Im Jahr 1967, heute vor 50 Jahren also, erlebte die Stadt Waischenfeld einen signifikanten wirtschaftlichen Aufbruch. Ausgelöst hat diesen der damals 27 Jahre alte Bäckermeister Hans Schweßinger. Ein Jahr zuvor war er zum Bürgermeister der Stadt gewählt worden.

Zum 1. Januar 1967 übernahm die Stadt beispielsweise das Freibad, das zuvor vom Heimatverein in Eigenregie geführt worden war. Schon damals war den Stadträten bewusst, "dass das Schwimmbad für die Gemeinde wohl immer ein Zuschussbetrieb sein wird, andererseits aber Waischenfeld schon als Fremdenverkehrsort seine Badeanstalt erhalten muss".


Bau der Wasserleitungen

Der Grund für die Rückgabe des Freibads lag in dessen desolatem Zustand. Daher gab es Überlegungen im Rathaus, "ob man nicht eine grundlegende Neugestaltung im Auge behalten sollte", schrieb die Lokalpresse seinerzeit.

Ende Januar 1967 wurde die neue Baywa-Werkstatt im Ortsteil Gutenbiegen in Betrieb genommen. "Aus weiter Umgebung, auch aus dem Landkreis Pegnitz, fahren die Bauern mit ihren reparaturbedürftigen Maschinen vor, nachdem sie vorher 14 Kilometer weiter nach Hollfeld mussten", freute sich die Lokalpresse. Im März war der Wasserleitungsbau in der Hauptstraße das beherrschende Thema, denn damit kam Waischenfeld erstmals in den Genuss eines Gehsteigs.

In einer Bürgerversammlung im April berichtete Schweßinger von Plänen, neben einer neuen Volksschule auch ein neues Mehrzweckhaus für Feuerwehr und Malteser bauen zu wollen. Im Juni wurde als letzter im Landkreis Ebermannstadt, der Waischenfelder "Landwirtschaftliche Berufsschulverband" aufgelöst.

"Die Abwanderung von in der Landwirtschaft Beschäftigten war der Grund für das rasche Sinken der Schülerzahlen, so dass zuletzt nur noch eine Mädchenklasse für Hauswirtschaft übrig blieb" stand in der Zeitung zu lesen. Zum Ende des Schuljahres wurde Oberlehrer Leo Hein in den Ruhestand verabschiedet. Der gebürtige Schlesier war bei den Schülern beliebt, aber mitunter auch berüchtigt. Er konnte einerseits sehr gut Geige spielen und spannend aus der Vergangenheit berichten.

Er hatte andererseits aber auch eine Rute, die er bei unaufmerksamen Schülern einsetzte, indem er quer über die auf der Schulbank liegende ausgestreckte Hand "fitzelte".
Die Verabschiedung nahm Schulleiterin Rita Hofmann vor, im Beisein von Stadtpfarrer Hans Völker und Bürgermeister Hans Schweßinger.


Durch die Luft geflogen

Im August verunglückte der Waischenfelder Heinz Zobel mit seinem Moped schwer, als er eine Tanzveranstaltung in Plankenfels besuchen wollte. Bei der Nankendorfer Brücke geriet er ins Schleudern, flog durch die Luft und landete an einem Türpfosten des Brauhauses.

Hans Pschorn, ein begnadeter Volksmusiker, feierte im August seinen 50. Geburtstag. Als Mitglied tschechischer Militärkapellen erhielt er jene musikalische Ausbildung, die ihn befähigte, verschiedene Instrumente zu spielen und das Wissen auch an andere weiterzugeben.

Bei Kriegsende kam er nach Waischenfeld. Ein kleines Häuflein Musikanten fand er zwar vor, aber es reichte nur zur Kirchenmusik. So fing Hans Pschorn in den 50er Jahren mit jungen Leuten von vorn an und gründete die Waischenfelder Blasmusik neu, nachdem sie während des Zweiten Weltkrieges auseinandergerissen worden war. Bis 1972 war er der Dirigent der Blaskapelle, die überwiegend böhmische Blasmusik spielte.

Ihren 50. Geburtstag feierte Poldi Schmitt, die erste auswärtige Unternehmerin der Stadt. Im Juni 1959 gründete sie in Waischenfeld einen Zweigbetrieb ihrer Wäscherei und Näherei. Als sie später hierher zog, baute sie den hiesigen Betrieb aus. "Für Waischenfeld ist dieser Betrieb nicht nur von Bedeutung, weil er 30 Frauen und jungen Mädchen feste Arbeitsplätze bietet, sondern auch, weil er im ehemaligen Finanzamtsgebäude zur Miete untergebracht ist, so dass dieses alte mächtige Gebäude wenigstens eine einigermaßen praktische Verwendung findet", schrieb die Lokalpresse darüber.

Ende September erschien zum ersten Mal die Kirchenzeitung "St. Johannes-Bote". In ihm kündigte Pfarrer Völker eine umfassende Renovierung der Stadtpfarrkirche an; inklusive einer Heizung, damit die Gläubigen im Gottesdienst künftig nicht mehr frieren müssen.