Der Ort liegt "in einer reizenden, sehr romantischen Gegend in einem Thale, welches von schönen malerischen Bergen umgeben ist und von der Wiesent durchschnitten wird".
In den höchsten Tönen lobte Reiseschriftsteller Joseph Heller 1829 den Ort, der einer ganzen Region und seinem Buch den Namen lieh. Spätestens bei der einleitenden Textstelle "Allgemeine Bemerkungen über die Muggendorfer Gegend sowie über die vorzüglichsten Merkwürdigkeiten derselben" wird klar, warum das Buch "Muggendorf und seine Umgebungen" heißt.

Eine kleine Predigt

Darin wird für Gäste eine Gegend sehr ausführlich beschrieben, die als spätere Tourismusregion Fränkische Schweiz hier ihren Anfang nahm.

Die Ortschronisten Brigitta und Ernst-Joachim Schönhöfer aus Bubenreuth datieren die Erstnennung des Ortsnamens in das Jahr 1112 als Besitz eines Adeligen
"Sterker von Muggendorf". Der Ort gehörte ursprünglich zum Herrschaftsbeisitz derer von Streitberg und kam im 16. Jahrhundert in den Besitz des evangelischen Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Aus dieser Zeit kursiert noch heute die Sage, dass Martin Luther auf seiner Reise nach Nürnberg anlässlich der Muggendorfer Kirchweih hier Rast hielt und sogar, nachdem er erkannt wurde, eine kleine Predigt hielt, während der es mucksmäuschenstill auf der Festwiese war.

Ob etwas Wahres an der Sache ist, dafür gibt es keine Belege. Allerdings heißt die Wiese, auf der sich jetzt die Minigolfanlage befindet, noch immer "Stille Wiese". Die Marktgerechtigkeit erhielt Muggendorf im Jahre 1548, 1553 während des Markgräflerkrieges ist der Ort fast völlig zerstört worden, genauso fast 2100 Jahr später, als die Schweden raubend und mordend durchs Land zogen. Aufwärts ging es ab 1711 wieder, als Muggendorf erneut das Marktrecht verliehen bekam. Und dann kamen die Wissenschaftler.

Einige Merkwürdigkeiten

Muggendorf ist in der Reiseliteratur des 19. Jahrhunderts ausführlicher beschrieben als manch größeres Dorf der Region, weil hier in der Regel der Urlaub begann. An- und Abreise wurden mit der Postkutsche getätigt.

Dazwischen lagen mehr oder weniger lange Tageswanderungen für die Gäste zu den "Merkwürdigkeiten", heute würde man "Sehenswürdigkeiten" dazu sagen, der Umgebung. Die Route beinhaltete anfänglich vor allem das Wiesenttal in Nord- und in der Südrichtung. Etwas später kamen das Trubachtal mit Egloffstein und das Püttlachtal mit Pottenstein und weitere Täler und "Merkwürdigkeiten" hinzu. Offiziell begann der Tourismus in der Fränkischen Schweiz 1793 mit der literarischen "Pfingstreise" der beiden Erlanger Studenten Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck.

Sie beschrieben in Briefen an ihre Eltern die Eindrücke und Erlebnisse unterwegs auf dem Rücken ihrer Pferde. Der Regionsbegriff "Muggendorfer Gebürg" war unter Höhlenkundlern seit 1774 bekannt. In jenem Jahr veröffentlichte der Uttenreuther Pfarrer Friedrich Esper erstmals ein in mehrere Sprachen übersetztes "Höhlenbuch" über seine Entdeckungen "merkwürdiger Thiere" in der Zoolithenhöhle. Damit begannen die naturwissenschaftlichen Forschungen und der "Höhlentourismus". Die bizarre Unterwelt lockte in der Folge zahlreiche Literaten und Professoren mit ihren Studenten hierher. Die Höhlenbeschreibung Espers war demnach der auslösende Grund für den Besuch der beiden Studenten. Sie legten damit den Grundstein für die Entstehung des Urlauberverkehres in der Region.

Ein erster Höhepunkt war die Einrichtung von "Kurorten", an denen die Molkekur nach Schweizer Vorbild verabreicht wurde. Zuerst in Streitberg, ab 1840, dann in Muggendorf und noch später in Gößweinstein und Pottenstein versuchte man damit erfolgreich, sich in Konkurrenz mit anderen bayerischen Gebieten zu messen.
Heute versteht sich Muggendorf vor allem als professionelles Wandergebiet mit einem dichten Netz an Wanderwegen, das auch zu den vielen Ortsteilen der Gemeinde führt. Im ehemaligen Kurhaus, einem typischen "Schweizer Haus" ist das Rathaus untergebracht und auch die Touristinformation. Zwei Museen und eine renommierte Gastronomie sorgen sich heute um die zahlreichen Urlauber, die natürlich auch auf den beiden Ruinen Neideck und Streitberg, in der Binghöhle und anderen Sehenswürdigkeiten und Ereignissen der Großgemeinde, zum Beispiel dem berühmten Erntedankfest, gerne gesehen sind.