Es gibt Brillen, die einen Rausch vortäuschen. 0,8 Promille suggeriert eine davon, wobei der Tastsinn noch in Ordnung ist, anders als beim Rausch, der dem Betrunkenen das Gefühl der Stärke vortäuscht. "0,8 Promille, das ist nicht ganz so viel, denken viele Menschen. Und sind doch überrascht, dass es solche Auswirkungen hat", erklärt Jürgen Niedersteberg, als er eine dieser Rauschbrillen aus dem Samtbeutel zieht.

Kampf gegen Alkohol am Steuer

Alkohol und Drogen sind neben der Verkehrssicherheit die zentralen Themen des Automobilclubs in Neunkirchen am Brand. Den Vereinsmitgliedern liegt diese Aufklärungsarbeit bei Jugendlichen und Kindern sehr am Herzen. "Sie ist sehr wichtig, da die Zahl der Schulwegunfälle noch immer zu hoch ist", erläutert Niedersteberg.

So arbeitet der ACN nicht nur mit Kindern und Jugendlichen, auch am Bürgerfest waren sie mit einem Stand präsent und zogen mit ihren Aktionen auch zahlreiche Erwachsene an. Erwachsene, die durch die Rauschbrillen schauten und den Rauschbrillenparcours bewältigen sollten. Da wurde ihnen plötzlich bewusst, wie schwierig es bereits mit 0,8 Promille ist, auf einer geraden Linie zu gehen. Oder die mit einer anderen Rauschbrillenstärke einen Schritt über eine mit Klebeband befestigte Markierung überschreiten sollten, in etwa zehn Zentimeter Höhe. "Soll ich drüber steigen oder unten hindurch", wurden die Mitglieder öfter gefragt. Die Rauschbrille zeigt eben Illusion auf.

Wer genug davon hatte, konnte sich an der Carrerabahn vergnügen. Der Norisring war detailgetreu nachgebaut und von dem Fahrsimulator war selbst so mancher Erwachsene begeistert, die teils ein richtiges Aha-Erlebnis erfuhren, wie so manche Kinder, wenn der Automobilclub an den Schulen verschiedene Programme des ADAC Nordbayern zum Thema Verkehrssicherheit anbietet. "Hallo Auto" heißt eine davon.

Was passiert, wenn man sich im Straßenverkehr falsch verhält? Wie schnell kann ein Auto bremsen? Wie schätzt man eine Entfernung richtig ein? Spielerisch wird das mit den Schülern eingeübt. "Sie dürfen selbst laufen, müssen dann anhalten", erklärt der Vereinsvorstand. Oder der ADAC fährt mit dem Auto und legt dann eine Vollbremsung hin. Was wäre passiert, wenn eines der in großer Entfernung stehende Hütchen ein Kind gewesen wäre?

Die Reaktion der Kinder spiegelt das blanke Entsetzen wider. Sich sicher im Verkehr zu bewegen, betrifft auch Fahrradfahrer. Mit dem Fahrradturnier bieten die Clubmitglieder Kurzweil in den großen Ferien, beim Neunkirchner Ferienprogramm.

Schon das fünfte Moped

Dabei ist die Sicherheit im Straßenverkehr nicht alleine durch richtiges Verhalten gegeben. Wer ein Fahrrad oder Moped hat, sollte auch mal einen Platten flicken, Schrauben verbinden oder andere einfache Reparaturarbeiten leisten können. Der Schrauberkurs erlaubt, Fahrräder auseinanderzulegen und instand zu setzen. Beim letzen Kurs wurde an Mopeds herum geschraubt. Einer der Teilnehmer hatte vor dem Kurs keinerlei Bezug zu Zweirädern, nun schraubt er an seinem fünften Moped. Die Mitglieder haben noch einen anderen Grund für diesen Kurs: "Deutschland ist ein Land mit Technikstandort für die Industrie. Dazu braucht es gute ausgebildete, technisch orientierte Jugendliche", meint Niedersteberg. Handwerkliches Geschick und Spaß in einem.

Käfer trifft Prinz: Die Veteranenrallye hat Tradition

Mit dem Automobil wollten einige Leute etwas zu tun haben und schlossen sich zusammen zum Automobilclub Neunkirchen. Das war am 3. September 1971. So fing die Neunkirchener Automobilszene bereits ein Jahr später mit Slalomfahrten an. Bis Ende der 70er-Jahre fuhr man auf einer kleinen Straße hinter der Neunkirchner Achsenfabrik. "Da war das alles noch auf der Straße möglich", erzählt Vorsitzender Niedersteberg.

Schon in den 80er-Jahren wich man auf Parkplätze in Forchheim und Erlangen aus. Eine Veranstaltung, richtig professionell und vor allem international. Von weiter weg kamen die Teilnehmer, Pokale wurden verliehen. 1977 begann der Verein mit den Veteranenrallyes, denen man heute noch treu geblieben ist, und auch die sind nicht ohne.

Das 19. Treffen war heuer am 18. Mai wieder hier in Neunkirchen. Verschiedene Geschicklichkeitsprüfungen müssen dabei geleistet werden. Baken werden auf beiden Straßenseiten aufgestellt und es gilt im gleichen Abstand links und rechts zu den Baken zu fahren. Oder man erhält eine Markierung als Start und soll von hier ab genau 2,50 Meter fahren. Das ist, obwohl es einfach klingt, eine der anspruchsvollsten Prüfungen.

