Als der Geschwander Florian Rückert in der 66. Minute das 1:0 erzielt, jubeln die Wolfsberger mit. Und als der Geschwander Michael Dorn 120 Sekunden später wegen eines Fouls mit der Gelb-Roten Karte vom Platz gestellt wird, regen sich auch die Wolfsberger auf. Wenige Monate vorher wären solche Szenen wohl undenkbar gewesen, doch an diesem 14. August 2015 spielen die einstigen Rivalen des TSV und des SV zum ersten Mal in einer Pflichtpartie als Spielgemeinschaft zusammen Fußball.

Erste SG im Spielkreis ER/PEG

Die SG Wolfsberg/Geschwand war vor gut fünf Jahren die Vorreiterin im Spielkreis Erlangen/Pegnitzgrund bei der Fusion zweier erster Mannschaften. Inzwischen machen auch Pinzberg und Gosberg (seit 2016), Bieberbach und Wichsenstein, Kleinsendelbach und Hetzles, Leutenbach und Mittelehrenbach, Bärnfels und Obertrubach sowie Drügendorf und Weigelshofen (alle 2018) gemeinsame Sache. Dass zwei Klubs aus benachbarten Orten kooperieren, ist naheliegend, doch genau darin steckt auch das Problem: "Das könnt ihr doch nicht machen", hätten vor allem ältere Zuschauer des SV Wolfsberg damals gesagt, erinnert sich Stefan Grüner.

"So kann es nicht weitergehen"

Der heute 31-Jährige war auf SVW-Seite maßgeblich an den Verhandlungen beteiligt. "In der Winterpause 2014/15 haben wir uns zusammengesetzt und resümiert, dass es so nicht weitergehen kann: Wir hatten jeden Sonntag Mühe, 14 Mann zusammenzubekommen. Die Mannschaft hat sich quasi von alleine aufgestellt." Also gingen die Wolfsberger Verantwortlichen auf den Erzfeind zu. "Die Gespräche liefen völlig harmonisch. Beide Seiten haben all ihre Wünsche und Sorgen vorgetragen, dann haben wir einen Mittelweg gefunden", berichtet Grüner von den Treffen im Frühjahr 2015.

Die Zeiten, als die mitunter hitzigen Fußballduelle neben dem Feld fortgeführt wurden, sind ohnehin längst Geschichte. "Bei der älteren Generation gab es manchmal noch Hass, aber bei uns war die Feindschaft nach 90 Minuten vorbei. Viele kannten sich schon aus der Schule oder vom FCN-Fanclub", erzählt Grüner, der im letzten Derby noch selbst auf dem Platz stand.

Dieses entschied der nicht mit ihm verwandte Thomas Grüner im April 2015 mit dem 2:0 in der 90. Minute zugunsten Wolfsbergs. Der Klassenerhalt und damit das Spielrecht in der Kreisklasse für die künftige SG waren damit gesichert.

"Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass wir in fünf Jahren auf Platz 2 der Kreisliga stehen, hätte ich ihn zum Spinner erklärt", sagt Stefan Grüner, der sich heute bestätigt fühlt: "Wir haben alles richtig gemacht. Von den Leuten, die damals dagegen waren, schaut heute jeder Einzelne noch bei uns zu." Auch im nichtsportlichen Bereich profitierten beide Seiten, indem zum Beispiel bei der Kerwa des jeweils anderen geholfen werde.

Zuschauer haben sich vermischt

Aus dem TSV Geschwand und dem SV Wolfsberg ist längst ein eingeschworenes Gschwander Wolfsrudel geworden, bestätigt der TSVler Wolfgang Neuner: "Am Anfang gab es bei den Spielen getrennte Fanlager, aber nach etwa einem halben Jahr haben sich die Zuschauer vermischt." Noch schneller sei die Integration im Kader verlaufen, weiß der Spielleiter: "Die Jungs sind von Anfang an zusammen weggegangen. Fußball verbindet halt."

Für beide Vereine sei es die beste und einzig richtige Lösung gewesen, auch die danach entstandenen Spielgemeinschaften in der Region bestätigten dies. Einen Rückschlag gab es allerdings gleich zu Beginn: Kurz bevor das neue Team in die Saisonvorbereitung starten sollte, zog der designierte Trainer seine Zusage zurück. Eine interne Lösung aus einem der beteiligten Vereine wollten beide Seiten vermeiden, da sonst immer der Vorwurf der Bevorzugung oder Benachteiligung gedroht hätte. Die SG fand in Holger Feinermann aber adäquaten Ersatz.

Dem Coach gelang auf Anhieb der Aufstieg in die A-Klasse mit der zweiten Mannschaft. Unter dem Duo Florian Müller/Stefan Dresel zog die Erste 2019 mit dem Sprung ins Kreisoberhaus nach. "Für die Trainer ist es nicht einfach, es allen Parteien recht zu machen. Die machen einen klasse Job", lobt Neuner.