Es klingt platt, trifft aber zu: Wenn die SpVgg Jahn Forchheim am Samstag um 15 Uhr in der Bayernliga den 1. FC Sand empfängt, hilft beiden Teams nur ein Sieg weiter. Forchheim und Sand stehen jeweils auf einem Relegationsplatz zur Landesliga. Immerhin: Die SpVgg hat noch ein Drei-Punkte-Polster auf die Unterfranken. Dieses soll aber hinfällig sein, wenn es nach dem Willen von Bernd Eigner geht. Der Ex-Profi (u.a. St. Pauli, Arminia Bielefeld und Eintracht Braunschweig) ist seit 2014/2015 Trainer in Sand, führte den Klub über die Relegation in die Bayernliga - und erlebte dort einen Saisonstart zum Gruseln.

Im Interview spricht Eigner über die Unterschiede zur Landesliga, Parallelen zu Forchheim - und erklärt, warum er vom offensiven Stil abgerückt ist.

Herr Eigner, Ihr Team ist mit spektakulärem Fußball durch die Landesliga-Saison gepflügt, hat Erlangen-Bruck und Selbitz in der Relegation deklassiert. Und startete dann mit sechs Pleiten in die Bayernliga-Saison. Wie kam's?
Bernd Eigner: Die Gründe dafür sind vielfältig. Durch die lange Saison und die Relegation waren Sommerpause und Saisonvorbereitung extrem kurz. Dann hatten wir enormes Verletzungspech, uns sind etliche Säulen im Team verletzungsbedingt weggefallen. Das zieht sich bis zum heutigen Tage hin: Ich konnte in keinem Spiel die gleiche Startformation aufbieten. Und vermutlich sind wir die ersten Spiele nach dem Aufstieg ein wenig zu forsch angegangen.

Soll heißen, Ihr Team ist ins offene Messer gelaufen?
In gewisser Weise ja. Wir wollten unseren Offensiv-Fußball, der sich in der Landesliga ja bewährt hatte, auch in der Bayernliga fortführen. Es hat sich aber gezeigt, dass es so einfach nicht geht. Gerade zu Beginn hatten wir nur drei, vier Spieler aus der Aufstiegs-Saison in der Startelf stehen, ergänzt um junge Zugänge, die sich an die Liga und das Niveau erst gewöhnen mussten. Es fehlten die Automatismen, das führte zu kniffligen Situationen und teils haarsträubenden Fehlern in unserem Spiel, die wiederum Gegentore zur Folge hatten. Die Lücken zwischen den Mannschaftsteilen waren schlicht zu groß. Deshalb habe ich uns eine defensivere Ausrichtung verordnet. So offensiv, wie wir in der Landesliga aufgetreten sind, können wir in der Bayernliga nicht spielen. Dafür ist die Liga einfach zu stark, das hat sich recht schnell gezeigt.

Welches System lassen Sie nun spielen?
Ich bin zwar kein Freund eines 4-2-3-1-Systems, es geht aber schon in diese Richtung, um die Räume vor der Viererkette dicht zu machen. Uns hat die Kompaktheit gefehlt, das hat sich nun aber schon deutlich gebessert - wie man auch an den Ergebnissen sieht. Unabhängig vom System ist aber am wichtigsten, dass alles gemeinsam gemacht wird: Wir verteidigen gemeinsam und greifen auch zusammen an, im Spiel verwässert sich dann auch das System ein wenig.

Defensive Probleme, kein Knipser im Sturm. Die Baustellen Ihres Teams erinnern doch sehr an die SpVgg Jahn Forchheim...
Ich bin mit Jahn-Trainer Michael Hutzler gut befreundet, wir kennen und schätzen uns. Nach Spielende werden wir sicher ein Bierchen gemeinsam trinken, egal, wie das Spiel ausgeht. Es ist enorm schwer, einen solchen Aderlass, wie Forchheim ihn erlebt hat, zu kompensieren. Es sind schon Paralellen zwischen Sand und Forchheim erkennbar, uns ging es ja recht ähnlich: Peter Heyer, Daniel Rinbergas und Florian Gundelsheimer haben vergangene Saison über 50 Tore erzielt. Heyer hatte sich im Rückspiel gegen Baiersdorf schwer verletzt und musste die Karriere beenden, Rinbergas zog sich vor Saisonbeginn einen Kreuzbandriss zu und Gundelsheimer fehlte auch über viele Wochen hinweg. Bei solchen Problemen kommt jede Mannschaft in Schwierigkeiten. Mit Markus Schnitzer von Don Bosco Bamberg und Pascal Stahl aus Großbardorf, beide sind in der laufenden Saison gekommen, haben wir aber an Erfahrung und Qualität hinzugewonnen. Das hat unser junges Team auch gebraucht.

Sand und Forchheim scheinen auf Augenhöhe, folgt am Samstag daher womöglich die Rückbesinnung auf alte Offensiv-Tugenden?
Nein, ganz sicher nicht. Wir bleiben der defensiven Ausrichtung treu, es fehlen bei uns weiterhin viele Leute: Andre Karmann, Dominik Schmitt oder Daniel Krüger fallen beispielsweise aus, einige Rückkehrer - wie Flo Pickel, Thorsten Schlereth oder Flo Gundelsheimer - sind noch nicht bei 100 Prozent. Wir müssen über den Kampf ins Spiel finden und erstmal unsere Ordnung behalten. Es gibt sicher schönere Spiele als das Duell zweier Teams in der Abstiegsregion.



Hutzler: "Nichts ermauern"

Das klar erscheinende, aber viel zu hoch ausgefallene 0:4 beim TSV Großbardorf ist abgehakt und aufgearbeitet, so gut es geht. Denn die Erkenntnis für Jahn Forchheim war ja: Mit einem Spitzenteam hat man spielerisch mithalten können, Leidenschaft und Herz gezeigt, erst recht, als das Ergebnis immer weiter anwuchs. Trotzdem, und das ist auf Dauer zwangsläufig fatal: Es bleibt die fehlende Balance aus defensiver Ruhe und offensiver Struktur. Mit 17 Toren hat Forchheim zwar die meisten Tore all jener Teams geschossen, die sich in der Abstiegszone befinden. Mit 37 Gegentreffern hat aber auch kein Team mehr Tore kassiert. Jahn-Trainer Michael Hutzler ist sich der Baustellen bewusst, bleibt seiner taktischen Ideologie aber treu. "Ich habe keine Lust, defensiv spielen zu lassen, um irgendetwas zu ermauern. Fußball macht für mich Sinn, wenn er offensiv ist. Das bleibt auch so." Personell sieht es wieder ein wenig besser aus: Max Bauernschmitt musste zuletzt beruflich passen, ist jetzt aber wieder dabei. Hayri Özdemir hat unter der Woche zwar trainiert, die Grippe ist aber noch nicht abgeklungen. Sein Einsatz ist fraglich, ebenso der von Firat Güngör (Knie) und des nun ebenfalls kränkelnden Adem Selmani. Hutzler: "Ich habe beide gegen Großbardorf runtergenommen, um sie zu schonen. Ich bin aber zuversichtlich. Firat will gegen seinen Ex-Verein unbedingt spielen." tsc