120 Kilometer durch Franken

Dieser Tradition, dem Kulturgut "historische Fahrzeuge", ist der ACN bis heute treu geblieben. Die Fahrzeuge werden gepflegt und auch präsentiert. Im Wechsel findet dazu alle zwei Jahre ein Treffen alter Fahrzeuge und eine Oldtimer-Ausfahrt in Neunkirchen statt. Ohne zeitlichen Druck führt die Fahrt 120 Kilometer durch das schöne Frankenland, wie der Verein betont. Die Geschicklichkeitsprüfungen sind inklusive. Abhängig vom Alter der Fahrzeuge werden die Teilnehmer in verschiedene Klassen eingeteilt. Pokale erhalten die vorderen Plätze jeder Klasse, der älteste Teilnehmer, die größte Gruppe und der Teilnehmer, der die weiteste Anreise hatte.

Stilecht und ohne Rad

Auch ein Sonderpreis für den Pechvogel der Rallye wird vergeben. "Den erhielt ausgerechnet das Ehepaar mit dem ältestem Fahrzeug, eine Wanderer Limousine aus dem Jahr 1932. Kurz vor Ende der Rallye löste sich bei ihrem Fahrzeug ein Rad. Nach dem ersten Schreck kam das Ehepaar, das stilecht in der Kleidung der damaligen Zeit fuhr, gut gelaunt zur Siegerehrung", erinnert sich der Vereinsvorstand an das nette Ehepaar, das Sinn für Spaß hatte.

Vor allem zeigt diese Veranstaltung, wie gut angenommen sie im Laufe der Zeit wurde. 1981, schon vier Jahre nach dem Start der Veteranenrallye wurden die Veranstaltungen größer und internationaler, so dass man Unterstützung suchte, beispielsweise wegen Versicherungsfragen. So fragte der Verein beim ADAC an, ob und wie er ein Ortsclub werden könne. Bedingung für die Aufnahme waren mindestens 80 ADAC-Mitglieder im Verein. Eine große "Suchaktion" wurde gestartet, die 80 Mitglieder geworben und der ACN wurde zum Ortsclub des ADAC, was er heute noch ist. Man dürfe aber das nicht mit dem vergleichen, was in München passiert sei, betont der Vereinsvorstand Niedersteberg.


Ich bin dabei, weil ...


Horst Hirsch: ... ich von der Sternfahrt mit Automobilen, die Konrad Polster bereits im Mai 1971 privat organisiert hatte, so begeistert war, dass ich gerne zusagte, einem Automobilclub beizutreten. Mit 17 weiteren Personen wurde 1971 der erste Automobilclub Neunkirchen gegründet. Ich wurde damals Zweiter Vorsitzender und führte den Verein von 1981 bis 1984 und von 2000 bis 2012 als Erster Vorsitzender.

Otto Wohlleib: ... ich schon als Kind mit meinem Vater zu Sportveranstaltungen für Motorräder und Autos gegangen bin. In meiner Lehre schraubte ich an alten Mopeds herum und baute sie nach meinen Vorstellungen um. Dann kam die Autozeit, ich baute Autos ebenfalls um und lackierte sie entsprechend. 1971 kaufte ich mir den Käfer 1302, den ich für Slalomrennveranstaltungen umbaute. Im Gründungsjahr schloss ich mich dem Verein an und war viele Jahre Sport- und Tourenleiter.

Fabian Kunstmann: ... ich technisch interessiert bin und die Leidenschaft an Oldtimer, Mofas, Mopeds Mokicks und Motorräder entdeckt habe. Auch am Schrauben habe ich Gefallen gefunden. Die Mitglieder der Jugendgruppe werden durch die Erwachsenen bei Fragen und Problemen unterstützt. Alle sind sehr hilfsbereit, auch bei Problemen mit den eigenen Fahrzeugen. Der 1.ACN ist ein sehr schöner Verein, aufgeschlossen gegenüber Jugendlichen und Neumitgliedern. Leute, die sich für Oldtimer und Youngtimer interessieren, sind hier bestens aufgehoben.

Wolfgang Schuster: ... ich durch die Motorrad- Trailvorführungen an früheren Heimat- und Bürgerfesten auf den Verein aufmerksam geworden bin. Fasziniert verfolgte ich den Parcour, den die Fahrer über riesige Betonrohre und schrottreife Pkw fehlerfrei absolvierten. Auch die Veteranenrallye begeisterte mich immer wieder aufs Neue. Irgendwann konnte ich ein fahrfähiges Auto für die erste Teilnahme organisieren. Mit dem Hobby kamen noch einige Oldtimer dazu.


Max Schmitt: ... ich gerne in einer Gemeinschaft mit Gleichgesinnten bin. Im Verein habe ich viel über Oldtimer gelernt. Meinen ersten Oldtimer, einen Kadett B, hätte ich ohne den Verein nie bekommen. Ein Vereinskollege hat mich auf das Auto aufmerksam gemacht. Jetzt habe ich zwei Autos und ein Feuerwehrauto.