Der Zusammenschluss der Krankenhäuser im Landkreis Forchheim bewegt die Bürger. Mit ihrem Info-Abend zur Klinikfusion traf die SPD-Kreistags-Fraktion am Dienstag den Nerv: Der Saal im Gasthaus Resengörg war überfüllt. Die Besucher standen sogar vor der Tür, um mitzuhören, was Klaus Schulenburg zu sagen hatte und was die Diskussion über seinen Vortrag bringen würde.


Vortrag "kein Gutachten"

Klaus Schulenburg wird vielen noch durch seine Landratskandidatur gegen Hermann Ulm (CSU) bekannt sein. Am Mittwoch kam der Experte des Bayerischen Landkreistages (dort arbeitet er als Direktor der Abteilung Soziales, Gesundheit und Krankenhauswesen), um den Bürgern und Politikern einige Impulse für die Klinik-Fusion mit auf den Weg zu geben. Wobei Schulenburg betonte, dass sein Vortrag "nicht als Gutachten zu verstehen" sei. Konkret sei er in der Auseinandersetzung zwischen den Kliniken in Forchheim und Ebermannstadt nicht tief genug drin, um ein Urteil abzugeben.

Der Experte vom Landkreistag begann mit allgemeinen Zahlen zur Struktur der Krankenhaus-Landschaft in Deutschland und zur "Logik des Krankenhaus-Strukturgesetzes". Schon da wurde den Zuhörern klar, wie deutlich der Streit um die Fusion im Kreis Forchheim von übergeordneten Parametern diktiert wird. Den Prämissen des Bundes folgend, werde die Struktur der Kliniken über einen "ruinösen Preiswettbewerb" bereinigt; der rasante medizinische Fortschritt führe zu einer "Marginalisierung der Grundversorgung". Folge sei die "Flucht in die Spezialisierung", wobei sich die Finanzierungsströme gegenseitig behinderten.


Alleine keine Überlebensfähigkeit der Krankenhäuser

Wie dem Dilemma entkommen? Schulenburgs Empfehlung: Das Potenzial eines Verbundes nutzen. "Wichtigste Voraussetzung für eine Fusion von Forchheim und Ebermannstadt ist es, in einem Budget zu denken", sagte Schulenburg. Weder das 85-Betten-Haus in Ebermannstadt, noch das 225-Betten-Haus in Forchheim sei langfristig alleine überlebensfähig. Doch der Appell des Experten, einen Zusammenschluss "politisch schnell zu besiegeln", stieß auf Widerstand. Der Forchheimer Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) nutzte seinen vorvorletzten Arbeitstag, um daran zu erinnern, dass hinter der Forchheimer Klinik eine Stiftung stehe, die jährlich ein bis zwei Millionen Euro reicher werde. "Nach der Fusion ist das nicht mehr der Fall", betonte Stumpf. "Auf lange Sicht" müssten die beiden Häuser wohl zusammenkommen, meinte auch der Forchheimer OB. Gleichzeitig verwies er auf die schwarzen Zahlen in Forchheim: "Daher haben wir keinen Handlungsdruck." Leider sei das Gespräch über die juristische Form der "Zustiftung" gescheitert, bedauerte Stumpf, "weil sich der Landkreis unterrepräsentiert fühlte".

Schulenburg konfrontierte Stumpf mit dem Hinweis, dass es auch in Forchheim keine schwarzen Zahlen mehr geben werde, sobald die Stadt in den "Bauunterhalt einsteigen muss". Bislang sei dies bei dem neuen Krankenhaus nicht nötig gewesen. Stumpf sah das Problem "Bauunterhalt" nicht: Dem Geschäftsführer Hautmann sei es gelungen, so hohe Gewinne zu erzielen, dass er ab 2010 ohne Schulden ein millionenschweres Ärztehaus planen und bauen konnte: "Der Mann weiß, wo er hinlangen muss." Das Problem werde eher sein, für Hautmann einen geeigneten Nachfolger zu finden, sagte Franz Stumpf.

"Es ist Hautmanns positives Schicksal, dass er die Strukturentscheidungen in der Krankenhauslandschaft nicht mehr ausbaden muss", hielt Schulenburg dagegen. Mit anderen Worten: Langfristig werde selbst eine Fusion zwischen Forchheim und Ebermannstadt nicht reichen - "der Verbund wird viel weiter gehen müssen".


Klinik "knabbert"

Der Gößweinsteiner Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (SPD) sagte, die medizinische Versorgung im Oberland sei jetzt schon problematisch. Auch SPD-Kreisrat Wolfgang Fees pochte auf das "gemeinschaftliche Interesse", das hinter der Fusion stehen müsse. Und der Grüne Kreisrat Karl Waldmann wehrte sich gegen die Vorstellung, die Kreis-Klinik in Ebermannstadt als "Aschenputtel" zu behandeln. Der Richtungswechsel von der Kardiologie zur Psychosomatik sei gelungen. Die Klinik habe "daran zu knabbern", dass Neubauten ohne Zuschüsse errichtet wurden. Doch das hätten auch die Kreisräte aus Forchheim zu verantworten. "Die Forchheimer sitzen durch die Beschlüsse mit im Boot", stellte Waldmann klar. Daher müsse die "Gut-schlecht-Debatte" beendet und "eine Lösung für die Region" gefunden werden.

Albert Dorn (Kreisrat und Stadtrat der SPD) verteidigte die Vorteile des Klinikums Forchheim: "Wir wollen aus der Gewinn-Linie nicht raus." Eine Fusion könne es nur in Form einer "Zustiftung" geben, meinte Dorn und fragte kritisch, "ob der Landkreis über diese Hürde zu springen bereit ist?" Weil Dorn mit Nachdruck die Qualitäten des Forchheimer Hauses hervorhob, wurde er von Krankenschwestern der Klinik Fränkische Schweiz ausgebuht.
Wenn die Altlastendiskussion nicht ende, könne das in einen Verkauf der Klinik Ebermannstadt münden, befürchtete Klaus Schulenburg. Doch Forchheim benötige Ebermannstadt als "natürlichen Partner", unterstrich Schulenburg wiederholt. Die Stadt müsse an einer Fusion auch deshalb interessiert sein, weil sie andernfalls ein Drittel der Defizite über die Kreisumlage mit bezahle. Und der Forchheimer Stadtrat Ludwig Preusch (FW) erinnerte an die entscheidende positive Erkenntnis des sogenannten Oberender-Gutachtens: "Bei der Fusion gibt es Synergie-Effekte in Millionenhöhe."