Im Aufenthaltsraum der Flüchtlingsunterkunft in der Bamberger Straße in Forchheim werden die Tische zusammengeschoben, es gibt Luftballons und Lametta. Wert auf einen Baum mit Kerzen und Kugeln legen die Bewohner allerdings nicht. Zumindest wurde noch keiner der Betreuer darauf angesprochen.
So feiern die katholischen Flüchtlinge auch Silvester oder wenn ein Neugeborenes gefeiert wird. Die Betreuer feiern ihr Weihnachten zu Hause und sind wie an allen Tagen vor Ort, aber nicht häufiger als sonst.


Ein Tag wie jeder andere

"Es ist für die Betreuer ein Tag wie jeder andere", sagt Stefan Schick. Er ist ein Betreiber von Asylunterkünften im Kreis Forchheim. Ungefähr 98 Prozent der Menschen, die in seinen Unterkünften leben, sind Muslime. Sie feiern kein Weihnachten.

Schick wird ihnen den christlichen Glauben sicher nicht aufzwängen, einen Baum aufstellen oder mit einer Weihnachtsgans vorbeikommen. Weder in Forchheim noch in Ebermannstadt. Ramadan wurde und wird den Gepflogenheiten der Muslime entsprechend dagegen aber gefeiert. Die wenigen Christen feiern Weihnachten in ihrer Wohnung. Und doch war es schon ein bisschen weihnachtlich in den Unterkünften. Das war am Nikolaustag, als einige Helfer gemeinsam mit einem Nikolaus Geschenke verteilt haben. "Spielzeug, Süßigkeiten oder Hygieneboxen waren in den Päckchen verpackt", sagt Schick.

Die Ehrenamtlichen der Helferkreise werden auch über Weihnachten sicher bei den Asylbewerbern vorbeischauen, wie sie es immer tun. Für die Kinder sind Ferien. Auch im vergangenen Jahr war Heiligabend nichts Besonders für die Asylbewerber.
Schick selbst muss sich über die Feiertage bereit halten, da mit neuen Bussen mit Asylbewerbern gerechnet werden muss. Die Menschen sollen anschließend über Weihnachten in den Notunterkünften bleiben. Die Weihnachtsfeier für die Asylbewerber fand in Egloffstein bereits am Montagabend statt. Organisiert hatten sie die freiwilligen Helferkreise. Auch Verantwortliche der Gemeinde schauten vorbei.


Kritik an den Ansprüchen

Fehmi Akkaya, in dessen Gaststätte die Asylbewerber leben, hatte Kaffee und Tee gekocht. Kuchen und Plätzchen gab es ebenfalls.
Vor drei und vor zwei Jahren noch haben Akkaya und seine Frau alle Asylbewerber an Weihnachten privat zu sich zum Essen eingeladen und dabei vor allem die Kindern beschenkt. "Das war eine Atmosphäre", denkt Akkaya noch immer gern zurück. Mit den jetzt hier wohnenden Asylbewerbern werden er und seine Frau privat sicher nicht Weihnachten feiern. Zu viel Ärger gebe es derzeit mit den Flüchtlingen, die "immer mehr Luxus fordern, aber nicht einmal die Wohnung aufräumen, geschweige denn das Geschirr spülen und auch kaum Deutsch lernen möchten".


Ein Baum für Forchheim

Akkaya, der vor 40 Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, versteht das nicht. Er selbst feiert Weihnachten - und das, obwohl er Moslem ist. Er lebt seit Jahrzehnten hier, seine Kinder sind hier aufgewachsen und zusammen mit den Enkeln schmückt er seinen Baum und feiert.
Die Christen in seiner Unterkunft - es handelt sich um drei Familien - gestalten ihre Weihnachtstage entweder selbst oder lassen es einfach sein. "Die Muslime feiern kein Weihnachten, die orthodoxen Christen erst im nächsten Jahr", zählt Flüchtlingshelfer Marko Lehmann auf. Einen Baum wird er im Haus in Forchheim und in Kauernhofen aufstellen.

Eine kleine weihnachtliche Feier fand bereits am Wochenende statt, nur wenige haben diese besucht. An Weihnachten ist einfach normaler Betrieb, erklärt der Helfer.