Während andere in den Urlaub fliegen, um Sonne zu tranken, fährt Jürgen Pöhlmann aus Ebermannstadt Fahrrad. Ganz Europa bereiste er bereits auf zwei Rädern. In diesem Jahr lautete das Ziel: Kreml in Moskau.
Die Strecke des 55-Jährigen führt ihn von Deutschland über Tschechien, Polen und die Ukraine nach Russland. Drei Wochen ist der Ebermannstadter auf Europas Straßen unterwegs. Mit einer Geschwindigkeit von 20 km/h sitzt er etwa 15 Stunde am Tag auf seinem Rad. Im Gepäck: Flickzeug, ein Faltreifen, Ersatzmaterial, Kleidung und ein Kompass.

Mehrere Male unterbricht Pöhlmann seine Reise. Sein Interesse gilt vor allem der deutschen Vergangenheit. So verschlägt es ihn in die deutschen Konzentrations- bzw. Vernichtungslager Majdanek neben Lublin im besetzten Polen und Groß-Rosen in heutigem Rogoznica. Auch Tschernihiw, die größte ukrainische Stadt nahe bei Tschernobyl, steht auf seiner Reiseliste.

Bis zur Ukraine fährt der Ebermannstadter mit einem Bike-Navi. Ab der Grenze orientiert er sich mit Karten. Zwei Mal verfährt er sich. "Die Schilder waren teilweise in kyrillischer Schrift", erklärt er.

Probleme am Grenzübergang

Ursprünglich war eine Strecke über Weißrussland geplant, doch die Auflagen sind zu streng. Jede Schlafstätte muss penibel angegeben werden, damit einer Einreise zugestimmt wird. Zu wenig Freiheit und Spontaneität für Pöhlmann, er entscheidet sich für den Weg über Polen und die Ukraine. Doch auch hier stößt er immer wieder auf Hindernisse. Den ersten Dämpfer erfährt er an der ukrainischen Grenze. Eine Einreise mit dem Fahrrad ist nicht erlaubt. "Ich musste ein ukrainisches Auto mieten und habe dem Fahrer und den Männern an der Grenze Geld zugesteckt. Es war reine Schikane." Im Land erblickt er immer wieder Bilder vom Krieg - Panzer stehen an den Straßen und Soldaten rekrutieren junge Männer. An der russischen Grenze folgt das nächste Problem: "Ich musste einen Migrationsschein ausfüllen, in kyrillischer Schrift. Von den Männern war kein Wille da, eine andere Sprache zu sprechen." Doch auch diese Situation meistert der 55-Jährige - fragt so lange nach, bis er an der Grenze durchgelassen wird.

Andere Sprache, andere Kultur, andere Straßenführung. Mit der hat der Radler besonders hart zu kämpfen, als er kurz vor Moskau einen 20-spurigen Autobahnring überqueren muss. "Sowas habe ich noch nie erlebt", schmunzelt er über die Fahrweise der Russen.

Mit Wildschweinen auf Tour

Nach drei Wochen, 3500 Kilometern und 13 000 Höhenmetern erreicht Pöhlmann Anfang August endlich das Ziel seiner Reise: den Kreml. Ein zweites Mal würde er nicht nach Russland reisen, nimmt aber viele schöne Erinnerungen von seiner Tour mit. "Es ist ein wunderschönes Europa. Man ist mit Wildschweinen und Wildgänsen unterwegs. Die Landschaften und Wassergebiete sind toll", schwärmt er.

Zum zehnten Mal verschlug es Jürgen Pöhlmann quer durch Europa. Athen, Baku oder auch Istanbul bereiste er bereits mit seinem Fahrrad. Nächstes Jahr geht es für ihn Richtung Südwesten nach Lissabon in Portugal.