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München
Testspiele

Der Gegner ist im bayerischen Fußball nicht mehr tabu

Auf die Enttäuschung, dass Freundschaftsspiele in Kontaktsportarten untersagt bleiben, folgte einen Tag später die erlösende Ergänzung. Was müssen Teamsportler dabei beachten?
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Ab Samstag dürfen in Bayern in Kontaktsportarten wieder Testspiele absolviert werden. Damit können sich Teams wie Landesligist Jahn Forchheim (re. Ex-Eintracht-Bamberg-Spieler Patrick Hoffmann) besser auf die für Anfang September geplante Fortsetzung der Fußball-Saison vorbereiten. Foto: Archiv/Andreas Klupp
Ab Samstag dürfen in Bayern in Kontaktsportarten wieder Testspiele absolviert werden. Damit können sich Teams wie Landesligist Jahn Forchheim (re. Ex-Eintracht-Bamberg-Spieler Patrick Hoffmann) besser auf die für Anfang September geplante Fortsetzung der Fußball-Saison vorbereiten. Foto: Archiv/Andreas Klupp

Die Enttäuschung bei vielen Amateursportlern in Bayern war am Dienstag groß. Vor allem die Fußballer schlugen die Hände über dem Kopf zusammen: Obwohl die Fortsetzung der unterbrochenen Saison - alle anderen 22 Landesverbände haben die Spielzeit längst abgebrochen - für Anfang September geplant ist, sind Testspiele weiterhin nicht erlaubt.

Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) und Vize des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), kochte. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er: "Probleme bereiten bei der Bekämpfung des Virus im Moment am allerwenigsten die Menschen, die nicht ins Ausland in Urlaub fahren, sondern zu Hause bleiben und im August gerne unter Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen Fußballspiele zur Vorbereitung des Wettkampfspielbetriebs austragen wollen."

Testspiele ohne Zuschauer

Prompt folgte am Mittwoch (wie berichtet) die Reaktion der Staatsregierung, wonach es pünktlich zum Wochenende mit Testspielen in Kontaktsportarten losgehen kann. Die Einschränkung, dass nur bayerische gegen bayerische Teams innerhalb Bayerns antreten dürfen und Zuschauer nicht zugelassen sind, dürfte zu verschmerzen sein. Diese zusätzliche Lockerung schreibt sich Koch auf seine Fahne - und auf die seines Verbands sowie des Bayerischen Landessportverbands (BLSV). "Es hat sich gelohnt, dass wir im Sinne unserer Vereine noch einmal bei der Politik vorgesprochen und unsere Interessen klar zum Ausdruck gebracht haben."

Der BLSV hat seine Handlungsempfehlungen für Sportvereine gestern entsprechend aktualisiert. Sportartenspezifische Details müssen aber die Fachverbände wie der BFV definieren. Zudem muss jeder Klub - wie schon bei der Aufnahme des Trainingsbetriebs - ein eigenes Hygienekonzept erarbeiten. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt. Ab wann sind Testspiele in Kontaktsportarten wieder erlaubt? Die Regelung gilt ab 1. August. Voraussetzung ist ein Hygienekonzept des Heimvereins, das auf Verlangen der zuständigen Behörde (Kommune oder Gesundheitsamt) vorzulegen ist. Die meisten Vereine dürften aber bereits ein Konzept für den Trainingsbetrieb haben, das lediglich angepasst werden müsste. Der Mindestabstand von 1,5 Metern muss vor und nach dem Spiel nicht mehr zwingend eingehalten werden, wird aber weiter empfohlen. Die Erlaubnis beschränkt sich auf Spiele zwischen Vereinen aus Bayern. Zuschauer sind nicht zugelassen. Auf den Handschlag vor und nach dem Spiel wird verzichtet. Wie soll so ein Rahmenhygienekonzept aussehen? Ein Muster dafür gibt es auf der Internetseite des BLSV. Vorgeschrieben ist zum Beispiel die Kontaktdatenerfassung aller Beteiligter zur Nachverfolgung möglicher Infektionsketten. Anwesend sein darf nur, wer für den Betrieb notwendig ist.

