Als Claudia Brunner in der Zeitung von der "Razzia im Kräuterladen" las, da habe sie noch gelacht, erinnert sich die 51-Jährige. Als sie wenig später von der "Schließung des Kräuterladens" las, verging ihr das Lachen. Denn viele ihrer Kunden hätten das falsch verstanden und seien nicht mehr gekommen. Geschlossen wurde der Laden in der Bamberger Straße, der mit berauschenden Kräutermischungen gehandelt hatte. Mit dem "Kräuterladen Brunner", den die Forchheimerin Claudia Brunner seit 20 Jahren in der Vogelstraße 11 betreibt, hatte natürlich weder die Razzia noch die Schließung zu tun.


Fehlgeleitete Kunden

Die Bedeutung des Wortes "Kräutermischung" habe sich eben seit einem Jahr grundlegend verschoben, bedauert Claudia Brunner. Bis vor wenigen Wochen, als in der Bamberger Straße noch berauschende Kräutermischungen verkauft wurden, kamen regelmäßig Konsumenten auch in die Vogelstraße: "Haben Sie diese Kräuter zum Rauchen", fragten die Fehlgeleiteten. Und Claudia Brunner antwortete: "Nee, da sind Sie sicher falsch hier."
Vor ihrem Laden hängt ein Holzschild mit der Aufschrift "Kräuterlädla". Hier gibt es Gewürze, Kräuter, Räucherstäbchen, Tee, Seife, Weihrauch, Öle und kosmetische Produkte.

Als die gelernte Verkäuferin in den 90er Jahren bemerkte, wie groß das Interesse in Forchheim an heilenden Kräutern und Gewürzen war; und dass es nirgends einen Laden gab, um sie zu kaufen, eröffnete die damals 31-Jährige das etwa 50 Quadratmeter große Geschäft in der Altstadt. "Vor allem ätherische Öle waren damals schlecht zu kriegen."

Seit zwei Jahrzehnten hat sie nun mit ihrem Konzept Erfolg: Zu den Klassikern ihres Angebotes zählen griechische Kräuter- und natürlich fränkische Mischungen: Brombeeren, Himbeeren, Hagebutten und Malve seien besonders für Tees geeignet.

Ein Stammkunde, der fast täglich vorbeischaut, erzählt, dass er erschrocken sei, als er bemerkte, wie wenig im Kräuterlädla los war, weil das Gerede um den Handel mit Kräutermischungen die Forchheimer abschreckte.


Erinnerung an "Stony"

"Ich werde das überleben, ich hab schon mehr überlebt", sagt Claudia Brunner und erinnert an die Zeit, als in der Vogelstraße, direkt gegenüber ihrem Laden "Stony" eröffnete. Betreiber war ein junger Mann, der mit berauschenden Pilzen handelte. Auch "Stony" wurde nach einer Polizei-Razzia geschlossen - und auch damals habe sich so mancher Kunde in ihrem Laden verirrt und ihrem Ruf geschadet, erzählt Claudia Brunner.

Sie ist ausgebildet, um "frei verkäufliche Arzneimittel" zu vertreiben. An der Wand hängt ein Zertifikat der Handelskammer. Mit vielen Kunden tausche sie sich über neue Trends aus. Viele kommen in den Kräuterladen, weil sie im Radio von neuen Studien über die Heilwirkung bestimmter Pflanzen gehört haben. Früher hätten sich nur ältere Menschen für Heilkräuter interessiert, sagt Claudia Brunner, heute kämen auch die Jungen. Gefragt sind Heilmittel wie etwa Ehrenpreiskraut, das als Cholesterin-Senker gilt. Neuerdings sei eine medizinische Studie im Gespräch, die die Wirkung von Kurkuma gegen Darmkrebs erforsche.

"Es gibt viele Sachen, gegen die ein Kraut gewachsen ist" - davon ist Claudia Brunner überzeugt. Sie persönlich schwört auf Teebaumöl, um Entzündungen und Erkältungen zu bekämpfen. Ihr Glaube an die Wirkung von Naturprodukten gehe allerdings noch viel weiter, verrät sie schmunzelnd. Tonka-Bohnen zum Beispiel. "Legen Sie eine in ihren Geldbeutel - und das Geld geht nie mehr aus." Manche verlangten die Bohnen wegen ihres Vanille-Geschmacks zum Kochen. Claudia Brunner hat die Bohnen in ihrer Kasse liegen - "in jedem Fach eine".