Vormittags stehen noch Lieferwagen vor der Tür des ehemaligen Hauptpostamtes - im Laufe des Tages werden die ersten Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan erwartet, die das eilends als Unterkunft ausgebaute Gebäude am Bahnhof beziehen sollen.

Die Arbeiterwohlfahrt (Awo), die die Sozialbetreuung übernimmt, hat viele ehrenamtliche Helfer mobilisiert, die im Keller des Hauses die Küche einrichten. Schränke müssen geputzt werden, Töpfe und Besteck stapeln sich und warten aufs Einräumen. Andere teilen droben im ersten Stock, wo sich die sauber hergerichteten Schlafräume befinden, Bettwäsche aus. Mit neuen Betten und Schränken aus einem regionalen Möbelhaus haben die Zimmer eine freundliche Ausstrahlung. Dort, wo früher Büros waren, sind jetzt Sanitärräume entstanden. Die Awo-Geschäftsführerin Lisa Hoffmann ist zufrieden: "Diese Unterkunft ist ordentlich eingerichtet."


Hauptamtlicher "Kümmerer"

Das Landratsamt habe mit dem Hauseigentümer, der Apartement-Franken-GmbH, die ihren Firmensitz im Postgebäude habe, einen dreijährigen Beherbergungsvertrag abgeschlossen, erklärt Behördensprecher Holger Strehl. Vorgesehen sei eine Belegung mit rund 50 Flüchtlingen.

Wie Awo-Geschäftsführerin Lisa Hoffmann erläutert, handele es sich um keine Erstaufnahmeeinrichtung, sondern um eine Unterkunft, in der die Asylbewerber so lange wohnen könnten, bis ihr Verfahren abgeschlossen sei. Die Arbeiterwohlfahrt übernehme im Auftrag der Firma Alitus aus Erlangen die Sozialbetreuung der Flüchtlinge. Zunächst sei der Vertrag auf ein Jahr ausgelegt, eine Verlängerung sei jedoch vorgesehen, betont Lisa Hoffmann.

Für die soziale Betreuung beschäftigt die Awo eine hauptamtliche Kraft: Ralph Himmer kümmert sich 25 Stunden pro Woche um die Flüchtlinge. Er hat sein Büro im Haus und ist täglich von 9 bis 12 Uhr präsent.

Das Aufgabengebiet des 36-Jährigen ist breit angelegt: Er muss Kontakt zu den Behörden halten, von denen er die Listen mit den Namen der ankommenden Personen erhält, er zeigt ihnen das Haus und weist ihnen die Zimmer zu, wobei es nötig ist, auch immer wieder deren Anwesenheit zu registrieren. "Wichtigste Aufgabe wird es für ihn sein, mit den Flüchtlingen Behördengänge zu erledigen", erklärt Lisa Hofmann. Dazu gehört auch, die Kinder in Schulen oder Kindergärten anzumelden oder Hilfestellung bei Arztbesuchen zu leisten und vieles mehr.
Ein weiteres Aufgabenfeld ist die Betreuung der ehrenamtlichen Helfer, die unter anderem auch Sprachkurse für die Flüchtlinge anbieten.

"Wir freuen uns über jeden Ehrenamtlichen, der sich bei uns für die Flüchtlinge engagieren will", betont Awo-Geschäftsführerin Lisa Hoffmann.