Die Ankündigung war reizvoll und versprach ein interessantes Konzert. Versprochen war englische Chor- und
Instrumentalmusik des 16. und 17. sowie des späteren 19. und 20. Jahrhunderts. Eine entsprechend große Zuhörerschaft war auch der Einladung des Kammerchors CHORioso Hausen und den fünf Mitgliedern von "Rucksax" Fürth gefolgt.

Die Besucher wurden vom Leiter des Chors, Christof Kilian Goger, begrüßt und mit gebotener Prägnanz in die musikgeschichtlichen Hintergründe der zu hörenden Werke eingewiesen. Es ist in der Tat bislang nur wenig bekannt, dass Heinrich VIII. und seine Tochter Elizabeth I. große Musikliebhaber gewesen sind und und diese Kunst deshalb auch gefördert haben.

Anrührende Musik

Das Saxophon-Quintett stimmte mit "Trompet Tune" von Henry Purcell (1659-1695) auf eine lebendig-feierliche Weise in das Konzert ein. Es folgte das getragene und auch etwas melancholische erste Chorlied von Thomas Tallis (1505-1585) mit dem Titel "If Ye Love Me". Auch an Thomas Morleys fröhliches "April is in My Mistress'Face" wagten sich die Musiker.

Morley lebte von 1557 bis 1602 und war ebenso wie William Byrd (1543-1602) von den Tudors an den Hof geholt worden. Letzterer ist der Komponist des anrührenden Chorsatzes "Ave Verum Corpus", den Uschi Dittus, die Leiterin des Quintetts, wunderbar harmonisch durch ihr Solospiel auf dem Sopran-Saxophon ergänzte. Das Saxophon wurde erst rund 300 Jahre nach der Entstehung der
dargebotenen Gesangskompositionen entwickelt.

Weil der Chor die Musikstücke nicht nur im Originalklang nachsingen, sondern zusammen mit dem vergleichsweise modernen Instrument neu interpretieren wollte, hat Uschi Dittus einige der Originalkompositionen für Saxophone neu arrangiert. Obwohl der große Kirchenraum durchaus seine akustischen Tücken haben kann, waren die Sänger ausgesprochen gut zu verstehen. Auch der nicht eben leichte Einsatz der Sopranen bei dem Lied "Fair Phyllis I saw" (John Farmer) klang sauber.

Eine Suite in drei Teilen

In den "Unquiet Thoughts" von John Dowland (1563-1626) hört man die Stelle "I'll cut the string" ( auf Deutsch: "Ich werde die Fessel zerschneiden.") beispielsweise ausgesprochen klar. Eine Suite in drei Teilen sowie die Begleitung des letzten Liedes aus dem 16. Jahrhundert ("O Lord, in Thee is All My Trust") bestritten alle "Rucksax"-Spieler miteinander: Tanja Meier und Simon Schmitz auf dem Alt-Saxophon, Markus Dollinger auf dem Tenor- und Corinna Bühl auf dem riesigen Bariton-Saxophon. Die vier noch sehr jungen Leute von der Musikschule Fürth bilden zusammen mit ihrer Lehrerin ein Ensemble, das beim Konzertieren genauso viel Disziplin wie temperamentvolles musikalisches Einfühlungsvermögen zeigt.

Der Sprung in die englische Musik des 19. und 20. Jahrhunderts schien im ersten Moment gar keiner zu sein, aber nach genauerem neuen Einhören war doch schon beim "Agnus Dei" von Edward Elgar (1857-1934) etwas mehr musikalische Spannung zu vernehmen.

Eine freudige Überraschung

Bei den drei noch folgenden Saxophon-Stücken fielen einige Modulationen auf. Sie hatten sogar zum Teil einen swinghaften Charakter, was die Zuhörer auf ihren Bänken etwas in Bewegung brachte.
Ein gesungenes Gebet "The Lord Bless You and Keep You" von John Rutter bildete den offiziellen Schluss dieses besonderen Konzerts. Zur Überraschung des Publikums stimmten nach dem mehr als begeistertem Applaus der Chor und die Saxophonisten noch "All you need is love" der Beatles an. Mancher Zuhörer überwand alle Scheu und sang einfach mit.