Die Einheimischen nennen diese Deponie "Blechmistn", denn in Metallfässern wurde dort giftiger Galvanikschlamm im Erdreich entsorgt. Wie ein Steinbruch schaut das längst nicht mehr aus, auch nicht wie eine Mülldeponie. Und doch wurde dort der Müll jedes Gräfenbergers abgeladen.

"Das war damals normal. Es war ein Abhang. Uns wurde gezeigt, wo der Müll abgeladen werden sollte, dann wurde das wieder zugestampft", erinnert sich ein Gräfenberger, der als Kind mit seinem Vater dort auch den Restmüll entsorgt hat.

Doch es wurde auch Gift abgelagert. Der Galvanikschlamm aus der Fabrik AEG Telefunken, die ihren Standort am Schelmberg in Gräfenberg hatte. Der Schlamm wurde in Fässer gefüllt, zur "Blechmistn" gefahren und dort im Erdreich verbuddelt. "Dort tickt eine Zeitbombe", sagt ein älterer Gräfenberger.

Bei Starkregen schwemmte es selbst bei den Gärten in Bahnhofsnähe Schaumwasser an. "Spielt nicht im Bach, der ist giftig, dort schwimmt nicht einmal ein Fisch, wurde uns Kindern gesagt", erzählt der Gräfenberger weiter.

"Es wurde dort nach damals geltendem Recht verbracht", informiert der frühere Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla, dessen Firma auf dem ehemaligen Fabrikgelände ist. Denn nicht nur zur "Blechmistn" wurde der Galvanikmüll gebracht, auch im Gelände der AEG selbst wurde das Gift von Bürgern gesehen, als bei Erdarbeiten das Grundwasser grün schimmerte. Zwischen Fabrik und der Straße am Schelmberg hatte die AEG ihre Setzbecken. Der Galvanikmüll wurde dort zwischengelagert.

Nach der Entdeckung der "grünen Brühe" wurden die Polizei und das Landratsamt verständigt. Am anderen Tag war die Grube verfüllt, erinnert sich der Gräfenberger. Doch dass der giftige Galvanikabfall am Schelmberg das Grundwasser belastet habe, sei an den Wasserwerten ersichtlich gewesen, wie das Landratsamt Forchheim bestätigt.

"Dort konnten bereits um die Jahrtausendwende Schadstoffbelastungen im Boden nachgewiesen werden, die aus der Galvanikproduktion stammen. Deshalb wurden dort entsprechende bodenschutzrechtliche Untersuchungen und in den Jahren 2006 und 2007 eine Sanierung durchgeführt, bei der belastetes Material abgetragen wurde", informiert Pressesprecher Holger Strehl.

Diese Sanierungsarbeiten wurden nicht von der Stadt in Auftrag gegeben, weiß Werner Wolf, der damals Bürgermeister war. "Das Gelände war schon immer in Privatbesitz", erklärt Wolf. Denn nachdem die AEG Telefunken nach Nürnberg verlagert wurde, erwarb eine Berliner Immobilienfirma das Gelände und anschließend wurde es an eine Privatperson verkauft.

Seit Mitte der 90er Jahre haben sich hauptsächlich örtliche Unternehmen in dem Areal eingemietet. Zu der Zeit wurde der giftige Galvanikmüll im Wasser entdeckt und entsprechend saniert. "Anschließend wurde der Erfolg der Sanierung mehrere Jahre überwacht, unter anderem durch Grundwasseruntersuchungen. Nachdem sich der Erfolg der Sanierung bestätigt hatte, konnte im Jahr 2014 festgestellt werden, dass keine weiteren Maßnahmen mehr erforderlich sind. Das Gelände wurde somit 2014 aus dem Altlastenverdacht entlassen", erklärt Strehl.

Die beiden Grundwassermessstellen bestehen weiterhin. "Nach 2014 wurde von unserer Seite aber keine Untersuchung mehr angefordert", informiert der Sprecher des Forchheimer Landratsamts.

Ebenfalls aus dem Altlastenverdacht gestrichen wurde die Altdeponie, die "Blechmistn". "Für diese Altdeponie in Gräfenberg an der Kreisstraße in Richtung Sollenberg/Lilling gibt es eine Besonderheit: Sie ist - anders als die allermeisten Altdeponien im Landkreis - derzeit abfallrechtlich als stillgelegte Deponie zu behandeln und damit nicht bodenschutzrechtlich als Altlastverdachtsfläche", informiert Strehl.

Zuständige Abfallrechtsbehörde für die Deponie ist die Regierung von Oberfranken. Das Landratsamt als Bodenschutzbehörde verfügt zwar über Angaben über dort durchgeführte Maßnahmen, aber kennt keine Details der Sanierungsmaßnahmen.

Betreiber der Altdeponie ist die Stadt Gräfenberg. "Sie wurde mit Erdreich abgedeckt. Das passierte schon vor über 15 Jahren", sagt Nekolla. "Im Grundwasser war nichts. Das wurde mehrfach bescheinigt", weiß Nekolla.

Denn es gab eine Überlegung eines Unternehmers, dort ein Zwischenlager zu errichten. Dazu gab es viele Gespräche, auch mit dem Wasserwirtschaftsamt. Das bestätigt auch das Landratsamt.

"In den vergangenen Jahren waren wir in Planungen zu künftigen Nutzungen des ehemaligen Deponiegrundstücks eingebunden. Angedacht war eine Nutzung als Lagerfläche und Aufbereitungsplatz für Recyclingmaterial. Hierzu war die Aufbringung einer weiteren Erdschicht notwendig", bestätigt Strehl.

Ob die Galvanikfässer wirklich dort begraben sind, weiß das Landratsamt nicht. "In unseren Unterlagen finden sich Angaben zu der angesprochenen Debatte über die mögliche Ablagerung von Galvanikabfällen auf der Deponie. Bereits 2000 und in den Folgejahren gab es hierzu Recherchen. Nach den uns vorliegenden Unterlagen konnte der Verdacht jedoch nie bestätigt werden. Gleichzeitig lässt sich aufgrund der lange vergangen Zeit ein solches Gerücht auch nicht mit abschließender Sicherheit widerlegen", erklärt Strehl.

Für die älteren Gräfenberger und auch für so manche ehemalige Amtsträger ist es kein Gerücht, sondern Tatsache, dass unter der "Blechmistn" eine Zeitbombe tickt.

Foto und Text: Petra Malbrich