Der Fränkische Theatersommer hat den Anspruch, Kultur aufs Land zu bringen. Es braucht dazu keine großen Theaterhäuser, sondern einfach Plätze mit Charme und Geschichte. Der Innenhof von Schloss Jägersburg ist ein solcher Ort. Dort hat der Theatersommer jetzt "Der zerbrochne Krug" auf die Bühne gebracht.

Das Stück stammt aus der Feder Heinrich von Kleists (1777 - 1811). Alt und verstaubt ist das Stück weiß Gott nicht, ist es auch schon vor gut 200 Jahren geschrieben worden. Die tragisch-komische Geschichte hat etwas Menschlich-Allgemeingültiges. Noch heute regte es die Menschen zum Nachdenken, Mitleiden und Mitfreuen ein. Auf Schloss Jägersburg war das nicht anders.

Zerrissene Persönlichkeit

Das war sicherlich auch das Verdienst der Schauspieler.
Jede Rolle schien ideal besetzt: Stephan Bach verkörperte den etwas plumpen, gern essenden und trinkenden Dorfrichter Adam, der wegen des zerbrochenen Krugs über sich selbst zu Gericht sitzen muss.

Vor allem seine Mimik spiegelte seinen zerrissenen Charakter. Einerseits der gemütliche Dorfmensch. Anderseits der brutal um sein Ansehen und seinen Machterhalt kämpfende Prominente. Dort der Ängstlich-Verlegene. Er bemerkt nämlich sehr wohl, dass er sich zunehmend in Widersprüche und Lügen verstrickt. Al sein Schreiber Licht überzeugte Markus Veith. Eher devot hinter sein Schreibpult geduckt, spielte er seine Kenntnisse über den Chef mit oft pseudo-naiven Bemerkungen aus. Dazu grinste er diabolisch.

Mit großem Temperament und im Bewusstsein, vollkommen im Recht zu sein, trat Kirsten Annika Lange als Marthe Rull mit ihrem geschädigten Krug auf die Bühne. Anfangs blind für die verzwickte Wahrheit und wie eine Löwin für den guten Ruf ihrer Tochter Eve kämpfend, schlug sie das Publikum in ihren Bann.

Im Kampf mit sich selbst

Mitfühlen konnte man auch mit Eve, die Heidi Lehnert verkörperte. Sie brachte mit jeder Faser ihres Körpers die Angst und Sorge um den verdächtigten Verlobten zum Ausdruck. Auch sie kämpfte, jedoch vor allem mit sich selbst.

Ihren Geliebten spielte Benjamin Bochmann: mit großem Unschuldsbewusstsein, enttäuscht von der vermeintliche Untreue seiner Braut und immer wieder mit heiligem Zorn. Als Zuschauer fühlte man sich fast schon genötigt, zwischen den beiden Liebenden zu vermitteln und die Verwicklungen zu entwirren.

Aber diese Rolle kam Alexander Voß als Gerichtsrat Walter zu. Er brachte Nüchternheit und Ordnung in das verworrene Geschehen. Kaum ein gutes Theaterstück kommt ohne sogenannte Nebenrollen aus, die zum Gelingen eines Stücks ungeheuer viel beitragen. Mit ihrem Spiel ergänzen und bereichern sie das Spiel.
Deshalb gebührt auch Ingrit Gabriel als Magd Margarete und Eike Domroes als Vater von Eves Verlobtem und Zeuge bei der Gerichtsverhandlung für genau diese Funktion große Anerkennung.