Das Thema scheint entschieden, doch die Bürgerinitiative (BI) "Gegen den Funkmast im Handwerkerhof" gibt nicht auf. "Wir bleiben dran", sagte BI-Sprecherin Nicole Dratz am Freitag, am Tag, nachdem der Forchheimer Stadtrat beschlossen hatte, den 36 Meter hohen Mobilfunkmast im Handwerkerhof zu bauen.
Die Stadtratsmehrheit war am Donnerstag der Begründung der Bauverwaltung und des städtischen Rechtsrates gefolgt, dass die Kommune in einem sogenannten Mischgebiet (Industrie und Wohnen) keine Chance habe, den Bau eines Mobilfunk-Mastes zu verhindern.

"Das stimmt so nicht, dass man nichts machen kann", betont dagegen BI-Akteurin Dratz, "wir haben uns rechtlichen Beistand geholt. Am Montag werden wir Oberbürgermeister Uwe Kirschstein unsere Position darlegen."
Die Hoffnungen der Funkmast-Gegner ruhen auf dem Modell, das sie in der Gemeinde Altenkunstadt kennengelernt haben.
Dort hatte die Kommune einen Experten engagiert, um eine Standortplanung für die Mobilfunk-Anlagen zu organisieren. Daher ist Nicole Dratz überzeugt: "Eine Gemeinde hat ein Mitbestimmungsrecht bei der Standortplanung, wenn sie will."

Trotz der mehrheitlichen Billigung des Funkmastes, gibt es im Stadtrat auch Stimmen, die sich mit dem Beschluss nicht zufrieden geben. "Die Entscheidung fiel zu schnell", sagt Annette Prechtel (FGL), "keiner verlangt, dass wir eine Klage riskieren. Aber wir können das Tempo rausnehmen und uns inhaltlich mit der Standort-Analyse befassen." Die FGL-Fraktionssprecherin vermisst Informationen: "Die Stadt muss mit dem Standort-Betreiber reden. Gibt es überhaupt den Bedarf für all die Technik, die auf den Mast draufgepackt werden soll?" Politisch sei Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) gefragt, eine ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzung zu suchen, fordert Annette Prechtel: "Sehr schade, dass er am Donnerstag dagegen gestimmt hat."

Udo Schönfelder (CSU) will im Streit um den Mobilfunkmast "zwei Ebenen" unterschieden wissen. "Kommunalrechtlich hat der Stadtrat am Montag konsequent entschieden", meint der CSU-Fraktionssprecher, "aber es gibt auch noch die emotionale Ebene, auf der wir den Bürgern helfen können." Schönfelder schlägt vor, "Experten" zu den besorgten Bürgern und in den Kindergarten am Handwerkerhof zu schicken, um sie "umfangreich zu informieren". Zum Modell Altenkunstadt sagt Schönfelder: "Ich schließe nicht aus, so eine Planung zu machen. Doch dann hat man vielleicht 20 Standorte in der Stadt und macht die Bürger nervös."

"Viele offene Fragen", sieht FW-Stadtrat Erwin Held in der Mobilfunk-Debatte. Daher gehörte er am Donnerstag im Stadtrat zu jenen, die sich dafür stark machten, im Umweltausschuss die Argumente der Bürgerinitiative zu erörtern. Auch Erwin Helds Parteikollege Ludwig Preusch meint: "Es geht nicht nur um den Funkmast im Handwerkerhof, sondern um zukünftige Standorte."
Sebastian Platzek (FDP) hält es dagegen für "wenig sinnvoll, am Beispiel eines einzelnen Masten in ausschweifende Diskussionen einzusteigen". Auch Reinhold Otzelberger (SPD) will keine Debatte über den von der Bürgerinitiative abgelehnten Funkmast, weil es "ohnehin keinen Ermessensspielraum" gebe. Annette Prechtel dagegen meint, es sei "resignativ und zu bequem, sich auf die rein rechtliche Lage zurückzuziehen".