Dieser Mann geht mit anderen Augen über den Friedhof. "Der Tod gehört zum Leben. Vielleicht kommt er früher, vielleicht kommt er später. Aber er kommt bestimmt," sagt Stefan Zenk und denkt an seine verstorbenen Eltern. Eine steinerne Madonna mit dem sterbenden Jesu ziert die letzte Ruhestätte der Familie. Seit 20 Jahren kommt er hierher, um sich an seinen Vater Gregor zu erinnern. "Drei Jahre nach meinem Vater ist meine Mutter Barbara gestorben", erzählt der 44-jährige Steinmetz- und Bildhauer-Meister.

Palisandro für den Papa

"Das war damals für mich sehr schwer, für meinen Vater den Grabstein zu machen. Zum Glück wusste ich, dass er Palisandro-Marmor besonders mochte." Seitdem haben Grabsteine für Stefan Zenk eine andere, tiefere Dimension.
"Seitdem stelle ich die Grabmäler mit einem anderen Bewusstsein her", erzählt Zenk, während im Hintergrund an den neuesten Grabsteinen lautstark gehauen und geschliffen wird.



Der Tod macht keine Pause. Schon wieder ist es passiert. Für immer ein Mensch aus dem Leben gegangen. Jetzt arbeiten Stefan Zenk mit seinen Mitarbeitern an dem Stein, der den Hinterbliebenen für immer ein Ort der Erinnerung und des Gedenkens werden soll. Ganz gleich, in welchem Alter der Tod an die Tür klopft. Tränen müssen fließen, die Trauer muss verarbeitet. "Die Hinterbliebenen brauchen einen Ort zum Erinnern." Dumm nur, findet Zenk, dass der Tod in der Gesellschaft ein Tabu sei. "Ein Friedhof sollte den Lebenden gut tun. Ein Treffpunkt sein und kein Tabu-Thema."

Im Urlaub, wenn andere ins Museum gehen, besucht Zenk die Gräber der fremden Städte. "Wenn ich auf dem Johannis-Friedhof in Nürnberg zwischen den Gräbern entlang laufe, dort wo Dürer liegt, mit der Kapelle in der Mitte, da kann man wirklich die Jahrhunderte und die Menschen begreifen. Auch den Zentralfriedhof in Wien finde ich wunderschön. Ganz zu schweigen vom Père Lachaise in Paris", erzählt Zenk. Die Schönheit dieser Orte hilft jedem Menschen wohl ein bisschen über den Schmerz hinweg.

Lob ist (fast) Lohn genug

Klar verdient Zenk im Gewerbegebiet Pilatus in Hausen auch seine Brötchen mit der ästhetischen Erinnerung an die Verblichenen. "Für mich ist heute der größte Lohn, wenn die Leute zu mir sagen: Super, du hast den Stein so gestaltet, wie wir ihn uns vorgestellt haben", sagt er und man glaubt es gern.

"Oft erarbeiten wir mit den Trauernden gemeinsam eine Skizze für den Grabstein." Erlaubt ist was gefällt, findet Zenk. Motto.: Je individueller desto besser. "Der Grabstein darf durchaus auch mal exzentrisch und modern geraten." Zuerst muss aber der Stein selbst ausgesucht werden. Granit und Marmor sei am meisten gefragt. Zenk hat aber nicht nur ein Gespür für Steine.

Ständig sucht er nach neuen Formen und Figuren. "Hier haben wir einen Stein mit dem Tempel von Jerusalem auf der Spitze gestaltet, den man von allen Seiten anschauen kann", erzählt Zenk.

Der Lieblingsspruch des Meisters

Auch in poetischen Fragen kennt sich der Meister aus. "Tot ist nur der, der vergessen. Das ist mein Lieblingsspruch. " Leider legen die Toten selten ihren Grabspruch im Testament fest. "Was möchte man, wenn der Tag X kommt? Will man in Luft auflösen, verstreut werden oder auf offenem See bestattet", fragt Zenk und denkt wohl, ein individueller Ort zur Erinnerung an die Toten sei das Beste. "Ein Friedhof, wo kein Stein dem anderen gleich." Einzigartig im Leben wie im Tod. Damit sich die Menschen fragen: Was könnte das für einer gewesen sein?