Bei der Reichspräsidentenwahl war der NSDAP jegliche Propaganda im Radio verboten worden. Hitler war deswegen im April 1932 mit einer dreimotorigen Junkers zu täglich mehreren Kundgebungen unterwegs. Heinrich Hoffmann (1885-1957), sein "Hoffotograf", begleitete ihn mit dem Fotoapparat und propagierte unmittelbar danach den Werbefeldzug in einem Buch, das unter dem Titel "Hitler über Deutschland" bis 1945 eine Millionenauflage erreichte.

Zwei Wochen nach der Reichspräsidentenwahl fanden in Bayern und Preußen Landtagswahlen statt. In Oberfranken sorgte Gauleiter Hans Schemm mit seinen Mitarbeitern von Bayreuth aus für einen straff organisierten zweiwöchigen Wahlkampf.

In der Fränkischen Schweiz unterstützten ihn ehrenamtliche Helfer. Einer von ihnen war in Ebermannstadt der ledige SA-Sturmführer und SA-Kreisleiter Nikolaus Schmidt (1908-1944), der gerade ein Ingenieurbüro eröffnet hatte.
Über ihn berichtete der Wiesent-Bote, dass er gezielt gegnerische Versammlungen aufsuchte, um sie zu stören.

Mit dem BVP-Landtagskandidaten Valentin Fröhlich (1888-1964) lieferte er sich eine Leserbrief-Auseinandersetzung. Dem erfahrenen Landtagsabgeordneten gestand er durchaus zu, "Volkswirtschaftler durch und durch" zu sein. Aber: "Seine rein sachlichen, volkswirtschaftlichen Kenntnisse klangen niederdrückend, umso befreiender hätte es gewirkt, wenigstens etwas vom Idealismus zu hören, von Idealen und Hoffnungen, wie sie etwa im Nationalsozialismus verankert sind."

Schriftliche Auseinandersetzung

Schmidt, 24 Jahre, war nach dem Studium auf der Suche nach seiner beruflichen Zukunft. Er verkörperte typisch die Haltung seiner Generation. Sie hatte nach der militärischen Niederlage den Umbruch von der autoritären Monarchie zur parlamentarischen Demokratie als nationale Katastrophe erlebt und suchte dafür Schuldige, aber auch Wege aus der Misere.

Der Nationalsozialismus pflanze den "Glauben an eine bessere deutsche Zukunft". Sie liege in der Rückbesinnung auf den "deutschen Geist, dessen Symbole die Banner einer vergangenen, größeren und besseren Zeit sind und die heute in den Museen verstauben".

Diesem Irrationalismus mit sachlichen Argumenten entgegenzutreten, tat sich der zwanzig Jahre ältere Fröhlich schwer. "Ich gehöre eben nicht zu denen, die goldene Berge versprechen, ... dazu bin ich viel zu viel ein Mann der Wirklichkeit und kein Phantast", antwortete er. Besserung könne nur eintreten, wenn "alle Gutgesinnten in Deutschland sich zusammentun, um den festgefahrenen Karren der deutschen Wirtschaft aus dem Dreck herauszureißen".

Dass Deutschland 1918 einen Waffenstillstand geschlossen und danach die "alleinige Kriegsschuld" übernommen habe, sei zwar ein Fehler gewesen, aber Ursache der Misere sei "Deutschlands Verindustrialisierung" und die "Verindustrialisierung der agrarischen Erzeugnisse". Eine Besserung könne man nur erreichen, wenn das Missverhältnis von Löhnen und Preisen beseitigt, eine kaufkräftige Mittelschicht aufgebaut werde, das Volk zur Sparsamkeit komme und sich das Wirtschaftsleben auf Grundsätze des Christentums ausrichte.

NSDAP bedrängt Parteien

Mit ihrer Parole eines "Systemwechsels" und dem neuen Wahlkampfstil drängte die NSDAP die anderen Parteien in die Defensive. Sie bot ihre zentral geschulten und mit Uniform auftretenden Redner in straff inszenierten Kundgebungen auf, in Begleitung von SA-Trupps, die ihre Sturmfahnen mitführten und lauthals Kampflieder der "Bewegung" intonierten. Dem hatten die anderen Parteien kaum etwas entgegenzusetzen. Ihre Redner argumentierten als Abgeordnete und Repräsentanten vergeblich gegen die "Diktatur der Zwanzigjährigen".

Die NSDAP nutzte die vom Forchheimer Tagblatt eingeräumte Möglichkeit, "gegen Vergütung entsprechender Satzkosten" ihre Agitation unter der Rubrik "Ziele der Parteien" ausbreiten zu können. Sie berichtete darin über Veranstaltungen mit angeblich überfüllten Sälen und euphorischer Zustimmung. Angereichert wurde das Ganze mit Fakten, die dem Leser vormachten, dass mit dem NSDAP-Programm "eine schleunige Belebung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes" möglich sei.

Dagegen verweigerte sich die eng mit der Bayerischen Volkspartei und der katholischen Kirche verbundene Forchheimer Zeitung der nationalsozialistischen Propaganda, resignierte aber gegenüber den "unzähligen Versammlungen", die die NSDAP durchführte.

Schon bei der Reichspräsidentenwahl hatte sie beklagt, dass die "Parteien, die für Hindenburg kämpfen, dieser Riesenpropaganda nicht in gleichem Umfang begegnen können, da ihnen so ergiebige Geldquellen wie den Nationalsozialisten nicht zur Verfügung stehen." Woher hatte die NSDAP das Geld für "diese Riesenpropaganda"? Gab es auch in Forchheim heimliche Sponsoren? Die Quellen schweigen.

Nach einer Aufstellung des Bezirksamts entfielen 1932 im damaligen Kreis Forchheim mit 151 Versammlungen die meisten auf die NSDAP - gefolgt von der BVP mit 102. Die anderen Parteien spielten keine Rolle. Die SPD konnte mit 41 Veranstaltungen kaum mithalten.

Sieger im Stimmkreis Forchheim-Ebermannstadt wurde die BVP mit 51,4 Prozent der Stimmen gegenüber 35,3 Prozent der NSDAP. Die politische Auseinandersetzung stand nach der Landtagswahl bis zum Ende der Republik im Zeichen der Polarisierung der beiden Parteien.

In Bayern lag die BVP mit 32,6 Prozent nur knapp mit 1213 (0,1 Prozent) Stimmen Vorsprung vor der NSDAP, erhielt aber auf Grund des Wahlrechts zwei Sitze mehr. Für eine Regierungsbildung reichten ihre 45 Sitze jedoch nicht. Eine Koalition mit der NSDAP lehnte Heinrich Held ab, ließ aber zu, dass der BVP-Landesvorsitzende Fritz Schäffer (1888-1967) mit dem NSDAP-Fraktionsvorsitzenden Rudolf Buttmann (1885-1947) darüber verhandelte.

Bei der Konstituierung des neuen Landtags am 24. April 1932 gab es weder für die Wahl des Ministerpräsidenten noch für die Auflösung des Parlaments die von der Verfassung verlangte absolute Mehrheit. Also blieb der 1930 zurückgetretene Ministerpräsident Heinrich Held mit seinem Kabinett als "geschäftsführende Regierung" im Amt. Helds Stellung über den Parteien kam der Parteiverdrossenheit entgegen.

Seit 1930 agierten auf Reichsebene sogenannte "Präsidialkabinette", die ebenfalls keine parlamentarische Mehrheit hatten und nur vom Vertrauen des Reichspräsidenten abhängig waren, der als eine Art Ersatzmonarch über den sich streitenden Parteien stand.