Gold, Halbedelsteine und glitzernde Perlen, das sind die Steine der Reichen, der Schmuck der Königinnen und Prinzessinnen. Diese Steine schmücken zu Hunderten die Hochzeitskrone, die auf Gregor Forsters Tisch steht. Eine Krone, die aber keine Prinzessin, sondern eine Bauerntochter an ihrer Hochzeit zum letzten Mal getragen hat und dann an die eigene Tochter weiter vererbte. Je größer und prächtiger geschmückt die Krone war, desto reicher der Landwirt.

Nur ist Gregor Forster kein Landwirt, aber einer der wenigen, die im Landkreis das Handwerk des Hochzeitskronenbauens verstehen und so einen lange in Vergessenheit geratenen Brauch wieder in Erinnerung rufen und modern werden lassen. Die große Hochzeitskrone wird in seiner Familie bleiben. Zwei Auftragskronen fertigt er noch, dann ist Schluss.

Eine leichte Bewegung in Richtung Krone verursacht ein leises Klingen der über 3000 verarbeiteten Metallplättchen, ähnlich einem Windspiel, und lassen das Metall wie Gold glitzern. Sonnengesichter, Plättchen mit Äpfeln als Motiv, Birnen, Weintrauben, aber auch Sterne und der Mond baumeln rund um das Kronengestell herum, das aus einfacher Papprolle besteht.

Werkzeuge selbst gebaut

"Die Sonne, als Mittelpunkt des Lebens und die verschiedenen anderen Symbole der Fruchtbarkeit sind auf die Plättchen gestanzt", erklärt der Hobby-Kronenbauer. Er ist ein Bastler, fand sein Hobby, als er die Hochzeitskrone bei einem Landwirt in Rosenbach sah. Die mache ich nach, dachte er sich sofort und sein gelernter Beruf des Feinmechanikers kam ihm hier zugute, konnte er schließlich so die notwendigen Maschinen, Werkzeuge und Stanzvorrichtungen selbst bauen. Maschinen, an denen auch die zehn Frauen seines Volkshochschul-Kurses Hochzeitskronenbau aus Hetzles arbeiteten, denn die Hochzeitskrone ist wieder im Kommen.

Ein großer Halbedelstein dominiert in der Mitte jeder der acht Rosetten am unteren Kronenrand. Rund ein Euro kostet einer dieser Steine, alleine die Mitte jeder Rosette 80 Euro. Warum es immer acht sind, weiß der 82-Jährige nicht, aber dass bei allen Steinen, ob Edelstein oder Glasperlen, immer die Farben blau, grün und rot verwendet werden: für Glaube, Hoffnung und Liebe.

Nicht die aufwendige Handarbeit - immerhin stecken in jeder Krone mindestens 300 Stunden geduldige und feinfühlige Arbeit - hat sich in den vergangenen Jahren verändert, eher ist die Materialbeschaffung durch das Internet einfacher geworden. "Vor 20 Jahren habe ich die Firmen noch angeschrieben", erinnert sich der ehemalige Marktgemeinderat lachend. Aus Kaufbeuren bezog er die Perlen, die Glasperlen und farbigen Tropfen ließ er in Lauscha (Thüringen) anfertigen. Abgeholt hat er seine Order nicht selten an Ort und Stelle. Denn damals wurde er schon oft gefragt, ob er nicht eine Krone anfertigen oder reparieren könne, wurde doch in den Kriegsjahren manchmal mit der Hochzeitskrone Fußball gespielt.

Kronen als Fußball

Der Brauch, der im 17. Jahrhundert aus Ungarn mitgebracht wurde, war in den 30er und 40er Jahren total in Vergessenheit geraten. Wer eine Krone wollte, musste sich einen Kronenbauer suchen. Johann Georg Ammon fertigte auf Bestellung in Reuth fränkische Hochzeitskronen an. Erst nach dem Krieg erlebte er die erste Renaissance des Kronen-Brauchs.

Inzwischen wurde auch das Material modernisiert. Statt des einfachen Drahts setzte sich in den vergangenen Jahren der Bouillondraht durch, der glitzert. "Hier sind verschiedene Variationen verarbeitet. Mit Bouillondraht, damit man die Variationen sieht, und einfacher Draht, um die alte Tradition aufrecht zu erhalten", erklärt Gregor Forster, während er die 1,5 Kilo schwere Krone, die aus 12.000 Einzelteilen besteht, in der Hand hält.

Schon auf den ersten Blick erkennt man das Geduldsspiel hinter dieser Feinarbeit: vom Wickeln des Drahts über die drei Ebenen der Rosetten, die vielen Symbole, die aus der Prägefolie entstehen, bis hin zu den einzelnen Teilen, die mit Draht in den gestanzten Löcher im Pappumfang befestigt werden. Den gibt es nicht individuell gefertigt, die Krone besitzt ein Standardmaß.

2500 Euro pro Stück

Der Preis für diese Fingerspitzenarbeit liegt bei etwa 2500 Euro. Aber Gregor Forster hat seine Kronen schon verliehen, wenn die jungen Frauen festlich geschmückt an Fronleichnam und zu anderen Festen majestätisch und anmutig laufen - die einzige Gangart, die dieser kostbare Kopfschmuck verträgt.

Selbst die katholische Kirche in Hetzles hatte eine Hochzeitskrone in ihrem Besitz - bis sie in den 60er Jahren verschwunden ist. Mit den Frauen seines Kurses fertigte der Neunkirchner eine neue Krone an, die 1999 der Kirche geschenkt wurde. Zum Ende des Jahres gibt Gregor Forster seine letzte Krone weg - an das Fränkische Schweiz Museum in Tüchersfeld.


Kronen für Kommunion und Hochzeit

Aufbau Eine Krone hat 12 000 Einzelteile: Acht große Rosetten (64 Pailletten), acht Blütensträuße mit Perlen, vier Sträuße mit Ähren, vier Blütenbollen, 16 Glockengehänge, 16 Verzierungen (Symbole oder Edelsteine), rund 3000 Sonnen mit verschiedenen Symbolen und 460 Perlen.

Herkunft Zu besonderen Feiern wie Fronleichnam, Priesterjubiläen oder Vereinsfesten trugen die Mädchen Blumenkränze auf dem Kopf. Um diese Blumengebinde nicht immer wieder zu erneuern, begann man, Metallkränze anzufertigen. Fahrende Zigeuner sollen angeblich die Technik zum Anfertigen dieser Metallkränze im 17. oder 18. Jahrhundert nach Franken gebracht haben.

Brauchtum Zur Kommunion trugen die Mädchen den hohen Kranz in kleiner Form, zur Hochzeit den hohen Kranz zum letzten Mal.