So geht's manchmal: Eine gemischte Runde trifft sich in einer Bar im südlichen Landkreis; man plaudert erst gemütlich. Die einen trinken viel, die anderen weniger. Der Ton wird aggressiver, so sehr, dass die Bedienung einen Mann zwischendurch zum Rauchen rausschickt, damit er sich wieder beruhigt. So etwas ist die erfahrene Frau gewohnt und sie weiß, entschieden damit umzugehen.


Jochbein und Nase zertrümmert

Gerade der Mann ist dann auch ihr letzter Gast, ehe sie die Wirtshaustür zusperrt. Doch was danach passierte, war Gegenstand einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Forchheim. Angeklagt waren zwei der Zechbrüder (36 und 23 Jahre) wegen gefährlicher Körperverletzung, weil der eine eben diesen Mann mit dem Fuß trat und ihm Jochbein und Nase zertrümmerte. Eine mehrstündige Operation in der Uniklinik Erlangen war notwendig, um die Frakturen zu richten. Ein anhaltendes Taubheitsgefühl in der linken Gesichtshälfte war die Folge. Der 40-Jährige ging deshalb kaum mehr unter die Leute, weil ihm das "Sabbern" wegen der Lippenlähmung peinlich war.


Kräftig getrunken

Amtsrichterin Silke Schneider versuchte herauszufinden, was in der Nacht des 5. Dezember 2014 nach dem Verlassen der Bar zwischen den Beteiligten abgelaufen ist. Die beiden Angeklagten haben kräftig gebechert. Der eine sprach von fünf bis sechs Bier und acht Jackie-Cola. Das Opfer hatte deutlich weniger intus. Die zwei Angeklagten und zwei weitere Gäste erwarteten ihn schon an der Außentüre. Zu dumm, dass er das Angebot der Bedienung ausgeschlagen hatte, den Hinterausgang zu benutzen. Der 23-Jährige rannte aggressiv auf ihn zu; rückwärts gehend wehrte er ihn mit einem Schlag ab. Der Angreifer ging zu Boden. Da ging der 36-Jährige auf ihn los. Auch ihn schlug er zu Boden. "Ich habe mich geschützt, nicht gewehrt", beschrieb er seine Handlungsweise und betonte, jeweils nur einmal zugeschlagen zu haben. Von vier bis fünf solchen Attacken berichtete der Mann dem Gericht.


Mit Stuhl verteidigt

Dann hat der erste wieder angegriffen, obwohl der Mann sich auf der glatten Straße rückwärts in Richtung seiner Wohnung wegbewegen wollte. Der Angreifer landete nach bewährter Methode wieder auf dem Boden, der Mann kam obenauf zu liegen. Als der Zweite auch eingreifen wollte und ihn hochzog, trat der Liegende ihm mit dem Fuß ins Gesicht. Der Mann packte einen Stuhl, der vor einer Eisdiele stand, und drohte den beiden. Sie ließen ab, und er hatte die Chance, sein Handy herauszuholen und die Polizei zu verständigen. Was ihn offenbar auch noch im Gericht ärgerte, ist, dass zwei weitere Gäste das Geschehen verfolgt, ihn seiner Meinung nach ausgelacht haben und einfach weggelaufen sind.
Der Verteidiger des jüngeren Angeklagten hakte immer wieder nach, durchaus im Stil eines amerikanischen Kreuzverhörs, bis die Richterin ihn bremste. Der Rechtsanwalt bat dann um ein Rechtsgespräch. Das Ergebnis: Die Angeklagten räumen den Sachverhalt der Anklage ein, weil sie sich wegen des reichlich genossenen Alkohols nicht mehr genau erinnern können; weitere Zeugen werden nicht gehört.
Dafür stand für den älteren, der nicht zugetreten hat, sechs bis neun Monate Freiheitsstrafe im Raum, für den jüngeren acht bis zwölf Monate. Der Strafrahmen für gefährliche Körperverletzung liegt zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft. Auch der Vertreter des Getretenen war mit dieser Absprache einverstanden, auch wenn er die dazugehörige Erklärung des Verteidigers als "menschlich enttäuschend" qualifizierte.
Staatsanwältin Kathrin Thal sah danach die Anklage bestätigt und hielt fest, dass es nur zu einem Tritt gekommen ist. Bei ihren Anträgen schöpfte sie den vorgegebenen Rahmen voll aus. Hingegen blieb der Verteidiger am unteren Rand, vor allem weil es gegenseitige Attacken gab, und betonte: "Eine Erklärung ist nicht weniger wert, weil sie ehrlich ist." Der ältere Angeklagte sagte als letztes Wort: "Es tut mir leid, dass es durch den Alkohol so weit gekommen ist."
Das Urteil lautete dann für den älteren der Angeklagten auf acht Monate Freiheitsstrafe, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. 500 Euro muss er als Schmerzensgeld an den Geschädigten zahlen. Der, der zugetreten hat, wurde zu einer Strafe von elf Monaten verurteilt, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wurde. Er muss 1500 Euro an das Opfer zahlen. Eine Woche haben beide Zeit, zu erklären, ob sie mit dem Urteil einverstanden sind.