Stein ist Stein, denken sich so manche Bürger und entsorgen Bauschutt, Teppiche und anderen Unrat auf den etlichen Haufen Lesesteine, die hier im Landkreis immer wieder an Feld- oder Waldrändern zu sehen sind. Jüngst so geschehen im Hemmerleinsbuch, einem kleinen Staatswald zwischen Gräfenberg und Lilling.

"Sofort anzeigen, denn das geht überhaupt nicht", schimpft Werner Nützel, Geschäftsführer des Bauernverbands. "Fremdstoffe gehören nicht in die Natur. Das sollte im Interesse eines jeden sein. Außerdem wird so ein Biotop zerstört", schimpft Nützel.

Lesesteinhaufen sind wichtige Biotop

Ein Lesesteinhaufen hat Biotopcharakter und das Relikt der landwirtschaftlichen Arbeit der vorherigen Generationen wird durch immer modernere Maschinen ohnehin nicht weiter fortgeführt.

Zustimmung erhält er von Friedrich Oehme, Geschäftsführer des Bund Naturschutz, und von Bernd Schultheiß, dem Revierleiter des Reviers Leienfels für die Bayerischen Staatsforsten. "Der erhobene Zeigefinger hilft nicht mehr", sagt Schultheiß über die immer häufigere Unart, Müll und Bauschutt in der Natur zu entsorgen. "Das ist ein dauerhaftes Problem", bekräftigt auch Jonas Lulei, Polizeihauptmeister der Polizei Ebermannstadt.

Zudem ist die Fränkische Schweiz größtenteils Naturschutzgebiet, mit Schutzvorschriften. Bauschutt in der Natur geht nicht. "Das ist ein Fremdkörper. Man weiß nicht, woher der Bauschutt kommt und womit er kontaminiert ist", betont Oehme.

"Dass diese Steinhaufen verunreinigt werden, das wollen wir nicht", betont auch Schultheiß. "Es gibt genug Deponien, Bauschutt muss nicht in der Natur abgelagert werden", erklärt der Revierleiter. Ein offizielles Naturschutzgebiet sind die Lesesteinhaufen nicht. Aber: "Sie sind kleine Sekundärbiotope und für Eidechsen und wärmeliebende Insekten schön", erklärt Oehme.

Diese Lesesteinhaufen entstanden, als der Landwirt noch zu Fuß auf dem Acker unterwegs war. "Es war früher nicht möglich, mit dem Pferd beim Bearbeiten der Äcker gegen diese Steinbrocken anzugehen", sagt Nützel. Also wurden die Steine per Hand aufgelesen und am Feldrand abgelegt oder auf den Anhänger geladen, um diese am Waldrand zu deponieren.

50 Zentimeter Durchmesser beträgt ein Steinbrocken

"Oft mussten zwei Mann anpacken, um diese Steine an den Wegrand zu bringen", erklärt Nützel über die Steinbrocken, die teils 50 Zentimeter Durchmesser haben.

"Im Laufe der Jahrzehnte ist aus diesen Lesesteinhaufen ein Biotop entstanden", sagt Nützel. Schmetterlinge und Eidechsen fühlen sich in diesen Steinhaufen pudelwohl. Der Stein speichert außen die Wärme, im Inneren ist es kühl.

Dieser Naturzusammenhang und der Biotopcharakter der Lesesteinhaufen ist auch für die Staatsforsten Grund, die Steinhaufen an ihren Waldrändern zu dulden, wie in Hemmerleinsbühl. "Das ist die Natur und die Steine werden teils auch wiederverwendet", erklärt Schultheiß. So sei beispielsweise auch die Ruine Wildenfels mit Lesesteinen wieder hergerichtet worden.

Die Burgen der Fränkischen sind aus Kalkstein gebaut

"Da sind wir extra herumgefahren und haben solche Steine gesucht", erklärt Schultheiß. Auch die Burgen in der Fränkischen Schweiz sind aus Kalksteinen gebaut. Das Holen der Lesesteine war kein Problem, wenn der Landwirt vor dem Bearbeiten der Felder neue Steine aufgelesen und diese zu den bestehenden Haufen gebracht hat. Das kostete viel Zeit.

Heute klauben immer weniger Landwirte die Steine mit der Hand auf. "Es wird ein Steinschläger eingesetzt. Die Steinfräse kann Steine bis zu einer Tiefe von 25 Zentimeter zu Staub zerkleinern", erklärt Nützel. Das Wiederauffüllen der Lesesteinhaufen geschieht somit immer seltener. Sind dadurch die Biotope Lesesteinhaufen in Gefahr? Eigentlich nicht, meinen Bauernverband und Bund Naturschutz. Die Steine können schließlich nicht davonlaufen und sind dann in 150 Jahren auch noch an Ort und Stelle.

Die Steine liegen lassen!

Aber genauso wie es Menschen gibt, die ihren Müll auf diesen Biotopen entsorgen, holen sich Naturliebhaber diese Steine, um Natursteinmauern zu errichten und um ihren Garten naturnah zu gestalten. Davon ist der Bauernverbandschef nicht begeistert.

Abgesehen davon, dass ein Biotop zerstört wird, gehört die Fläche jemandem. Meist dem Landwirt. Egal, ob man andere Steine auf den Natursteinhaufen wirft oder anhängerweise Natursteine vom Grundstück der Landwirte holt, beides ist nicht einfach so erlaubt. Stein ist eben nicht gleich Stein.