1932 war nicht nur ein Jahr schwerer wirtschaftlicher und finanzieller Not, sondern gleichzeitig auch ein Jahr der Wahlen. Insgesamt fünf Mal wurden Menschen in Deutschland in diesem Jahr an die Urnen gerufen. In diesen Wahlgängen entschied sich das Schicksal Deutschlands auf dem Weg in die Diktatur des Nationalsozialismus.
Allerdings verfügte die NSDAP vor der Reichspräsidentenwahl nur in Gräfenberg, Heiligenstadt, Plankenfels, Streitberg, Pottenstein und Hollfeld über eigene Ortsgruppen. Sie organisierten in den benachbarten Gemeinden die Wahlversammlungen und holten sich ihre Redner meist aus Nürnberg, Bamberg und Bayreuth.


Direktwahl des Reichspräsidenten

Bereits im Februar setzte die Propaganda um die Wahl des Reichspräsidenten ein. Adolf Hitler, 42 Jahre alt, kandidierte gegen den 84 Jahre alten Paul von Hindenburg.
Reichskanzler Brüning hatte vergeblich versucht, über eine Verfassungsänderung das Staatsoberhaupt nicht vom Volk, sondern durch den Reichstag wählen zu lassen.
Im Gegensatz zu 1925 unterstützten 1932 die demokratischen Parteien, SPD, Zentrum und Deutsche Demokratische Partei (DDP) die Wiederwahl des greisen Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg, weil sie niemanden mehr hatten, der sich gegen den innerhalb von zwei Jahren zum Politstar aufgestiegenen Adolf Hitler reelle Chancen hätte ausrechnen können.
Die Nationalsozialisten machten den Altersunterschied der beiden Kandidaten gezielt zum Thema für eine "Schicksalswende". In ihr - so hieß es beispielsweise in einem aggressiven Leserbrief an das Forchheimer Tagblatt - werde "das deutsche Volksgericht über die uns in 13 Jahren in Grund und Boden regierenden Katastrophen-Politiker das Urteil sprechen".

Hindenburg wurde als durchaus akzeptable "Idealgestalt" gewürdigt, an seine Stelle müsse nun aber eine "jüngere Persönlichkeit mit starkem Willen und neuen Gedanken" treten.
In Muggendorf forderte der NS-Gauredner Franz Ganninger bei einer Wahlversammlung, Hindenburg solle "der Jugend weichen, soll ihr Platz zum Aufstieg geben und soll selbst einen Lebensabend führen, wie er schon selbst einer historischen Gestalt zu gönnen ist".
Die mit größter Heftigkeit geführte Auseinandersetzung festigte in der Öffentlichkeit den Eindruck, dass das "alte Novembersystem" gegenüber der "jungen nationalen Bewegung" an Boden verliert. Gezielt wurde die Abstimmung über die beiden Kandidaten zur Systemfrage erhoben: die NSDAP als junge, revolutionäre und dynamische "Bewegung" gegen die "alten" Parteien mit ihren "Novemberverbrechern".

Kampf dem System

Die vor Ort eingesetzten NS-Redner waren im Frühjahr 1932 zwischen Ende zwanzig und Anfang vierzig Jahre alt: der Gau-leiter Hans Schemm 41, die Gauredner Franz Ganninger 32, Konrad Höreth 27 und Curt Wittje 37, der Bamberger Kreisleiter Lorenz Zahneisen 35 Jahre alt.

Gemeinsam war ihnen ein militärisch-strammes Auftreten und eine bis dahin unbekannte rhetorische Aggressivität, mit der sie dem vermeintlich verkrusteten "alten System" den Kampf ansagten.
Namhafte Persönlichkeiten aus Forchheim und Umgebung gründeten einen "überparteilichen Hindenburgausschuss" und veröffentlichten in den drei großen Tageszeitungen ganzseitige Aufrufe zur Wiederwahl des amtierenden Reichspräsidenten. Sie idealisierten Hindenburg als "Vater des Vaterlandes", als "Symbol unseres Glaubens an Deutschlands Zukunft", als "Sinnbild deutscher Treue", der "über allen Parteien" stehe und der "als Führer im Frieden das Ideal bedingungslosester Pflichterfüllung" geworden sei.

