Thomas Gäck ließ die Stadträte im Bauausschuss etwas ratlos zurück. Der Ingenieur aus dem Nürnberger Büro PB Consult hatte sich mit der Frage beschäftigt, ob im Forchheimer Norden genügend Parkraum zur Verfügung steht.
Beauftragt worden war PB Consult mit diesem Gutachten von der städtischen Wohnungsbau- und Sanierungsgesellschaft (GWS). Wie GWS-Geschäftsführer Alexander Dworschak betont, sei das Gutachten nicht in Auftrag gegeben worden, um über den Stellplatz-Schlüssel im Stadtnorden zu entscheiden; sondern weil die GWS dieses Gutachten benötige, um im Rahmen des Programms "Soziale Stadt" an Fördermittel zu kommen.
Doch die Stadträte hatten im Juli eine Grundsatzdebatte darüber begonnen, ob bei Neubauten im Stadt-Norden der Stellplatzschlüssel nicht von 1,5 auf 0,5 reduziert werden sollte.
Und weil sich die Räte in dieser Frage nicht einigen konnten, kam ihnen das GWS-Gutachten gerade zum richtigen Zeitpunkt.


Parken oder fahren?

In der Pestalozzi-, in der Adalbert Stifter- und in der Kantstraße sei die "höchste Auslastung" zu verzeichnen, erläuterte Ingenieur Thomas Gäck. Die Messungen hatten ergeben: In der Pestalozzistraße liegt die Auslastung bei 59 bis 86 Prozent; in der Stifterstraße bei 35 bis 80 Prozent; und in der Kantstraße bei 58 bis 79 Prozent.
Wenn im Stadtnorden "baulich nachverdichtet" werde, "könnte man sich über den Parkraum Gedanken machen", so das Fazit von Thomas Gäck. Mit anderen Worten: Eine wirkliche Not an Parkplätzen gibt es aus seiner Sicht im Forchheimer Norden aktuell nicht.
Bauamtschef Gerhard Zedler deutete aber an, dass er mit der ganzen Herangehensweise nicht zufrieden ist: "Straßen sind für den Fahrverkehr da, nicht für den Parkverkehr." Die Straßen im Stadtnorden seien ohnehin zu eng. Damit unterstrich Zedler erneut, dass er den Bau neuer Häuser wie bisher an den Bau von Stellplätzen koppeln würde.
Sebastian Körber (FDP) leitete aus dem Gäck-Gutachten eine ganz andere Handlungsanweisung ab: Da sowohl das Parkhaus als auch die Straßen in Forchheim-Nord maximal um die 80 Prozent ausgelastet seien, könne der Stellplatz-Schlüssel "nach unten gesetzt" werden, um Baukosten zu reduzieren und günstigen Wohnraum zu schaffen.
Zwar wollen sich die Fraktionen erst noch eingehend mit dem Gutachten befassen, bevor sie entscheiden; doch zeichneten sich im Bauausschuss am Dienstag die Positionen bereits ab.
Markus Schmidt (CSU) und Reinhold Otzelberger (SPD) betonten, dass spätestens mit dem Bau der S-Bahn der Parkdruck im Stadtnorden schlagartig steigen werde. Thomas Gäck räumte ein, dass der S-Bahn-Bau in das Gutachten nicht eingeflossen sei.
Anita Kern (SPD) zweifelte vehement daran, dass die Parkraum-Situation befriedigend sei: Immer mehr junge Familien siedelten sich im Norden an. Wo heute noch ein Auto pro Familie genutzt werde, könnten es in naher Zukunft zwei, drei oder sogar vier sein.
Albert Dorn (SPD) war überhaupt nicht damit einverstanden, dass sich die Planungen lediglich um parkende Autos drehen. "Was ist mit dem Fahrrad?" Über Alternativen zum Auto werde gar nicht geredet, beschwerte sich der SPD-Rat: "In Sachen Radwege ist Forchheim völlig unterentwickelt." Es sei geradezu gefährlich, mit dem Rad unterwegs zu sein. Kein Wunder, wenn die Leute nicht mehr darüber nachdächten, vom Auto auf das Rad umzusteigen, sagte Albert Dorn.