Was macht man, wenn man beim Ausräumen eines Hauses Hunderte von Eislöffelchen findet? Wegwerfen! Dagegen hat sich Annika Hofmann entschieden. Die angehende Kinderpflegerin nahm 800 davon und kreierte daraus einen wirklich ausgefallenen Rock. Nicht für alle Tage, aber für das Projekt "Upcycling - Gegen die Wegwerfgesellschaft", das die Fachschule für Kinderpflege anlässlich der Ausbildungsmesse im Haus startete.

Der Anstoß für das Thema, so berichtet eine der Projektbetreuerinnen, Ingrid Messingschlager, war ein Kindergarten. Dort waren die Geschichten über die Olchis das Faschings-Spiel- und Bastelthema. Die Figuren des Kinderbuchautors Erhard Dietl leben auf einer Müllkippe und lieben alles, was stinkt. "Aus Müll etwas machen, fanden auch wir gut", sagt Abteilungsleiter Günter Kraus. Zudem passt der Ansatz zum Stoff des Faches Ökologie und Gesundheit.


Und dann sprudelten die Ideen nur so... Lara Eichert wollte ein Tutu beisteuern. Ihr erster Versuch, das Ballettröckchen aus Zeitungspapier zu gestalten, scheiterte am zu leicht reißenden Material. Dünne Mülltüten an ein Gummiband mit Strasssteine genäht, das war stabil genug, um das Kleidungsstück auch - zumindest zum Fotoshooting - zu tragen.

Hanna Porzky fand als Material Verpackungsfolie in Streifen. Aber wie verarbeiten? "Meine Mutter hatte die Idee, dass man sie verhäkeln könnte", erzählt sie. Fünf Tage hat es dann gedauert, bis ihr Outfit anziehfertig war.
Auch ein Kleid aus Zigarettenschachteln gibt es in der Modellkollektion für außerirdische Partys. "In der Familie sind alle Nichtraucher", weiß Messingschlager, "aber die Mutter war clever und stellte eine Schachtel bei rauchenden Arbeitskollegen auf." Mehr Glitzer geht nicht, hat sich wahrscheinlich Palesa Badura gedacht, griff zu einem Spannbettlaken als Untergrund und heftete CDs im Ganzen und in Teilen an.

Verlorengehende Ressourcen hieß der theoretische Oberbegriff, den die Schülerinnen mit viel Fantasie aufgriffen. Nicht nur Kleidung oder Hüte entstanden, sondern auch Blumenbehälter aus alten Sportschuhen und Plastikflaschen. Und Schmuck aller Art. Dicker Draht und Perlen und Knöpfe geben tolle Ringe, Fadenreste Freundschaftsbändchen und Flaschenverschlüsse sind ein Hingucker als Ohrringe. "Pringels für Brillis" könnte man die Schmuckbehälter nennen, die etliche Schülerinnen aus den Verpackungen der beliebten Chips herstellten.

Sie hätten noch viel mehr machen können, aber die Zeit war begrenzt. Und noch eins: Sie erheben kein Copyright auf ihre Kreationen, sondern freuen sich über Nachahmer.