Schlagzeug und Bass klopfen im Takt zum Herzschlag. Irgendwo im Text des Songs, der gerade auf der Bühne gespielt wird, scheint die Sonne. In Gräfenberg ist das schlechte Wetter dem Open-Mind-Festival zur Konkurrenz geworden. Genauso wie die Sportschau und die Tatsache, dass die meisten Festivals erst um 20 Uhr, nicht um schon um 18 Uhr beginnen, sagt Michael Strößenreuther vom Organisationsteam. "Die erste Band hat es immer schwer. Aber sie sind gut", nickt er anerkennend und schlägt mit dem Fuß im Takt der Rockmusik von "Komaläufer" aus Frankfurt.

Die meisten Gäste sind bislang vom Team und Gräfenberger, wie Elke Glaubitz, die aber nicht mehr hier wohnt und sicher nicht bis zum Ende bleiben wird. Sie muss wieder Richtung München, kennt aber die Entstehungsgeschichte und findet das Festival gut. Auch Stadtrat Matthias Striebich. wippt zur Musik. Dass er für mehr Demokratie ist, daraus macht er kein Geheimnis.
Zum Festival kommt er aber auch aus einem anderen Grund: "Es ist ein Event. Ich bin gespannt, welche Musik noch kommt", sagt er. Die Band spielt keine unmelodiös-klingende Metal-Richtung, sondern einfach Deutschrock.

Die Bühne ist zum historischen Rathaus hin aufgebaut, links der Bühne steht ein roter Doppeldeckerbus. Einige Kinder drehen sich zur Musik, halten die Arme in die Höhe.

Kinderprogramm ist Erfolg

Die vielen anderen Kinder, die mit Wolfgang Tietz am Nachmittag die Welt gerettet haben, weil sie beim Kinderprogramm das Theaterstück "Ein kleiner Drache oder: Wer rettet die Welt?" geschaut haben, sind schon weg.
Die Festivalbesucher stehen, manche versuchen sich zu unterhalten, was jedoch kaum möglich ist. "Schade, dass nicht mehr Leute da sind", sagt Thomas Brückner aus Gräfenberg, dem es ein Anliegen ist, das Open Mind Festival am Leben zu halten. Die Musik findet auch er gut. "Als Anfangsband sind sie super", sagt das Ehepaar Fischer aus Heroldsberg. Sie sind jedes Jahr hier. "Die Musikauswahl ist sehr gut und da verlassen wir uns darauf", sagen die beiden. Aber sie geben zu, kurz vorher im Internet recherchiert und bei den einzelnen Bands kurz reingehört zu haben.

Oli und Rainer vom Organisationsteam sorgen für Sicherheit. Sie haben glücklicherweise nichts zu tun, lauschen der Musik, gehen vor die Bühne, um den Bands beim Spielen zuzuschauen. Währenddessen sitzen Melf und Felix aus Nordfriesland mit Jenny, die aus Schweden kommt, auf der Terrasse vor der Bäckerei und trinken einen Schluck aus einem Becher. Sie sind extra wegen des Festivals gekommen, aber als Band. "Torpus and the Art Directors" nennen sie sich.

Seit 17 Uhr sind "Torpus and the Art Direktors" da. Sie sind begeistert von der Stadt und der Umgebung. "Wir sind einige Zeit auf der Bundesstraße gefahren, und haben viele Schlösser gesehen", erzählen sie. "Wir wurden gefragt, ob wir hier mitmachen", sagt Melf. Das Open-Mind-Festival gegen Rechts finden sie eine gute Sache, also sagten sie zu und kamen extra aus Hamburg angereist. Die jungen Musiker, Anfang bis Mitte 20, trinken aus, treffen den Rest der Band, um auf der Bühne ihre Instrumente aufzubauen. Melf spielt Gitarre, Felix Schlagzeug, Sönke ist der Sänger und Ove spielt das Harmonium. Zum Einspielen brauchen sie nicht viel Zeit, denn 150 Konzerte im Jahr sind bei ihnen die Regel. Die Musik ist eine Mischung aus Country und Folk.

Solidarität mit Gräfenberg zeigt die Nürnberger Band "La Boum". Dass man bei ihrer Musik zum Tanzen geradezu animiert wird, liegt an der Mischung aus Ska, Folk, Polka und Indie.

Dementsprechend gewöhnlich und ungewöhnlich zugleich sind die Instrumente, die dabei zum Einsatz kommen: ein Banjo, die Gypsygitarre, der Kontrabass, ein Akkordeon, ein Mini-Schlagzeug und ein Waschbrett. Sicher etwas, das in Erinnerung bleibt.

Headliner aus Berlin


Als Headliner kommt die Band "Pitchtuner" aus Berlin auf die Bühne. Sie waren 2009 schon mal hier. Der Name der Band steht für das Idealbild der perfekt an den Menschen angepassten Maschinen. Dass traditionelle Musikinstrumente wie Gitarre, Bass und Schlagzeug kein Gegensatz zu elektronischen Klangquellen sein muss, demonstrieren sie.

Der Hintergrund für das Festival ist den meisten Besuchern klar. Im Vordergrund steht aber die vielfältige Musik, die das Motto unterstreicht: Gräfenberg ist bunt.