Strenger ist es bei Indoorsportarten: Hier muss die maximale Personenzahl individuell festgelegt werden. Sie richtet sich unter anderem nach den raumlufttechnischen Anlagen. Auf der Webseite können auch Plakate mit Sicherheitshinweisen runtergeladen und ausgedruckt werden. Was muss ich als Gastmannschaft bei einem Testspiel beachten? Es gilt das Hygienekonzept des Heimvereins, daran muss sich jeder halten. Der gastgebende Klub hat das Platzrecht und kann dies gegenüber Personen, die dem Konzept zuwiderhandeln, ausüben. Das gilt auch für eventuell auftauchende Zuschauer. Was passiert, wenn ich kein standort- und sportartspezifisches Hygienekonzept habe oder dagegen verstoße? Wer als Veranstalter überprüft wird und kein Konzept vorweisen kann oder gegen Hygienevorschriften verstößt, muss mit 5000 Euro Bußgeld rechnen, jeder Teilnehmer mit 500 Euro. Welche Unterschiede gibt es zwischen den Sportarten, vor allem zwischen indoor und outdoor? Jeder Fachverband erstellt ein eigenes Hygienekonzept. Der BFV will seines "in den kommenden Tagen" präsentieren, erklärte Geschäftsführer Jürgen Iglspacher am Mittwoch. Am Donnerstagabend findet eine Vorstandssitzung statt. Zudem wollte der Verband vorab einen Kurzleitfaden herausgeben. Der Bayerische Handball-Verband will seine Handlungsanweisungen ebenfalls in Kürze an die Vereine verschicken. Beim Basketball-Verband gab es auf Nachfrage noch keine Auskunft zum weiteren Vorgehen.

Handball: "Die Frage lautet: Was ist sinnvoll?"

Ähnlich wie die Fußballer hatte der Bayerische Handball-Verband mit einer Zulassung von Testspielen ab August gerechnet. "Wir hatten etwas in der Pipeline", sagt Martin Haider aus der Geschäftsstelle des BHV zu den angepassten Handlungsanweisungen, die die Vereine in den kommenden Tagen erhalten sollen. "Sie enthält unendlich viele Punkte", erklärt Haider. Bisher galt das Hygienekonzept nur für die Sportler, die sich in der eigenen Halle bestens auskennen.

Künftig kämen Akteure dazu, die mit den Örtlichkeiten nicht vertraut seien. "Da braucht es einen Corona-Beauftragten, der die Informationen vermittelt." Bei einem Testspiel gibt es einen Seitenwechsel: "Müssen da die Ersatzbänke desinfiziert werden oder bleiben die Teams auf ihren Bänken?", fragt Haider. Wenn ein Verein nicht ausreichend Kabinen hat oder diese zu klein sind, könnte das Heimteam beispielsweise auf seine Kabine verzichten.

Bei allen Lockerungen appelliert der BHV-Mitarbeiter an die Eigenverantwortung: "Die Frage sollte nicht lauten, was wieder erlaubt ist, sondern, was sinnvoll ist." Ein Testspiel im Landkreis Dingolfing-Landau, wo ein Gemüsehof kürzlich zum Infektionsherd wurde, hält er für unvernünftig. "Wir können aber nichts verbieten", ergänzt Haider.

Die Informationspolitik in der Pandemie-Zeit hält der inoffizielle Corona-Beauftragte des Verbands für ausbaufähig: "Meistens verfolgt man eine Pressekonferenz live, schnappt dabei etwas zum Sport auf, interpretiert es irgendwie, wird aber nicht richtig schlau daraus. Dann stellt man Nachfragen an BLSV oder Regierung und bekommt im besten Fall eine Bestätigung."