Die Skulptur des Schäfers mit seinen Schafen auf dem Dorfplatz und das Marterl am anderen zentralen Platz des Ortes sind neben der gärtnerischen Gestaltung und Umsetzung zu einer Art Wahrzeichen des kleinen Dorfes Sollenberg geworden. Nach der Dorferneuerung, die vor einem Jahr abgeschlossen wurde. "Sogar Gartenbaufirmen rufen an", freut sich Günther Eichler über dieses Lob. Denn beide Wahrzeichen sind Symbol für den Ort und die gelungene Dorferneuerung und beides waren Ideen von Günther Eichler.

Er war der Koordinator, der Mittelsmann und Beauftragter der Stadt für diese Dorferneuerung, aber ebenso für die Flurneuordnungen in Weißenohe und Dorfhaus, wo er ökologischer Beauftragter dieser Maßnahme war. Für diese Ehrenämter wurde Günther Eichler nun mit der Staatsmedaille vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ausgezeichnet. Für beides konnte kein besserer als Eichler gefunden werden. Er kennt die Natur wie seine Westentasche und auch die Lebensgeschichten, die damit verbunden sind. Aber vor allem ist es die Leidenschaft, mit der Eichler diese Aufgaben umgesetzt hat.

Eine Leidenschaft, die selbst Kinder angesteckt hat. Bei der Pflanzaktion beispielsweise. Neben 400 Rosen, die gepflanzt wurden, suchte er hitzeresistente, bienenfreundliche Pflanzen aus, bereitete die Pflanzlöcher vor, versah diese mit Nummern, ebenso die Pflanzen und machte das bei den Schul- und Kindergartenkindern publik. Nicht nur, dass begeisterte Kinder die Nummer für den Standort ihrer Blumen suchten, sie wurden so an die Natur und den Ort herangeführt.

Das Ganze begann bereits 2003, als die Dorferneuerung für Lilling und Sollenberg endlich ins Rollen kam und Arbeitskreise gebildet wurden. "Ich übernahm die Leitung des Arbeitskreises Umwelt und Landwirtschaft", erzählt Eichler, langjähriges LBV-Mitglied. "Mehr Grün im Ort, versiegelte Flächen aufbrechen und den Verkehr beruhigen, waren die klaren Vorgaben, die wir umsetzen sollten", sagt Eichler, der 2010 mit fünf anderen in die Vorstandschaft gewählt wurde und von der Stadt Gräfenberg als örtlicher Beauftragter ausgewählt wurde.

800 ehrenamtliche Stunden

Dass dieses Ehrenamt nicht nur darin bestand, ab und zu auf der Baustelle zu erscheinen, zeigen die vielen Stunden deutlich. 800 Stunden hat Günther Eichler für die Dorferneuerung und Flurneuordnung aufgewendet, hat mit den Bauleitern der Firmen gesprochen, nach Lösungen gesucht, Anregungen der Dorfbewohner weitergetragen, aber sich auch für diese eingesetzt, wenn nicht geplante Umsetzungen anstanden. Diese Vorstellungen und Wünsche unter einen Hut zu bringen, war die Hauptaufgabe von Günther Eichler. Denn während der Dorferneuerung wurden Telefon- und Stromleitungen, sowie Leerrohre verlegt und eine neue Asphaltdecke aufgebracht. Aber auch die Wasserleitungen erneuert, was nicht alle Dorfbewohner wollten. "Sie hatten Angst vor zu hohen Zahlungen. Aber eine 106 Jahre alte Leitung muss irgendwann erneuert werden", erklärt Eichler, der den Bürgern aufzeigte, dass dies eine einmalige Chance sei, weil die Maßnahmen durch die Dorferneuerung zu 65 Prozent gefördert wurden. "Wir haben eine Verantwortung für die nächste Generation. Ihnen wollen wir Sollenberg nicht schlechter übergeben als wir es übernommen haben", erklärt Eichler.

Ähnlich war sein Aufgabenbereich bei den Flurerneuerungen in Weißenohe und Dorfhaus. Dort wurden unter anderem 17 Heckenreihen zu einem großen Biotop zusammengefasst. Ausgleichsflächen mussten geschaffen werden und diese naturgerecht gestaltet. Die Pläne zeichnete Günther Eichler. So konnten auch hier alle von seinem Erfahrungsschatz, den er sich aus Liebe zu Tier und Natur angeeignet hatte, profitieren. Dass die Fachbehörden und das Ministerium damit mehr als nur zufrieden waren, zeigt deren Wunsch, dass er auch als ökologischer Beauftragter in einem anderen Ort fungieren sollte.

Das hat Eichler aber abgelehnt. Diese teils parallel laufenden Ehrenämter fasst Eichler in einem Satz zusammen: "Man braucht ein dickes Fell, aber es hat sehr viel Spaß bereitet." Alle Ideen wurden immer in Absprache mit den anderen Vorständen und unter großer Beteiligung der Bürger bei den Aktionen besprochen. Günther Eichler war immer bei den wöchentlichen Besprechungen mit Amt und Stadt dabei und hat darüber hinaus mit Antje Jacob, einer Schülerin von Harro Frey, die richtige Künstlerin für die Umsetzung des Sollenberger Wahrzeichens gefunden und bei Sponsoren um Geld für diese geworben.

Eichler verzichtet auf Geld

Weder seine noch die Aufwandsentschädigung der anderen Vorstände wollten sie für sich behalten. "Das Geld soll wieder dem Dorf zugute kommen", betont Eichler. Spielgeräte sollen dafür beispielsweise gekauft werden. Auf jeden Fall sind die neu gestalteten Dorfplätze wieder Treffpunkt der Bürger.

Der Posaunenchor spielt auf, die Landfrauen laden zum Brunchen ein und die Erwachsenen, auch aus Nachbarorten, kommen zum Bocciaspielen an dem Platz, an dem vorher Glascontainer auf dem Asphalt standen. Das Marterl aber war schon immer Symbol als Erinnerung und Zeichen der Dankbarkeit an besonders schöne Ereignisse. In Sollenberg wird es darüber hinaus immer mit Günther Eichler verbunden sein.