Dem hielten die Nationalsozialisten entgegen, dass unter der siebenjährigen Präsidentschaft Hindenburgs die Arbeitslosigkeit, der Steuerdruck, die Not der Bauern und die Hoffnungslosigkeit gestiegen sei. "Das sind die Früchte der bisherigen Parteiwirtschaft, die unter dem Decknamen unseres altehrwürdigen Feldmarschalls v. Hindenburg Deutschlands Untergang besiegelt."

Kultureller Wiederaufstieg

Die NSDAP griff Hindenburg nicht frontal an, ließ ihm die Ehre des erfolgreichen Kriegshelden, machte ihn aber den Vorwurf, tatenlos gegenüber dem "Totengräbersystem" der "alten Machtparteien" geblieben zu sein. "Willst Du aber mithelfen am kulturellen und wirtschaftlichen Wiederaufstieg Deutschlands, dann wähle am 10. April den ersten Kämpfer für Deutschlands Freiheit und Größe, für Arbeit und Brot, den Führer der NSDAP Adolf Hitler."

Im ersten Wahlgang erreichte keiner der vier Kandidaten - neben Hindenburg und Hitler bewarben sich noch Ernst Thälmann (KPD) und Theodor Duesterberg (Stahlhelm/DNVP) - die vorgeschriebene absolute Mehrheit.
Im zweiten setzte sich Hindenburg gegen Hitler durch. Im Gesamtergebnis blieb Hindenburg auch in Forchheim und der Fränkischen Schweiz Sieger, verlor aber wie insgesamt in Deutschland vom ersten zum zweiten Wahlgang an Zustimmung. Hitler dagegen gewann innerhalb eines Monats vier Prozent, auf Reichsebene allerdings über sechs Prozent hinzu.

Keine Stimme in Eschlipp

Das Ergebnis täuscht darüber hinweg, dass die Landgemeinden von Dorf zu Dorf politisch gespalten waren. 45 der insgesamt 129 Gemeinden der Bezirksämter Forchheim und Ebermannstadt entschieden sich mit zum Teil überragenden Quoten für den Führer der NSDAP.
Es waren die überwiegend protestantischen Gemeinden von Hagenbach bis Gräfenberg und Hiltpoltstein sowie von Streitberg-Muggendorf bis Heiligenstadt und Wiesentfels bis Wonsees.

In Traindorf und Oberfellendorf holte Hitler alle Stimmen. Überproportional gewann er vom ersten zum zweiten Wahlgang in Zaunsbach um 32 Prozent dazu. Insgesamt holte Hitler dort 103 von 164 Stimmen. In Hetzeldsdorf legt er um 28,2 Prozent zu und vereinigte unterm Strich 92 Prozent auf sich.
In Walkersbrunn ging die Wahlbeteiligung von 80,7 Prozent um 60 auf 161 Stimmen zurück, wobei sich das Ergebnis zu gunsten Hitlers drehte. Er erhöhte seine Stimmen von 58 auf 94. Das entspricht einem Anteil von 58,4 Prozent. Hitler überholte damit auch Hindenburg, dessen Stimmenanteil von 61,1 Prozent auf 41,6 Prozent sank. Die Ursache für den Stimmungswandel in Walkersbrunn lässt sich aus den verfügbaren Unterlagen nicht erklären.
Auf der anderen Seite aber gab es auch Gemeinden, in denen Hitler keine einzige Stimme erhalten hat: Rettern, Reifenberg und Eschlipp. Trotzdem wurde auch in der Fränkischen Schweiz die für den Nationalsozialismus erkennbare Aufbruchstimung spürbar.
Selbst in Hochburgen der Bayerischen Volkspartei (BVP) wie Ebermannstadt kam es ab dem Frühjahr 1932 vermehrt zu Gründungen von NSDAP-Ortsgruppen.