Der Abriss der Piasten-Brücke, den die Deutsche Bahn für den Sommer geplant hatte, verschiebt sich um ein Jahr. Wie berichtet, wird die Stadt dadurch zwar nicht logistisch herausgefordert, sehr wohl aber finanziell.

Denn die Bahn, Eigentümerin des Bauwerkes, wird für die neue Stahlbogen-Brücke nicht mehr Geld ausgeben als nötig; Komfort für Fußgänger und Radfahrer auf der Brücke scheint jedenfalls nicht vorgesehen.

Den sogenannten Abkommenschutz plant die Bahn aus Beton. Der Abkommenschutz ist eine abgeschrägte Wand auf der Brücke. Sie verhindert bei einem Unfall, dass ein Fahrzeug auf die Gleise stürzt.

Etat belastet

Da eine Beton-Schutzwand den Gehweg auf der Brücke unnötig einengen würde, entschied sich die Mehrheit des Stadtrates für eine Schutzwand aus Stahl. Das sei ansehnlicher und schaffe immerhin einen 25 Zentimeter breiteren Gehweg. Doch die Mehrkosten für die schlankere Stahl-Variante, die einen 1,75 Meter breiten Gehweg ermöglicht, muss die Stadt tragen. Das sind über 400 000 Euro, die unvermutet den städtischen Etat belasten.

Holger Lehnard (CSU) fühlt sich daher von der Bahn "abgezockt". Auch Paul Nerb (FBF) protestiert gegen die "Rechtsauffassung der Bahn"; sie ermögliche eine Gehweg-Breite, "die für Norm-Menschen passt", aber dem Fußgänger- und Radfahrer-Verkehr auf der Brücke nicht gerecht werde.

"Entsetzt" sei sie über die Argumentation der Bahn, betont Lisa Hoffmann (SPD): Hier drehe sich alles um den Schutz der Fahrzeuge und nichts um den Schutz der Bürger. Ja, stimmt Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) zu: Hier werde ein Standard der 60er Jahre hergestellt: "Wir kriegen das einfach vor den Latz geknallt."

Das mache sie "wütend", sagt Annette Prechtel (FGL). Aber wegen der "Verantwortung für die Menschen", stimme sie der platzsparenden Schutzwand aus Stahl zu. Josua Flierl (CSU) spricht von einer "Frechheit und Unart der Bahn, die den Kommunen Dinge aufoktroyiert". Ulli Schürr (JB) ärgert sich, dass die Stadt hier wiedermal gezwungen werde, "einen kleinen Vorteil teuer zu erkaufen". Und Karl-Heinz Fleckenstein (CSU) fordert gar eine Resolution an das Verkehrsministerium, um dem "Chaos der Bahn-Verhandlungen" ein Ende zu setzen. Doch OB Kirschstein weist darauf hin, dass die Entscheidungen für den Neubau der Piastenbrücke unverrückbar sind: "Die Fristen sind abgelaufen, der Beschluss, ist von 2016." Daher könne auch der Vorschlag von Udo Schönfelder (CSU), die Piasten-Brücke grundsätzlich zu verbreitern, nicht mehr zum Zuge kommen.

Obwohl sich der Stadtrat also zähneknirschend dafür ausgesprochen hat, annähernd eine halbe Million Euro in einen verbesserten Fuß- und Radweg zu investieren, bleiben offene Fragen. Etwa möchte Franz Noffke (REP) wissen, in welcher Höhe der Steuerzahler durch die einjährige Verzögerung des 7,2 Millionen Euro teuren Brückenbaus belastet werde; denn konjunkturbedingt stiegen die Baukosten ja jährlich.

Und Ludwig Preusch (FW) vermutet, dass die hohe Summe, die die Stadt jetzt hinblättern muss, gar nichts mit der stählernen Schutzwand zu tun hat. Preusch verdeutlicht das an Hand eines Beispiels aus dem Landkreis, die Brücke zwischen Kersbach und Baiersdorf. Sie wurde von Bahn und Landkreis mit einem Abkommenschutz aus Stahl ausgestattet. Er habe sich beim Tiefbauamt des Landkreises erkundigt, betont der FW-Stadtrat. Demnach sei diese Stahl-Variante billiger als Beton.

Folglich, so Ludwig Preusch gegenüber unserer Zeitung: "Die Stadt hat geschlafen. Die Variante Stahl oder Beton wurde für die Piastenbrücke schon vor Jahren debattiert. Doch der Vorschlag für die Stahl-Variante wurde in der Verwaltung vergessen. Das viele Geld, das wir jetzt ausgeben müssen, ist nicht für das Material, sondern für die Umplanung der Bahn."

In diesem Zusammenhang verweist Preusch auf den "Erläuterungsbericht der Bahn vom November 2013". In diesem Bericht äußert sich die Bahn zum sogenannten Planfeststellungsverfahren für die ICE-Ausbaustrecke bei Forchheim. Auch von der Piastenbrücke ist die Rede. Die "Bestands-Gehweg-Nutzbreiten" auf der Brücke werden mit 1,5 Metern benannt und auch die Beton-Gleitwände sind erwähnt.

Diese Wände, stellt Ludwig Preusch fest, "sollten jedoch damals am Rand der Fahrbahn angeordnet werden". Das Resultat wäre gewesen, dass nicht die Breite des Gehweges, sondern die der Fahrbahn eingeschränkt worden wäre.