In einem "Brandbrief" haben sich die Elternbeirats-Vorsitzenden des Kindergartens St. Marien an Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE), die Verwaltung und die Stadträte gewandt. Sie kritisieren "unhaltbare Zustände".
Was auf der Mängelliste steht, darüber hüllen sich Elternbeirats-Chefin Melanie Kubik-Dorn sowie ihre Stellvertreterinnen Katrin Schwendner und Sophie Schicht in Schweigen. Auch die Leiterin des Kindergartens, Katja Purwins , zeigt sich auf Anfrage zugeknöpft.

Aus der Verwaltung heißt es dazu: Der Eltern-Brief stelle eine schriftliche Zusammenfassung von Mängeln im Kindergarten dar. Es bestehe zwischen allen Beteiligten Einvernehmen über die weitere Vorgehensweise. An einem öffentlichen Diskurs habe niemand Interesse.


Unhaltbare Zustände

Und was kritisieren die Eltern? Das wohl Offensichtlichste ist der seit Jahren gesperrte Kinderspielplatz. "Verletzungsgefahr" lautete die Begründung für die Schließung. In der jüngsten Stadtratssitzung hatte Stadtrat Bernhard Hübschmann (NLE) moniert, dass es in den Kellerräumen des Kindergartens St. Marien "muffig riecht". Das sei der Gesundheit der Kinder nicht zuträglich. Der Fußboden war brüchig und wurde bereits in Privatinitiative von Eltern ausgebessert, ebenso der Prallschutz an den Wänden. Auch hier hatten die Eltern Hand angelegt. Doch von geltenden Standards sei das Ergebnis weit entfernt, sagen Kritiker.

Weit gefährlicher: "Die Küchenausstattung in den Gruppenräumen gefährdet unsere Kinder", schreibt der Elternbeirat. "Beim Backen erhitzt sich die Herdplatte, der Glaseinsatz der Backofentür fällt heraus", heißt es in dem Brandbrief, in dem kaputte Schranktüren und eine veraltete Möblierung angeprangert werden. Außerdem müssten sich sämtliche Kinder und die Erzieher einen einzigen Kühlschrank teilen. Auch auf fehlende Fluchtwege wird verwiesen.

Der Kindergarten sei in einem Zustand, der den Stadtrat zum Handeln auffordert. Das wird auch in der Verwaltung eingeräumt. Seit der Eröffnung des Kindergartens sei nichts mehr gemacht worden. Nun steht das Thema Generalsanierung des Kindergartens St. Marien auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Bauausschusses am kommenden Montag, 2. Mai.

"Wie soll denn eine Sanierung funktionieren, wenn es keine Ausweichräume gibt?", will Stadtrat Ludwig Brütting (FW) angesichts der ins Auge gefassten Generalsanierung dieser Einrichtung wissen. Die Betreuung der Kinder müsse dringend geklärt werden, appelliert er an die Verwaltung, die sich auf die Suche nach Ausweichräumen machen muss.


193 Kindergartenplätze

Die Tatsache, dass der Kindergarten voll ausgelastet, teilweise sogar überbelegt ist, macht die Lösung des Raumproblems nicht einfacher. Kleinere Gruppen sind wegen der beengten Verhältnisse nicht machbar. Daran wird sich vorläufig wohl nichts ändern. Denn die Ebermannstadter Kindergärten sind auch im Kindergartenjahr 2016/17 voll ausgelastet, informiert Andreas Kirchner von der Stadtverwaltung.

Das Gremium beschloss, dass der Bedarf von derzeit 193 Kindergartenplätzen für die Kleinen zwischen drei und sechs Jahren auch in den kommenden Jahren Bestand haben soll. Dies untermauert Andreas Kirchner mit Zahlen. So sei der Kindergarten St. Marien mit 100 Plätzen derzeit überbelegt. Der Belegungsplan sehe für das neue Kindergartenjahr bereits eine hundertprozentige Auslastung vor. Ab November sollen sukzessive die zehn Prozent Überbelegung, die behördlicherseits an zehn von zwölf Monaten im Jahr erlaubt sind, ausgeschöpft werden.


Weiterhin hohe Kinderzahlen

Im Kindergarten St. Nikolaus mit seinen 78 Plätzen könnten keine Kinder unter drei Jahre aufgenommen werden. Derzeit sei an diesem Kindergarten mit 85 Plätzen die Obergrenze ausgeschöpft. Mit 110 Prozent Auslastung sei dieser Kindergarten aktuell überbelegt. Auch beim integrativen Kindergarten auf Burg Feuerstein müssten wohl die Vorgaben ausgeschöpft werden. Dort stehe ebenfalls eine Überbelegung an.

Bei der Zahl der Kindergartenplätze sei zu berücksichtigen, dass statt der 48 Kinder zwischen sechs und sieben Jahren im nächsten Kindergartenjahr 56 Kinder zwischen zwei und drei Jahren nachrückten. In den Jahren darauf kommen die 45 Kinder zwischen ein und zwei Jahren beziehungsweise die 56 Kinder unter einem Jahr in den Kindergarten.

Die Zahl der Kindergartenplätze, erläutert Andreas Kirchner von der Verwaltung, sei auch vor dem Hintergrund pädagogisch-konzeptioneller Diskussionen zu sehen. Fachleute fordern eine Verkleinerung der Kindergarten-Gruppen von 25 auf 20. Dazu gebe es auch eine Elternbefragung. Von 314 Fragebögen seien 120 beantwortet worden. Inhalt? Fehlanzeige!