in sie hineinschuen. Aber sie sind viel aufmerksamer", erzählt Daniel Schäffer, Leiter des Wildparks. Wenn er sonst - vor Corona - durch den Park gelaufen sei, habe das die Tiere kaum interessiert. "Jetzt, wenn ich bei den Elchen vorbeigehe, schauen sie mir den ganzen Weg zu."

Die Arbeit im Wildpark ist eine andere geworden. Auch die 20 Mitarbeiter mussten zunächst lernen, mit dieser nie dagewesenen Situation umzugehen. Die Tierpfleger arbeiten abwechselnd in Schichten in kleinen Teams zu zweit oder zu dritt. "Um gewährleisten zu können, falls einer ausfällt, das nicht gleich alle ausfallen", erklärt Schäffer.

Sie füttern die Tiere nach wie vor zweimal am Tag, misten die Ställe aus, machen die Gehege sauber. Da sie in kleineren Teams arbeiten als normalerweise, haben sie nun gut zu tun, gerade so mit der Arbeit herumzukommen. Auch die Handwerker und die Verwaltung arbeitet - unter den gegebenen Sicherheitsregelungen - normal weiter. "Wir fahren nicht mehr zu zweit im Auto, trennen unsere Pause zeitlich und gehen alle um vier statt um sechs Uhr nach Hause", so Schäffer.

Mitarbeiter an der Kasse bauen derzeit Überstunden und Resturlaub ab. Sie kümmern sich außerdem um die Reinigung und die Gartenpflege.

Jahreskarten verlängert

Wie groß der Verlust ist, den der Wildpark in diesen Wochen finanziell erleiden wird, kann Schäffer noch nicht beziffern. Da der Wildpark öffentlich getragen wird, gehe es aber ohnehin nicht um Gewinnerwirtschaftung. Einen Zuschuss wird es dennoch brauchen. Denn allein in den Osterferien ist der Wildpark eigentlich der reinste Besuchermagnet: "Bei schönem Wetter hatten wir bis zu 2000 Besucher pro Tag." Auch Führungen, die sie gemeinsam mit Schulen, Kindergärten und Kindergeburtstagen unternommen haben, haben zuletzt stark zugenommen: "In den vergangenen beiden Jahren waren es jeweils über 200 Führungen, die jetzt einfach wegfallen."

Einen Grund zur Freude gab es während der Schließung bereits dennoch: Einige Lämmer sind auf die Welt bekommen. Und der Elch könnte auch im Mai seinen Nachwuchs werfen. "Sicher sind wir uns nicht. Der Bauch war auch letztes Jahr, als die Zwillinge kamen, eher klein", erinnert sich Schäffer.

Wiederöffnung mit Einschränkungen?

Wann der Park wieder aufmachen darf, steht noch nicht fest. Eine Öffnung wird aber in jedem Fall mit Einschränkungen verbunden sein, vermutet Schäffer: "Wir müssen schauen, wieviele Besucher gleichzeitig reindürfen. Vermutlich bleiben Spielplatz und Gastronomie geschossen. Auch ob man die Tiere füttern darf, muss geklärt werden."

So oder so: Die Vorfreude auf die Wiedereröffnung ist bei allen Mitarbeitern groß. "Wir wollen uns an diese ungewohnte Zeit nicht gewöhnen." Noch aktive Jahreskarten werden in ihrer Gültigkeit verlängert, wenn der Park wieder geöffnet ist. "Da wir noch nicht absehen können, wann das sein wird, sind momentan dre Monate verlängerte Gültigkeit angedacht."

30 neue Partnerschaften in sechs Wochen

Unterstützung Seit der Schließung des Wildparks ist das Interesse an Tierpatenschaften immens gestiegen. In den vergangenen sechs Wochen sind 30 neue Patenschaften dazu gekommen, hauptsächlich von Privatpersonen. "Die Leute wollen uns unterstützen und das freut uns sehr", sagt Wildparkleiter Daniel Schäffer

Pate werden Auch Sie können Pate werden.Eine Patenschaft läuft ein Jahr lang und verlängert sich nicht automatisch Sie erhalten eine Patenurkunde und erfahren bei exklusiven Führungen alles über Ihr Tier. 30 Euro: Meerschweinchen, Zwergkanninchen. 40 Euro: Laufente, Stockente. 50 Euro: Jagdfasan, Zwegziege. 60 Euro: Pfau, Waldschaf. 80 Euro: Hängebauchschwein, Waldkauz. 100 Euro: Waschbär, Wildschwein. 150 Euro: Norwegisches Fjordpferd, Rotwild. 200 Euro Alpaka, Steinbock. 250 Euro: Luchs, Rentier. 300 Euro Wolf. 500 Euro: Elch. 750 Euro: Wiesent.