Die THC-Konzentration in seinem Blut war zu gering, um ihn fahruntüchtig zu machen. Es blieb deswegen bei einer Geldstrafe. Richterin Silke Schneider äußerte in ihrer Urteilsbegründung trotzdem mahnende Worte: "Sie sollten das dringend überdenken, ob Sie wirklich Drogen konsumieren wollen, wenn Sie ein Fahrzeug lenken."
Der 27-jährige Angeklagte war am 8. August 2014 mit seinem achtjährigen Neffen in seinem Porsche Boxster unterwegs. Auf der Äußeren Nürnberger Straße in Forchheim bog er nach links in die Luitpoldstraße ab und übersah dabei einen 45-jährigen Motorradfahrer, der stadtauswärts geradeaus fuhr. Dieser prallte gegen den abbiegenden Pkw und wurde in hohem Bogen durch die Luft geschleudert.

Schon fünf Operationen

Mit den Folgen des Zusammenpralls kämpft der Motorradfahrer bis heute.
Bei dem Unfall erlitt er große Risswunden an Beinen und Knien, an seinem linken Arm zog er sich einen komplizierten Bruch zu. Schon fünfmal wurde er deswegen operiert, die nächste OP soll im November folgen. An den Unfallhergang kann er sich nicht erinnern - nur an den Moment des Aufpralls. "Ich muss fast täglich daran denken, weil ich Schmerzen in der Hand habe", sagt er und berichtet, dass er erst seit April wieder mit seiner Arbeit als selbstständiger Maler und Lackierer angefangen hat. Mit seinem Heilungsverlauf ist er trotzdem zufrieden: Kurz nach dem Unfall sah es für kurze Zeit so aus, als ob er die Hand verlieren würde.

Diese schweren Verletzungen sind auch der Grund, warum die Staatsanwaltschaft überhaupt Anklage erhoben hatte. Unfälle wie dieser, das betonten sowohl Richterin als auch ein geladener Polizist, passierten nahezu täglich. Meistens gingen sie allerdings glimpflich aus. Da in diesem Fall auch der Beifahrer des Porschefahrers verletzt wurde, kam es aber zur Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung in zwei Fällen.

Drogen im Blut

Dass der Angeklagte zum Zeitpunkt des Unfalls THC im Blut hatte, wurde nur zufällig festgestellt, weil für das Gutachten eine Blutprobe entnommen wurde. Vor Ort hatte er laut Polizei keine Ausfallerscheinungen gezeigt. Der Konsum von Cannabis konnte ihm zwar nachgewiesen werden, allerdings nicht, dass er deswegen den Unfall verursacht hatte. In der Verhandlung wurde dieser Anklagepunkt deswegen gestrichen.

Wie der Gutachter Dennis Braun bestätigte, hatte der Motorradfahrer aber auch eine gewisse Mitschuld an dem Unfall. Er war in der 30er-Zone mit etwa 50 km/h unterwegs gewesen. Weil der Angeklagte auch keine Vorstrafen hatte und das Verkehrsvergehen "an sich nicht gravierend" war, fiel das Urteil schließlich mild aus: 60 Tagessätze zu 60 Euro, also 3600 Euro. Damit folgte die Richterin dem Plädoyer von Staatsanwalt Christian Schorr. Verteidiger Jens Dempf hatte 50 Tagessätze gefordert. Den Führerschein darf der Angeklagte behalten.